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Russischer Talk sieht „Dritten Weltkrieg“ – Gästin droht mehreren Ländern: „Sie sind die Nächsten“

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Von: Andreas Schmid

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Im russischen Fernsehen wird über den „Dritten Weltkrieg“ orakelt.
Im russischen Fernsehen wird über den „Dritten Weltkrieg“ orakelt. © Screenshot Twitter

In einer kremlnahen Talkshow geht es vor allem um eines: russische Drohungen. Die Runde spricht vom „Teil eines größeren Plans“ und der Flugzeit von Hyperschall-Waffen.

Moskau - Das Fernsehen ist das wichtigste Medium in Russland. Mehr als 80 Prozent der russischen Bevölkerung nutzen es Erhebungen zufolge als Hauptinformationsquelle. Wladimir Putin weiß das – und lässt immer wieder seine politischen Botschaften über die TV-Geräte in die russischen Wohnzimmer streuen. Mal in persönlichen Ansprachen, meist über verlängerte Propagandaarme auf Kremllinie. Als eines der bekanntesten Gesichter russischer Staatsmedien gilt der Moderator Wladimir Solowjow. In seiner Show äußerten Gäste am Sonntag (3. Juli) massive Drohungen.

Russisches TV: „Es geht um den Dritten Weltkrieg“

Der Ukraine-Krieg, auch im russischen Fernsehen Spezialoperation genannt, sei „Teil eines größeren Plans“, sagte der Politiker Andrei Gurulyov von der putinnahen Partei „Einiges Russland“ : „Es geht um den Dritten Weltkrieg, oder für uns den zweiten großen patriotischen Krieg.“ Der Zweite Weltkrieg und der Kampf gegen Nazi-Deutschland werden in Russland als großer patriotischer Krieg bezeichnet. In einem neuen Weltkrieg gehe es für Russland dann um die Bekämpfung des Faschismus, griff Gurulyov ein bekanntes Narrativ des Kreml und Putins auf.

Die Journalistin Nadana Fridriksson erklärte daraufhin, welche Länder sich besonders vor Russland fürchten müssten. „Die Länder im postsowjetischen Raum, die sich für Westlichkeit und Neutralität entschieden haben, sollten verstehen, dass sie die Nächsten sind. Früher oder später wird die Kampagne in der Ukraine beendet. Nach der Ukraine ist ein anderes Land an der Reihe.“ Putin selbst träumt immer wieder öffentlich vom „Russischen Reich“ – eine Wortwahl, die ohnehin mehrere Länder aufhorchen lassen müsste.

Ukraine-Krieg: Russische Talkgäste drohten bereits mit Flugzeit von Hyperschall-Waffen

Eigentlich sollte die Talkshowrunde darüber diskutieren, wie der Westen an den Verhandlungstisch gebracht werden könne. Wie Kremlchef Putin setzte die Runde dabei vor allem auf Drohungen. „Unsere Hyperschall-Waffen sollten in die Nähe der USA gebracht werden, mit einer maximalen Flugzeit von fünf Minuten“, sagte ein Gast laut Übersetzung von Focus Online. Im Laufe des Ukraine-Kriegs hatten Gäste im russischen Fernsehen bereits mit kurzen Flugzeiten von Atomwaffen in europäische Hauptstädte gedroht.

Nur durch solche Drohungen könne es zu Verhandlungen kommen, argumentierte die Runde. „Biden wird weiterhin rumsitzen und stottern, aber der Rest wird darüber nachdenken, wie man verhandeln kann.“ Es sei das einzige Szenario „um die Ukraine zu denazifizieren und zu demilitarisieren.“

Kritik gibt es in der Runde nicht. Laut der Journalistin Marina Owsjannikowa hat das System. „Dies ist ein Informationskrieg, niemand traut irgendwem“, erklärte sie im Juni bei einer Veranstaltung in Berlin. Owsjannikowas Anti-Kriegs-Protest im russischen Fernsehen war vor einigen Wochen um die Welt gegangen. Auf ihrem Protestplakat war live in einer Nachrichtensendung zu lesen: „Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen“. (as)

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