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Odessa-Attacke: Briten widersprechen Russlands Begründung und nennen Putins drei Probleme im Militär

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Ukrainische Feuerwehrleute bekämpfen ein Feuer auf einem Boot im Hafen von Odessa, nachdem Raketen den Hafen am 23. Juli 2022 getroffen haben.
Ukrainische Feuerwehrleute bekämpfen ein Feuer auf einem Boot im Hafen von Odessa, nachdem Raketen den Hafen am 23. Juli 2022 getroffen haben. © Odessa City Council Telegram channel/AFP

Trotz des Getreide-Deals schlugen russische Raketen im Hafen von Odessa ein. Das britische Verteidigungsministerium lieferte nun eine Einschätzung und widersprach Moskaus Begründung.

Odessa/München - Inmitten des Ukraine-Krieges unterzeichneten Russland und die Ukraine eine Abmachung zur Ausfuhr von Getreide unter anderem aus dem Hafen der ukrainischen Stadt Odessa. Der von der Türkei und der UN vermittelte Deal sorgte für Erleichterung mit Blick auf die vom Krieg bedrohte globale Lebensmittelversorgung.

Die Freude über den diplomatischen Erfolg hielt jedoch nicht lange an, denn nur einen Tag später schlugen russische Raketen im Odessa-Hafen ein. Nach einem anfänglichen Dementi räumte Moskau den Angriff schließlich ein und begründete ihn mit westlichen Waffen, die dort gelagert worden seien. Das britische Verteidigungsministerium hat nun der russischen Darstellung widersprochen.

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Aus der Sicht des Verteidigungsministeriums in London hat die russische Begründung zur Attacke keinen Wahrheitsgehalt. „Es gibt keine Hinweise darauf, dass sich solche Ziele am Einschlagsort der Raketen befanden“, betonte das Ministerium in einer aktuellen Geheimdiensteinschätzung, die auf Twitter veröffentlicht wurde.

Mit „solchen Zielen“ ist dabei militärische Ausrüstung gemeint. Nach dem Angriff hieß es aus dem russischen Verteidigungsministerium, das Ziel der Raketen seien ein ukrainisches Kriegsschiff in einem Dock und ein Lager voll mit „Harpoon“-Seezielflugkörpern aus US-Herstellung gewesen. Darüber hinaus sei mit dem Angriff auch die Infrastruktur zur Reparatur und Modernisierung von ukrainischen Schiffen ins Visier genommen worden.

Die Attacke auf Odessa nur einen Tag nach der Unterzeichnung des Getreide-Deals in Istanbul sorgte für internationale Empörung sowie Bedenken an der Umsetzung der Abmachung. So unterstrich US-Außenminister Anthony Blinken, infolge des Angriffs gebe es „ernste Zweifel“ an der Glaubwürdigkeit Russlands. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem Akt „offensichtlicher russischer Barbarei“.

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Das Verteidigungsministerium in London machte darüber hinaus auch auf die Rolle von ukrainischen Anti-Schiffsraketen im Krieg aufmerksam. Russland nehme sie als eine „Schlüsselbedrohung“ war, die die Effektivität der russischen Schwarzmeerflotte begrenze. Dies wiederum habe sich auf die gesamte Invasion der Ukraine ausgewirkt, da die Truppen des russischen Machthabers Wladimir Putin etwa keinen amphibischen Angriff auf Odessa unternehmen könnten.

Das britische Verteidigungsministerium wies zugleich auf eine Herausforderung für das russische Militär hin. Zwar werde Russland weiterhin Bemühungen priorisieren, die Anti-Schiffsfähigkeiten der ukrainischen Armee zu degradieren und zu zerstören. „Alte Geheimdienstinformationen, schlechte Planung und ein Top-Down-Ansatz zu Einsätzen“ würden die russischen Angriffsbestrebungen aber höchstwahrscheinlich routinemäßig untergraben.

Der internationale Aufschrei zur Attacke auf Odessa hält Russland aber offenbar nicht davon ab, den Süden der Ukraine weiterhin ins Visier zu nehmen. Die Ukraine spricht von einem massiven Beschuss in der Odessa-Region. Selenskyj versicherte, man werde die russische Seite für die Angriffe bestrafen. Hinzu kommt: Viele Details des Getreide-Deals sind noch unklar. (bb)

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