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Billig, schnell, erfolgreich: Expertin erklärt „Stachelschwein-Strategie“ der Ukraine, an der die Russen verzweifeln

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Von: Hannes Niemeyer

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Der Ukraine-Krieg wütet. Ein großer Erfolg - etwa die Einnahme einer Großstadt - gelingt Putins Armee aber nicht. Auch dank der „Stachelschwein-Strategie“.

Hamburg - Der Ukraine-Konflikt* ist längst eskaliert, seit Wochen herrscht ein Krieg mitten in Europa. Das „seit Wochen“, also die schon jetzt angesammelte Dauer des militärischen Einfalles der Russen in das Nachbarland ist allerdings genau der Knackpunkt. Mehr und mehr häufen sich die Berichte darüber, dass Wladimir Putin* nicht damit gerechnet habe, in der Ukraine auf eine derartige Gegenwehr zu stoßen, die ihm seit dem Invasionsbeginn Ende Februar entgegenschlägt.

Hinzu kommt noch: Nicht nur soll Putin mit einem schnellen Erfolg gerechnet haben, auch kommen seine Truppen seit geraumer Zeit kaum mehr voran. Medien vermelden regelmäßig in Berichten, dass die Moral in den russischen Truppen zu sinken beginne*. Zuletzt hieße es, die Vorräte der Kreml-Armee* würden nur noch wenige Tage reichen, die Verluste sollen durchaus hoch sein. Sogar ein Ex-CIA-Chef ist überrascht darüber, wie viele Generäle die russische Armee bereits verloren habe. Hat Putin sich also verkalkuliert?

Ukraine-News: Expertin sieht „keinen einfachen Weg raus“ für Putin - Ukraine-Taktik geht auf

Gut möglich. Hauptverantwortlich für die augenscheinlich kritischer werdende Lage rund um die Truppen des Kreml-Despoten sind aber besonders die Ukrainer um ihren Präsidenten Wolodymyr Selenskyj*. Die taktische Aufstellung der ukrainischen Armee scheint gegen die vermeintliche russische Übermacht vollends aufzugehen. Grund dafür ist auch eine besondere Strategie, die Florence Gaub, Expertin für Sicherheitspolitik im ZDF-Talk bei „Markus Lanz“ äußerte. Alle News zum Geschehen in der Ukraine finden Sie auch in unserem Live-Ticker zum Ukraine-Krieg.

„Es geht zeitlich nicht nach Plan, es geht politisch nicht nach Plan“, erklärt Gaub in der Experten-Runde und lässt die Frage aufkommen: „Wie kommt Putin da jetzt wieder raus?“. Die Antwort gibt Gaub selber - und sie dürfte sich mit der Meinung vieler Zuschauer decken: „Ich glaube, es gibt für ihn keinen einfachen Weg raus“. Was die russischen Truppen bräuchten, wäre ein großer Sieg, die Einnahme einer bedeutenden Stadt zum Beispiel. Genau hier geht der Plan der Ukraine allerdings bisher voll auf: „Die Ukrainer haben die bessere Strategie“, so Gaub - und bringt einen besonderen Begriff ins Spiel: Die „Stachelschwein-Strategie“.

Ukraine-News: Billig, schnell, erfolgreich - Expertin erklärt ukrainische „Stachelschwein-Strategie“

Recht offensichtlich verbirgt sich hier eine Metapher dahinter. Die Assoziation zum Stachelschwein fällt vorerst unweigerlich auf Begriffe wie unangenehm oder widerstandsfähig - sie passt also zur ukrainischen Verteidigungsstrategie. Gaub erklärt bei Lanz das Ziel dahinter: „Sie müssen nur quasi den Russen ihren Sieg verweigern. Die Russen dürfen keine wichtigen Städte einnehmen“. Ein Vorhaben, das natürlich leichter klingt als es ist, laut Gaub aber „die billigere und schnellere“ Kriegsführung sei.

Konkret gehe es Gaub weniger um eine Stadt wie Mariupol, die nach einem Angriff auf eine Kinderklinik Aufsehen erregte, denn um strategisch wichtige Orte wie Odessa oder Kiew. „Wenn Sie mal versucht haben, ein Stachelschwein anzufassen: Das tut sehr weh“, so Gaub, die weiter ausführt: „Und genau das erreichen die Ukrainer gerade. Sie machen es den Russen sehr schmerzhaft, sehr schwierig, überhaupt vorwärts zu kommen in die Ukraine“.

Bei „Markus Lanz“ erklärte Sicherheitsexpertin Florence Gaub (2.v.r.) die „Stachelschwein-Strategie“.
Bei „Markus Lanz“ erklärte Sicherheitsexpertin Florence Gaub (2.v.r.) die „Stachelschwein-Strategie“. © Screenshot: ZDF-Mediathek/„Markus Lanz“

Ukraine-News: Geht die Strategie auf? Das „Stachelschwein“ sticht zurück

Und tatsächlich scheint die Strategie bisher aufzugehen. Seit langem stehen russische Truppen vor der Hauptstadt, auch wegen der heftigen Gegenwehr der Ukrainer gelingt es jedoch nicht, nach Kiew vorzudringen*. Zuletzt vermeldete die Selenskyj-Armee gar, einen Vorort der Stadt zurückerobert zu haben. Das „Stachelschwein“ sticht also weiterhin zurück - und je länger es das tut, desto mehr gerät auch Putin mit seiner Kriegsstrategie in Bedrängnis.

Derweil ist die „Stachelschwein-Strategie“ nicht die einzige Taktik, die Gaub im Lanz-Talk erklärte. Die Sicherheitsexpertin sprach dort auch über die Angst-Strategie, die Wladimir Putin versucht, zu etablieren. (han) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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