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Nach Abzug aus Tschernobyl: Reporter finden verstrahlte russische Essensration

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Von: Christina Denk

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Die Atomruine Tschernobyl war lange unter russischer Kontrolle. Nun sind die Truppen abgezogen. Reporter stellten erhöhte Strahlung im russischen Quartier fest.

Tschernobyl - Knapp fünf Wochen war die Atomruine Tschernobyl im eskalierten Ukraine-Konflikt unter russischer Kontrolle. Am 31. März sollen die russischen Soldaten das Gebiet verlassen haben. Erste Untersuchungen auf dem Kraftwerk-Areal zeigten unerwartete Ausschläge. Ein CNN-Reporter-Team wies mit ukrainischen Soldaten vor Ort erhöhte Strahlung in den Unterkünften der Russen nach.

Nach Abzug der russischen Truppen in Tschernobyl: Erhöhte Strahlung gemessen

Nach dem Abzug der russischen Truppen wurde einem CNN-Reporter-Team Zutritt zu dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerkes gewährt. Die Journalisten betraten das Gelände in Begleitung ukrainischer Soldaten und des ukrainischen Energieministers, wie ein Bericht des Senders zeigt.

Sie waren dabei sowohl im Bunker, in dem die Arbeiter des Kraftwerkes mutmaßlich festgehalten wurden, als auch in den Räumen, in denen sich die russischen Soldaten aufhielten, so der Bericht. In den Räumen schlug das Strahlenmessgerät aus. Die Werte seien nur gering über der Marke, die als natürlich vorkommende Strahlung beschrieben wird. Ein einmaliger Kontakt sei nicht gefährlich, ein anhaltender Umgang jedoch schon, heißt es.

Tschernobyl: Erhöhte Strahlung in russischem Quartier - Ukrainischer Soldat erklärt mutmaßliche Gründe

Laut ukrainischen Aussagen liegt die erhöhte Strahlung an kleinen Partikeln und Staub, den die Soldaten in das Gebäude brachten, so CNN. „Sie (Anm.: die russischen Soldaten) gingen in den Roten Wald und brachten das radioaktive Material an ihren Schuhen mit zurück“, erklärt der ukrainische Soldat Ihor Ugolkov gegenüber dem Sender. „Sie gingen überall hin und sie haben auch radioaktiven Staub mitgenommen“, als sie Tschernobyl verließen.

Roter Wald

Der sogenannte Rote Wald ist ein etwa zehn Quadratkilometer großes Gebiet westlich des ukrainischen Kernkraftwerks Tschernobyl innerhalb der Sperrzone der Atomruine. Das Gelände des Roten Waldes ist heute noch eines der am stärksten kontaminierten Gebiete der Welt.

Die ukrainische Atomenergiebehörde Energoatom teilte am Freitag (1. April) mit, dass russische Truppenteile in der Sperrzone rund um den Unglücksmeiler Gräben ausgehoben und die Russen sich dabei mit radioaktivem Material verseucht hätten. „Es ist unmöglich, das Ausmaß der radioaktiven Verstrahlung russischer Soldaten zu beziffern“, sagte der Kraftwerksdirektor Walerij Sejda.

Ukrainische Verantwortliche bezeichnen den Vorfall als Beispiel für einen laxen und leichtsinnigen Umgang der russischen Soldaten mit der Atomruine im Ukraine-Krieg. Die Ukraine hatte bereits mehrfach den laxen Umgang angeklagt - auch als russische Angriffe Europas größtes Atomkraftwerk in Saporischja trafen. Eine Karte zeigt, wie mögliche Strahlung der Atomkraftwerke in der Ukraine sich verbreiten würde.

Tschernobyl: Reporter finden verstrahlte russische Essensration - Radioaktivität 50-mal höher

Einen besonderen Fund machten die CNN-Reporter am Rande des Sperrgebiets zum Roten Wald. Wie das Video des Senders zeigt, fanden die Soldaten und Journalisten eine russische Essensration, deren Radioaktivität 50-mal höher als das normale Level war.

Reporter und ukrainische Soldaten fanden am Rande des Sperrgebiets um die Atomruine Tschernobyl eine verstrahlte, russische Essensration.
Reporter und ukrainische Soldaten fanden am Rande des Sperrgebiets um die Atomruine Tschernobyl eine verstrahlte, russische Essensration. © Screenshot CNN

Angriff auf das Atomkraftwerk: Die Rolle Tschernobyls im Ukraine-Krieg

Die Atomruine Tschernobyl wurde am 24. Februar, dem ersten Tag des russischen Angriffs auf die Ukraine, von den russischen Soldaten übernommen. Seither war die Stromversorgung der AKW-Anlage im Ukraine-Krieg mehrfach unterbrochen. Die Ukraine warf Russland vor, die Mitarbeiter des Kraftwerkes gefangen zu halten. Fast einen Monat sollen sie in dem Bombenschutzkeller des Kernkraftwerkes gewesen sein.

Am 31. März teilte die für das Sperrgebiet im Norden der Ukraine zuständige ukrainische Behörde den Rückzug der russischen Truppen mit. Diese sollen bei ihrem Abzug bis zu 170 Mitarbeiter des ehemaligen Kernkraftwerks verschleppt haben, so der ukrainische Innenminister Denys Monastyrskyj gegenüber dem US-Sender CNN. Von russischer Seite gab es bislang keine Reaktion. Die Angaben ließen sich zunächst nicht überprüfen. (chd/dpa)

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