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Russland räumt „Schwierigkeiten“ im Krieg ein: Auch Kadyrow spricht von „Fehlern“ – und beleidigt Scholz

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Von: Bettina Menzel

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amsan Kadyrow, der Chef der russischen Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus
Ramsan Kadyrow, der Chef der russischen Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus, bei einem Auftritt bei der Veranstaltung „New Horizons“ am 18. Mai in Russland. © ITAR-TASS/Sergei Fadeichev/Imago

Putin-Vertraute räumen „Schwierigkeiten und Fehler“ zu Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine ein. Doch jetzt laufe alles „hundertprozentig nach Plan“.

Moskau - Kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine äußerten westliche Militärexperten bereits den Verdacht, dass der Krieg nicht so laufe wie von Wladimir Putin geplant. Nun sprechen auch Putin-Vertraute von „Schwierigkeiten und Fehlern“ zu Beginn des Ukraine-Konflikts. Doch jetzt laufe alles besser - und die Kämpfe sollen „bis zum Ende“ weitergehen.

Ukraine-Krieg: Stellvertretender Sekretär des russischen Sicherheitsrates räumt Schwierigkeiten ein

Russland hat in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine Schwierigkeiten und Fehler eingeräumt, aber eine Fortsetzung der Kämpfe angekündigt. „Trotz aller Schwierigkeiten wird die militärische Spezialoperation bis zum Ende fortgeführt“, sagte der stellvertretende Sekretär des nationalen Sicherheitsrates, Raschid Nurgalijew, am Mittwoch. Trotz der Waffenlieferungen des Westens an die Ukraine laufe die Operation weiter. Es würden alle „Aufgaben - darunter die Entmilitarisierung und die Entnazifizierung sowie der Schutz der Donezker und Luhansker Volksrepubliken - komplett umgesetzt“, sagte der frühere Innenminister.


Der stellvertretende Sekretär des nationalen Sicherheitsrates, Raschid Nurgalijew, im November 2019 in Moskau. Am Mittwoch räumte er „Schwierigkeiten“ zu Beginn des russischen Angriffskriegs
Der stellvertretende Sekretär des nationalen Sicherheitsrates, Raschid Nurgalijew, im November 2019 in Moskau. Am Mittwoch räumte er „Schwierigkeiten“ zu Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine ein (Archivbild). © Mikhail Japaridze / ITAR-TASS / Imago

Die russische Erzählung der „Entnazifizierung“ wird international scharf kritisiert und von Kiew sowie dem Westen als grotesk bezeichnet. Denn an der Staatsspitze der Ukraine steht nicht nur der demokratisch gewählte Jude Wolodymyr Selenskyj - auch in der übrigen politischen Landschaft der Ukraine spielt die äußerste Rechte heute nur noch eine marginale Rolle, wie etwa Anna Colin Lebedev von der Universität Paris-Nanterre feststellt.

Ukraine-Krieg: Putins „Bluthund“ spricht von „Fehlern“ zu Beginn des Krieges

Auch der Chef der russischen Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus, Ramsan Kadyrow - bekannt als Putins „Bluthund“ - hat sich nun zu Schwierigkeiten im Ukraine-Krieg geäußert. Kadyrow sprach sogar von „Fehlern“ zum Start des am 24. Februar begonnen Krieges gegen die Ukraine. „Am Anfang gab es Fehler, einige Unzulänglichkeiten gab es, aber jetzt läuft alles hundertprozentig nach Plan“, sagte der Diktator in der russischen Teilrepublik Tschetschenien am Mittwoch auf einem politischen Forum. Die von Präsident Wladimir Putin gestellten Aufgaben würden in vollem Umfang erfüllt.

Aktuellen Militärinformationen zufolge soll Russland im Donbass durch die Taktik von nächtlichen Angriffen versuchen, die Oberhand zu gewinnen. Einem Pentagon-Mitarbeiter zufolge hat Russland westlich der Stadt Donezk sowie um die Städte Isjum und Lyman tatsächlich kleine Fortschritte erzielt. Gleichzeitig gelang es ukrainischen Truppen offenbar erneut, russische Offiziere zu töten.

Ukraine-Krieg: Britische Geheimdienstinformationen sehen Probleme bei Nachschub und Truppenverstärkung

Auch Geheimdienstinformationen aus Großbritannien scheinen Kadyrows Aussage, dass „alles hundertprozentig nach Plan laufe“, zu widersprechen. Britischen Erkenntnissen zufolge hat Moskau im Krieg gegen die Ukraine erhebliche Probleme beim Nachschub und der Truppenverstärkung. So müsse Russland viele Hilfstruppen einsetzen, um den ukrainischen Widerstand zu brechen, darunter Tausende Kämpfer aus der autonomen Teilrepublik Tschetschenien, teilte das Verteidigungsministerium in London am Mittwoch mit.

Dabei handelt es sich wohl um Kadyrows Truppen, die eigenen Angaben zufolge in den ostukrainischen Regionen Luhansk und Donezk im Einsatz sind. Der Präsident der russischen Teilrepublik Tschetschenien sagte, dass sich rund 200 weitere Freiwillige für den Einsatz in der Ukraine gemeldet hätten. Die tschetschenischen Kämpfer, die etwa auch in Syrien im Einsatz waren, sind berüchtigt für ihre Brutalität. Menschenrechtsorganisationen warfen Kadyrow wiederholt Menschenrechtsverletzungen wie etwa Mord und Folter vor. Angesichts der westlichen Waffenlieferungen sagte Ramsan Kadyrow auf dem politischen Forum, dass Bundeskanzler Olaf Scholz “sich aufführt wie ein Schizophrener“ und nicht wie ein „Staatenlenker“ (dpa/AFP/bm).

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