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Innenministerium zählt Deutschlands Schutzbunker - Bayerns Minister denkt über Tiefgaragen-Zuschuss nach

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Von: Stella Henrich

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Das Innenministerium hat die Schutzbunker gezählt, in denen Bürger in Deutschland im Falle einer Gefahrenlage Platz fänden. Das Ergebnis ist ernüchternd.

München − Der Angriff Russlands auf die Ukraine weckt Erinnerungen an längst vergangenen Kriegstage - besonders bei älteren Menschen. Dabei sind es vor allem die Fernsehbilder des Kriegs, welche die Bürger um ihre eigene Sicherheit besorgt machen. Der Ukraine-Konflikt tobt mitten in Europa.

Nicht wenige haben Angst, dass Putin außer Kontrolle ist und in der Ukraine nicht haltmachen könnte. Zwar scheint es derzeit unwahrscheinlich, dass Russland Deutschland angreift, dennoch stellen sich einige Bürger die Frage, was, wenn doch? Wo kann ich hingehen, um mich vor möglichen Luftangriffen zu schützen? Gibt es eigentlich noch Bunker hierzulande?

Ukraine-Krieg: Deutsche Bunker bieten Schutz für bloß 0,5 Prozent der Bevölkerung

Nun hat das Bundesinnenministeriums zusammengerechnet, wie viele Luftschutzbunker es noch in Deutschland gibt: Derzeit stehen exakt 599 öffentliche Schutzräume mit Platz für insgesamt 487.598 Menschen zur Verfügung. Nicht einmal jeder 160te Bürger würde also Zuflucht in einem Schutzbunker finden. Das geht aus einer Antwort des Ministeriums auf eine kleine Anfrage der AfD-Fraktion im Bundestag hervor.

Das Bild zeigt einen Luftschutzbunker in Hagen in Nordrhein-Westfalen.
Luftschutzbunker in Hagen (NRW), ein sogenannter Lost Place. © Rico Mark Rüde/Imago

Die meisten Schutzräume gibt es demnach in Baden-Württemberg (220) und Bayern (156). Im Osten gibt es – bis auf Berlin – laut Behörde keine Räume. Neben diesen öffentlichen Schutzräumen könnten die Bürger aber in vielen U-Bahn-Stationen, Tiefgaragen sowie Kellerräume Zuflucht finden. Diese böten „aufgrund der in Deutschland im allgemeinen flächendeckend vorhandenen soliden Bausubstanz einen guten Grundschutz“, teilt das Ministerium weiter mit. Gleichzeitig kündigt das Ministerium eine gemeinsame Bestandsaufnahme des Zustands der vorhandenen Räume mit den Ländern und eine Prüfung des aktuellen Rückbaukonzepts an.

Nach Angaben von Business Insider will jetzt auch der bayerische Bauminister Christian Bernreiter (CSU) aufgrund der wenigen Zufluchtsbunker über Zuschüsse für angriffssichere Tiefgaragen nachdenken. „Für Tiefgaragen, die als Sicherungsanlagen für kriegerische Auseinandersetzungen ausgebaut wurden, hat es einmal erhebliche Zuschüsse gegeben. Das muss man jetzt wieder intensiv diskutieren,“ erklärt er gegenüber dem Internetportal weiter. Der letzte solche Bunker (die Tiefgarage unter dem Gersthofener Rathaus) wurde erst fertiggestellt, als der Kalte Krieg schon lange vorbei war - 1993.

Schutzbunker in Deutschland: Kritik kommt von der AfD und der Katastrophenhilfe

Der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion, Stephan Brandner, nannte es beschämend, dass im Ernstfall in den 599 Schutzräumen nicht einmal eine halbe Million Menschen Zuflucht finden würden. Stattdessen fördere der Bund die Einrichtung von Schutzräumen in Tiefgaragen oder Bahnhöfen. Der Grund: „Sämtliche Regierenden haben das Thema naiv über sehr lange Zeit vernachlässigt.“ Nun müsse, ähnlich wie in vielen anderen Bereichen viel Versäumtes aufgeholt werden, was viele Jahre dauern werde.

Auch Armin Schuster, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), kann mit Kritik nicht zurückhalten: „Der Anteil des Zivilschutzes - also der Schutz der Zivilbevölkerung im Spannungs- oder Verteidigungsfall - innerhalb unserer Anstrengungen für den Bevölkerungsschutz ist lange nicht ernst genommen worden, man glaubte sich ja dauerhaft im  Frieden.“

Schuster rät den Bürgern daher, die Ratgeber-Angebote des BBK zu nutzen. Jeder könne sich vorbereiten, beispielsweise was eine sinnvolle Ausstattung für den Fall eines Stromausfalls oder anderer Notfälle angeht. Nahrungsmittelreserven und Trinkwasser sollte jeder zu Hause haben. Er sieht seine Aufgabe vor allem darin, den Zivilschutz und ehrenamtliches Engagement zu stärken. „Wir können nicht in jeder Krise die Bundeswehr rufen,“ so Schuster. (dpa/sth) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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