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„Er war das Ziel“: Ukrainischer Getreide-Boss getötet – Selenskyj-Berater vermutet Absicht

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Von: Franziska Schwarz

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Im Ukraine-Krieg ist einer der größten ukrainischen Getreide-Händler unter tödlichen Beschuss geraten. Für Präsidentenberater Podoljak ist das keineswegs Zufall.

Mykolajiw - Bei den Gefechten in der Ukraine sind auch ein bekannter Unternehmer und seine Ehefrau getötet worden - sein Metier war Getreide. Die Ware, die schon länger international Sorge bereitet. Oleksij Wadaturskyj wurde 74 Jahre alt. Sein Vermögen belief sich zuletzt auf schätzungsweise mehr als 400 Millionen Euro, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

Der Ukrainer hatte das Logistikunternehmen Nibulon mit Sitz in Mykolajiw gegründet. Doch die südukrainische Großstadt wurde am 31. Juli „wahrscheinlich so stark wie nie“ beschossen, erklärte ihr Bürgermeister Oleksandr Senkewytsch auf Telegram.

Die beiden Eheleute kamen demnach in ihrem Wohnhaus ums Leben. Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte ihren Tod einen „großen Verlust“ und würdige laut US-Sender CNN, was Wadaturskyj „für mehr als 50 Jahre“ für die Landwirtschaft sowie den Schiffbau der Ukraine geleistet habe, das ukrainische Außenministerium bezeichnete Wadaturskyj in einem Tweet als „Helden“:

Getreide-Großhändler in Ukraine-Krieg getötet: „Das war Absicht“

CNN-Reporter bezeugten die schweren Explosionen und Brände in Mykolajiw. Wadaturskyj und seine Frau suchten laut dem Bericht Schutz in ihrem Keller, Teile ihrer Villa lägen nun in Schutt. Anwohner zeigten sich laut dem US-Sender „schockiert“ und „wütend“ über den Angriff.

Drei weitere Zivilisten sind bei dem Angriff wohl verletzt worden. In der Schiffsbauerstadt soll noch etwa die Hälfte der einst knapp 500.000 Einwohner ausharren. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig prüfen.

Welche Rolle spielt ukrainisches Getreide für das Land selbst und die Welt?

Vor der russischen Invasion in die Ukraine war das Land der weltweit viertgrößte Exporteur von Weizen und Mais. Von der Ernte 2021 allerdings liegen nun noch mehr als 20 Millionen Tonnen in ukrainischen Häfen fest, so die ukrainische Seite.

Die ukrainische Regierung mit Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland mit Kremlchef Wladimir Putin eine Blockade vor. Moskau hingegen beschuldigte die Ukraine, ihre eigenen Häfen vermint zu haben und die Minen nicht räumen zu wollen. 

Der Ukraine-Krieg und seine Folgen hat die Getreiderpreise in die Höhe getrieben. Wegen ausbleibender Lieferungen befürchten die UN zudem nun zunehmend Hungerkrisen auf der Welt. In Istanbul wurde am 22. Juli ein Deal zum Export von ukrainischem Getreide ausgehandelt.

War Mykolajiw in dem Getreide-Streit ein ausgesuchtes Ziel Moskaus? Laut CNN ist das aktuell unklar. Für den ukrainischen Präsidentenberater Mychailo Podoljak hingegen nicht. Er schrieb auf Telegram, Wadaturskyj sei absichtlich getötet worden. Das Geschoss habe dessen Schlafzimmer getroffen, es gebe „keine Zweifel“: „Wadaturskyj war das Ziel.“ (frs mit AFP-Material)

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