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Putin-Telefonat publik: Kremlchef würgte Macron ab - „ich will jetzt Eishockey spielen“

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Von: Andreas Schmid

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Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich im Telefonat mit Emmanuel Macron über die aktuelle Lage im Ukraine-Krieg geäußert.
Der russische Präsident Wladimir Putin telefoniert öfter mit Emmanuel Macron. Nun wurde der Inhalt eines Gesprächs öffentlich. (Symbolbild) © Kremlin Pool/Imago

Wladimir Putin und Emmanuel Macron telefonieren häufig miteinander. Bei einem Gespräch durfte ein Journalist Mäuschen spielen. Er veröffentlichte das Gesprächsprotokoll.

Paris - Seltene Einblicke in den Charakter Wladimir Putins. Kurz vor Beginn des Ukraine-Kriegs telefonierte der russische Präsident mit seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron. Was Putin offenbar nicht wusste: der französische Journalist Guy Lagache nahm das gesamte Gespräch unter Erlaubnis Macrons mit seiner Videokamera auf. Die Inhalte des Gesprächs werden am 30. Juni in einer Doku im französischen Fernsehen gezeigt. Vorab veröffentlichten französische Medien das Gesprächsprotokoll.

Gespräch zwischen Putin und Macron: „Du siehst doch selbst, was passiert“

Am 20. Februar, vier Tage vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine, telefonierte Putin mit Macron. „Wladimir, zunächst mal eine Sache“, sagt Macron zu Beginn des Gesprächs. Putin unterbricht, versucht die Gesprächsführung an sich zu reißen: „Hören Sie zu, Emmanuel.“ Macron wiederum fordert von seinem Gegenüber, „ganz direkt die russischen Absichten“ zu schildern.

„Was soll ich sagen? Du siehst doch selbst, was passiert“, entgegnete Putin und beschuldigte die Ukraine, Verträge wie das Minsker Abkommen zu brechen: ein nach der Krimannexion unterzeichnetes Friedensabkommen, das die Lage in der Ostukraine verbessern sollte. „Du und Kanzler Scholz, ihr habt mir gesagt, Präsident Selenskyj sei bereit zu einer Geste guten Willens (...) Aber unser lieber Kollege Selenskyj macht nichts. Er lügt.“ Macron widerspricht laut Gesprächsprotokoll, doch Putin scheint nicht näher darauf einzugehen. Beide dutzen sich in dem Gespräch.

Macron platzt der Kragen: „Ich weiß nicht, wo dein Jurist studiert hat“

Stattdessen verteidigt Putin die von Russland unterstützten Separatisten in der Ostukraine. „Ich verstehe euer Problem mit den Separatisten nicht. Sie haben wenigstens getan, was wir ihnen gesagt haben und haben einen konstruktiven Dialog mit der ukrainischen Seite begonnen.“ Macron schimpft daraufhin: „Ich weiß nicht, wo dein Jurist studiert hat. (...) Ich weiß nicht, welcher Jurist sich zu der Behauptung versteigt, dass Gesetzestexte in einem souveränen Land von Separatisten ausgearbeitet werden und nicht von einer demokratisch gewählten Regierung.“

Putin spricht erneut von den politischen Vorschlägen der Separatisten. Dabei geht es wohl um die selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk. Macron entgegnet: „Die Vorschläge der Separatisten interessieren uns nicht.“

Putin geht daraufhin auf die Aussagen Macrons ein. „Es handelt sich nicht um eine demokratisch gewählte Regierung“, sagt der Kremlchef mit Blick auf die Ukraine und attackiert dann Präsident Wolodymyr Selenskyj: „Sie ist über einen Staatsstreich an die Macht gelangt, es gab Leute, die lebendigen Leibes verbrannt wurden, es war ein Blutbad und Selenskyj ist einer der Verantwortlichen.“

Putin-Macron-Telefonat: „Ich möchte jetzt Eishockey spielen“

Zu diesem Zeitpunkt des Gesprächs scheint der Ton rauer. Letztlich bemüht sich Macron allerdings auch um eine Vermittlerrolle. Es gehe darum, „alle zu beruhigen“, Putin solle sich „in den kommenden Stunden und Tagen nicht zu Provokationen hinreißen“ lassen. Macron schlägt daraufhin ein gemeinsames Treffen mit US-Präsident Joe Biden vor. Ein Datum nennt Macron nicht, spricht stattdessen von den „kommenden Tagen“.

Putin scheint nicht abgeneigt. „Es ist ein Vorschlag, der es verdient hat, beachtet zu werden“. Macron hakt nach, schlägt vor, dass sich die Präsidialberater um die Formalien kümmern. Putin weicht aus. „Um dir nichts zu verbergen, ich will jetzt Eishockey spielen, ich spreche mit dir aus meiner Sporthalle, wo ich mit dem Training beginne. Ich rufe erst mal meine Berater an“.

Putin spielt regelmäßig Eishockey. Mit Schlittschuhen wirkt der Kremlchef durchaus sattelfest. In staatlichen Medien werden die Qualitäten des 69-Jährigen allerdings auch vollkommen überinszeniert. Bei einem Freundschafts-Eishockey-Spiel in Sotschi 2019 erzielte der Präsident acht Tore. Auf Youtube gibt es die Highlights der Partie, in der es Putin nicht sonderlich schwer gemacht wird, ins Tor zu treffen. Kommentatorenduo, Mitspieler und Stadionbesucher feiern dennoch. Ein Treffen mit Biden kam übrigens nicht zustande. Vier Tage nach dem Gespräch begann der Ukraine-Krieg. (as)

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