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Ex-Präsident und Putin-Vertrauter mit deutlicher Ansage: USA sollen „selbst angekrochen kommen“

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Von: Tom Offinger

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Die Sorge vor einem Atomangriff ist seit dem Ukraine-Krieg allgegenwärtig. Russlands Ex-Präsident Medwedew erteilt Abrüstungs-Gesprächen eine deutliche Absage.

Moskau - Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht von Neuem die Gefahr eines möglichen Atomkriegs heraufbeschworen wird. Vorbei sind die Tage, während denen sich die USA und Russland um eine gemeinsame Abrüstung bemühten, stattdessen ist das Zeitalter des atomaren Schreckens, das einige noch aus dem Kalten Krieg kennen dürften, zurück. Russlands früherer Präsident und Ministerpräsident Dimitrij Medwedew erteilt einer Rückkehr an den Verhandlungstisch erneut eine deutliche Absage.

Absage an Abrüstungs-Verhandlung: Russland hat „keine Beziehungen zu den USA“

„Wir haben derzeit keine Beziehungen zu den USA. Sie sind auf der Kelvin-Skala bei null“, beschreibt der hochrangige Politiker und enge Vertraute von Wladimir Putin das Verhältnis der beiden Länder. Medwedew, der von 2008 bis 2012 das höchste politische Amt innehatte, sieht derzeit keinen Grund, über weitere Abrüstungen mit den Vereinigten Staaten zu sprechen. Vielmehr halte er eine russische Rückkehr an den Verhandlungstisch für „schlecht“. Stattdessen sollten doch die USA „von selbst angekrochen kommen und darum bitten“, forderte der 56-Jährige jüngst in einem Telegram-Post.

Eine russische Atomrakete auf dem Roten Platz in Moskau.
Russland präsentiert seine Atomwaffen regelmäßig bei Paraden. (Archivbild) © Sergei Chirikov/dpa

Wie wahrscheinlich ein Atomschlag vonseiten Russlands tatsächlich ist, lässt sich schwer sagen. Als Reaktion auf die harten Sanktionen gegen sein Land versetzte Präsident Putin seine Atomstreitkräfte schon in den ersten Tagen nach dem Überfall auf die Ukraine in Kampfbereitschaft – ein ähnliches Verfahren hatte er auch schon nach dem Einmarsch auf die Krim angewandt. Experten, wie der Militär- und Osteuropaexperte Gustav Gressel, behaupteten frühzeitig, dass die Androhung eines Atomkriegs Putins einzige Waffe sei, „um die Öffentlichkeit zu verunsichern oder zu beeinflussen“, da die westliche Welt solidarisch hinter der Ukraine stehen würde.

Laut dpa-Informationen verfügte Russland im Jahr 2021 noch über 6255 atomare Sprengköpfe (größtes Arsenal der Welt, rund 800 mehr als die Vereinigten Staaten).

Atommächte und in deren Besitz befindliche Nuklearwaffen 2021
Atommächte und in deren Besitz befindliche Nuklearwaffen 2021 © dpa

Dimitrij Medwedew: Rollentausch mit Wladimir Putin

Zurück zu Dimitrij Medwedew: Seine bisher einzige Amtszeit als Präsident der Russischen Föderation wurde vor allem von der jüngeren Generation mit viel Hoffnung verbunden. Putin wich 2008 nach Ablauf seiner zweiten Amtszeit verfassungsmäßig auf den Posten des Ministerpräsidenten, während Medwedew bis 2012 in den Kreml zog. Er galt als liberaler Politiker und unterzeichnete 2009 mit dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama einen Nachfolger des START-Abkommens zur weiteren Reduzierung der Nuklearwaffen-Arsenale. Letztlich verliefen die großen Veränderungen im Sande.

Dimitrij Medwedew (li.) an der Seite von Wladimir Putin.
Dimitrij Medwedew (li.) an der Seite von Wladimir Putin. © Kremlin Pool/imago images

Im Jahr 2012 kehrte Wladimir Putin zurück an die Macht, während Medwedew Ministerpräsident wurde und dieses Amt auch bis Januar 2020 innehatte – stets als zweiter Mann hinter Putin. „Das ist eine tief durchdachte Entscheidung, die wir seit dem Beginn unserer Kameradschaft besprochen haben“, erklärte Medwedew den Wechsel vor zehn Jahren. Mittlerweile gilt der 56-Jährige als einer der reichsten und korruptesten Politiker des Landes: Die Anti-Korruptions-Organisation von Kreml-Kritiker Alexej Nawalny schätzte sein Vermögen im Jahr 2017 auf knapp eine Milliarde Dollar. (to)

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