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Mariupols Bürgermeister schildert möglichen Putin-Plan nach den Scheinreferenden – „Bin mir sicher“

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Die Scheinreferenden in der Ukraine sind abgeschlossen. Nun könnte Putin eine Zwangsmobilisierung in den betroffenen Regionen planen, meint ein Bürgermeister.

München – Russische Staatsmedien jubeln über die Ergebnisse der Scheinreferenden in der Ukraine. Glaubt man den offiziellen Zahlen, dann haben durchschnittlich 97 Prozent der Referendums-Teilnehmer in Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson für eine „Eingliederung“ in die Russische Föderation gestimmt. Von einer freien und fairen Wahl kann dabei keineswegs die Rede sein. Nichtsdestotrotz: Die Regionen sollen wohl schon bald annektiert werden. Die Duma will dazu offenbar am 3. und 4. Oktober zusammenkommen.

Nach Befürchtung des Bürgermeisters von Mariupol, Wadym Bojtschenko, ist die Sache hiermit aber längst nicht abgehakt. Im Interview mit der ARD-„Tagesschau“ zeigte er sich überzeugt, dass Russlands Machthaber Wladimir Putin in den besetzten Gebieten eine Zwangsmobilisierung starten wird, um neue Rekruten für den Ukraine-Krieg zu gewinnen.

Ukraine-News: Zwangsmobilisierung jetzt auch in der Ostukraine? Mariupol-Bürgermeister warnt

Dem Bürgermeister zufolge sind besonders „Männer im wehrfähigen Alter, zwischen 18 und 65, in Gefahr“. Für diese Menschen bestehe das Risiko, für den russischen Angriffskrieg in der Ukraine mobilisiert zu werden. „Und ich bin mir sicher, dass sich Russland ausschließlich darauf vorbereitet“, hieß es weiter von Bojtschenko.

Der Kreml warte lediglich auf die „sogenannte rechtliche Entscheidung“, um endgültig mit der Mobilisierung zu beginnen. „Sie haben die Absicht, diese Männer einzuziehen“, mutmaßte der Bürgermeister. Außerdem gebe es bereits Anzeichen, dass Moskau die Stadt abriegele und die Bürger an der Ausreise hindere: „Wir sehen anhand der Statistiken, dass noch vor einer Woche hundert Menschen täglich aus den besetzten Gebieten gekommen sind. Gestern waren es lediglich acht Personen.“

Die US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) machte in ihrem aktuellsten Situationsbericht ebenfalls auf die mögliche Zwangsmobilisierung in der Ostukraine aufmerksam. Dort würden russische Beamte weiterhin die nötigen Voraussetzungen schaffen, um nach der Annexion ukrainische Zivilisten für den Kampf gegen das eigene Militär rekrutieren zu können. Unter anderem fordere man ukrainische Zivilisten mit Kurznachrichten dazu auf, sich bei militärischen Hauptquartieren zu melden.

Ukraine-News: Mariupol-Bürgermeister erwartet Befreiung von russischer Besatzung im März 2023

Im Gespräch mit der „Tagesschau“ äußerte sich Mariupol-Bürgermeister Bojtschenko auch zum weiteren Schicksal der Stadt. „Mariupol war, ist und bleibt eine ukrainische Stadt - daran wird auch ein Scheinreferendum nichts ändern“, betonte er. Ein Referendum sei schließlich „ein Instrument der direkten Demokratie“, sagte der Bürgermeister und fragte: „Von welcher Demokratie kann die Rede sein, wenn die Hälfte der Stadt gar nicht mehr existiert und nur noch 20 Prozent der Bevölkerung dort gefangen sind?“

Scheinreferenden änderten nichts an den ukrainischen Plänen zur Befreiung des Territoriums, erklärte er zudem. Die überstürzten Referenden Russlands führte er dabei auf die Angst vor der ukrainischen Gegenoffensive zurück: „Russland hat Angst, dass in nächster Zeit bestimmte Operationen zur Befreiung durchgeführt werden.“ Bojtschenko nannte auch ein konkretes Datum für den Erfolg dieser Offensiven. „Auf Grundlage der Gespräche, die wir heute mit unseren ukrainischen Streitkräften führen“, rechne man mit einer Rückkehr in die Stadt im März 2023. (bb)

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