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Nach Cherson: Hat die Ukraine schon die nächsten Ziele im Visier?

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Von: Franziska Schwarz

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Ukraine-Krieg: Zwei Jungen auf einem Autowrack in der Region Cherson mit der ukrainischen Flagge
Aufnahme vom 11. November: Zwei ukrainische Jungen in Cherson während des Abzugs der Russen © AFP

Die Truppen von Kremlchef Wladimir Putin befürchten nach der Niederlage in Cherson nun „Durchbrüche der Ukrainer“ an weiteren Stellen.

Kiew - Eine positive Deutung der militärischen Lage in Cherson dürfte Wladimir Putin inzwischen schwer fallen. Selbst sein Gefolgsmann und „Gehirn“ Alexander Dugin schrieb nach der Flucht der russischen Truppen aus der Region, dass Russland nicht noch weitere Orte im Ukraine-Krieg aufgeben dürfe. Anschließend versicherte er dem Kremlchef auf Telegram dennoch seine Loyalität.

Ukraine-News: Dugin beklagt nach Cherson-Abzug „Verrat“ durch Eliten

Einen „ideologischen Bruch“ sah allerdings das Institute for The Study of War (ISW) in dem Vorfall. Der US-Thinktank wertet intensiv öffentlich zugängliche Quellen zum russischen Überfall auf die Ukraine aus und berichtete in seiner jüngsten Analyse vom Montag (14. November): „Die ukrainischen Kämpfer festigen in Cherson ihre Kontrolle über das westliche Ufer des Fluss Dnipro.“

„Wenn wir etwas zu beanstanden haben, dann ist es, dass sich die Mitglieder der herrschenden Elite anfangen sich abzusetzen, und nun einer nach dem anderen den obersten Befehlshaber verrät“, schrieb Dugin auf Telegram. Er gilt seit dem Anschlag auf seine Tochter als wichtigster „Mitdenker“ im Sinne Putins und befürwortet zum Beispiel die Vereinigung russischsprachiger Gebiete in einem neuen russischen Großreich.

Nach Ukraine-Erfolg in Cherson: Mariupol nächstes Ziel der Gegenoffensive?

Nach ihrer erfolgreichen Gegenoffensive in Cherson könnten die Kämpfer von Wolodymyr Selenskyj nun allerdings auch Melitopol zurückerobern, eine ebenfalls von den Russen besetzte Stadt in der Südukraine. Das berichtete nicht nur die New York Times (NYT), sondern auch der britische Geheimdienst in seinem regelmäßigen öffentlichen Ukraine-Krieg-Update vom 8. November. Die Besatzer bereiteten sich demnach auf „Durchbrüche der Ukrainer“ entlang der Front in der Industriestadt vor.

„Russland verstärkt seine Linien in allen besetzten Gebieten“, so die Mitteilung aus London. Auch Mariupol, einem weiteren möglichen Ziel der Ukraine, komme als Teil einer Landbrücke zur besetzten Schwarzmeer-Halbinsel Krim besondere strategische Bedeutung zu. „Wir alle spüren, wie unser Sieg naht“, verkündete der ukrainische Präsident Selenskyj dennoch am Sonntag in einer Videobotschaft.

Ukraine-News: Militärexperte würde neue Gegenoffensive „überraschen“

Der Militäranalyst Justin Bronk vom Royal United Service Institute zeigte sich im Gespräch mit der NYT allerdings skeptisch angesichts der kolportierten ukrainischen Ambitionen. Nach der Verausgabung in Cherson wäre er „überrascht“, wenn die Kämpfer nun noch genug Munition, Treibstoff und Ausrüstung für eine Gegenoffensive in Melipotol hätten.

Gegensätzlich äußerte sich der ukrainische Oberleutnant Andriy Michaitschenko aus dem Donbass: „Die Logik des Krieges besteht nicht darin, eine Pause einzulegen und irgendwie weiter vorzurücken“, sagte er laut NYT. Er glaube, dass die Ukraine mit ihren Gegenoffensiven den russischen Angreifern keine Zeit geben werde, sich umzugruppieren. (frs mit Material von dpa)

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