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Erdogan als Retter vor dem Hunger: Was ist seine Rolle im Ukraine-Deal?

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Von: Christina Denk

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Russland und die Ukraine haben nach fünf Monaten Krieg einen Getreide-Deal unterschrieben. Die Türkei spielte eine Schlüsselrolle bei den Verhandlungen. Russland Handeln bringt eine Kehrtwende.

Istanbul - Die Ukraine und Russland haben am Freitag (22. Juli) ein Abkommen über Getreidelieferungen unterzeichnet. Ein wichtiger Schritt, um die weltweite Versorgung mit Getreide sicherzustellen. Die Afrikanische Union und viele westliche Staaten begrüßten das Abkommen. Die Unterzeichnungszeremonie fand in Istanbul statt. Auch Recep Tayyip Erdogan war vor Ort. Seit Beginn des Krieges versucht sich der Präsident in der Rolle als Vermittler einer Friedenslösung. Auch bei dieser Verhandlung war er offenbar maßgeblich beteiligt.

Erdogans Rolle als Vermittler beim Getreide-Deal — Russland attackiert Hafen einen Tag später

In den wochenlangen, zähen Verhandlungen zum Getreide-Deal im Ukraine-Krieg agierten sowohl die Türkei, als auch die UNO als Vermittler zwischen den Kriegsparteien. Auch bei der Unterzeichnung waren Vertreter des Landes und der Organisation dabei. Erdogan selbst war bei der Zeremonie im Dolmabahce-Palast vor Ort. Er äußerte die Hoffnung, dass die Vereinbarungen über die Getreide-Problematik hinaus „den Weg zum Frieden wieder freimachen“.

Erdogan war bei der Aushandlung des Getreide-Abkommens zwischen Russland und der Ukraine als Vermittler vor Ort.
Erdogan war bei der Aushandlung des Getreide-Abkommens zwischen Russland und der Ukraine als Vermittler vor Ort. © Khalil Hamra/dpa

Die Türkei bot der Ukraine Hilfe bei der Minenräumung in den Häfen an, um die Getreideausfuhren zu ermöglichen. Diese Aufgabe könne, falls nötig, von seinem Land übernommen werden, sagte der Erdogan-Berater Ibrahim Kalin im türkischen Sender NTV. Schoigu betonte, Russland habe sich verpflichtet, die Beseitigung ukrainischer Minen nicht zu seinem Vorteil auszunutzen.

Einen Tag nach der Unterzeichnung des Vertrages hat Russland den für die Ausfuhr wichtigsten Hafen Odessa beschossen. Damit habe Russlands Präsident Wladimir Putin „UN-Generalsekretär António Guterres und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, die große Anstrengungen unternommen haben, um eine Einigung zu erzielen, ins Gesicht gespuckt“, erklärte Oleg Nikolenko, Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, so AFP.

Ukraine-Krieg: Erdogans Rolle seit Beginn der Eskalation — ein Dreiecksspagat

Erdogan hatte sich zu Anfang des Krieges an einem Dreieckspagat versucht. Er wollte einerseits die Ukraine unterstützen, Russland nicht verärgern, aber auch seine Treue zur Nato zeigen, berichtete RND. Auch fünf Monate nach Kriegsbeginn hat die Türkei, außer der Sperrung des Luftraums, keine Sanktionen gegen Russland verhängt. Die Eskalation des Ukraine-Konflikts verurteilte die Türkei jedoch und liefert Waffen an die Ukraine.

Im Interview mit Merkur.de bezeichnete der Türkei-Experte Günter Seufert diese Strategie als Balanceakt. Die Türkei sehe ihre Zukunft „zwischen den Großmächten, also USA und Russland und eventuell später auch Russland und China.“ „Die Türkei wird ihre eigenen Interessen einmal gegen die eine Großmacht, mithilfe der anderen Großmacht, und mit der anderen Großmacht gegen die erste Großmacht durchzusetzen versuchen.“ Ähnlich kann bereits das Verhalten um den Nato-Beitritt von Finnland und Schweden beurteilt werden. Zuletzt trafen sich Erdogan und Putin bei einem Gipfel im Iran, um über die Lage in Syrien zu sprechen. Die Stimmung zwischen der Türkei und Russland wirkte angespannt. Bei einem Treffen ließ Erdogan den russischen Präsidenten auflaufen. (chd/dpa/AFP)

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