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Kremlnahe Zeitung berichtet von hohen Opferzahlen im Ukraine-Krieg – und löscht Angaben wieder

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Von: Linus Prien

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Beerdigung russischer Soldaten im Ukraine-Krieg.
Beerdigung russischer Soldaten © IMAGO/Andrei Samsonov

Wie hoch die Opferzahlen im Ukraine-Krieg sind, lässt sich nicht unabhängig bestätigen. Der Kreml verbreitet jedoch seit Wochen deutlich niedrigere Angaben als andere Quellen.

Moskau - Die kremlnahe russische Zeitung Komsomolskaja Prawda hat Zahlen von angeblich im Ukraine-Konflikt getöteten russischen Soldaten veröffentlicht. In einem Online-Artikel vom Sonntag war, unter Berufung auf das Verteidigungsministerium, die Rede von 9861 Soldaten, die seit Beginn des Kriegs gestorben sein sollen. Das geht aus einer archivierten Version des Textes hervor. Deutlich mehr als die 498 Toten, die Moskau bislang offiziell bestätigt hat. Einige Stunden später war die entsprechende Passage aus dem Artikel allerdings wieder verschwunden.

Ukraine-Krieg: „Die russische Kunst des Lügens hilft nicht mehr“

Der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljak kommentierte auf Twitter, dass „die russische Kunst des Lügens“ nicht mehr helfe. Weiter schrieb er: „Ein Desaster für die Propaganda Russlands, in der echten Welt gibt es aber fast schon doppelt so viele tote Russen.“ Nach ukrainischer Darstellung sind seit Kriegsbeginn bereits knapp 15.000 russische Soldaten getötet worden. Auch die Angaben aus der Ukraine lassen sich nicht unabhängig bestätigen.

Eine Stellungnahme der Zeitung aus Russland gab es zunächst nicht. Andere Medien rätselten am Montag über den Artikel und wiesen darauf hin, dass im Briefing des Verteidigungsministeriums am Sonntag keine Angaben zu getöteten Russen gemacht wurden. Der Journalist Yaroslav Trofimov vom Wall Street Journal schrieb auf Twitter: „Entweder (die Seite) KP.ru wurde gehackt oder jemand hat geleakte Zahlen bekommen und sie veröffentlicht.“

Ukraine-Krieg: Kremlnahe Zeitung gehackt?

Nach übereinstimmenden Medienberichten führte die Komsomolskaja Prawda am Dienstag die Veröffentlichung auf einen Hackerangriff zurück. Auch diese Angabe ist nicht unabhängig verifizierbar. Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hatte zuvor erklärt, er könne den Vorfall nicht kommentieren. (afp/dpa/lp)

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