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Selenskyj feuert zwei Schlüsselfiguren – darunter ein langjähriger Vertrauter: Es geht um „Verrat“

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Von: Andreas Schmid

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Wolodymyr Selenskyj in einer Videoansprache an die ukrainische Bevölkerung.
Wolodymyr Selenskyj in einer Videoansprache an die ukrainische Bevölkerung. © IMAGO/Igor Golovniov

Aufruhr im ukrainischen Sicherheitsapparat: Selenskyj setzt enge Mitarbeiter ab, spricht von Überläufern, leitet 651 Verfahren ein und kritisiert „Untätigkeit“ im Süden.

Kiew - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj setzt zwei Schlüsselfiguren seiner Sicherheitsbehörden ab: Betroffen sind der Chef des Geheimdienstes SBU, Iwan Bakanow, und die Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa.

Die Entscheidung kommt durchaus überraschend: Bakanow gilt als enger Weggefährte Selenskyjs aus dessen Zeiten als Fernsehkomiker, er leitete den Geheimdienst seit 2019. Außerdem nahm Selenskyj seit Beginn der russischen Invasion im Februar so gut wie keine Personalwechsel vor. Jetzt greift er durch – inklusive Generalabrechnung mit dem ukrainischen Sicherheitsapparat. Warum?

Überläufer im Ukraine-Krieg: „Kollaboration mit dem Feind“ - 651 Strafverfahren

In den offiziellen Dokumenten sind keine Begründungen für den Schritt zu lesen. Selenskyj äußerte sich allerdings am späten Sonntagabend in seiner Videoansprache – und das ziemlich vorwurfsvoll. Der Präsident sprach von Verrat im ukrainischen Sicherheitsapparat und der „Kollaboration mit dem Feind“.

Ob Bakanow und Wenediktowa wirklich entlassen wurden, ist fraglich. Der stellvertretende Leiter des ukrainischen Präsidialbüros, Andriy Smirnov, sagte dem Medium Nexta, das Duo sei lediglich suspendiert. Bakanows bisheriger Stellvertreter ist aktuell zumindest Interimschef. Einem Erlass vom Montag zufolge soll Wassyl Maljuk vorerst den Geheimdienst SBU leiten.

Sie wären nicht die einzigen mutmaßlichen Überläufer. Es gebe 651 Strafverfahren gegen Mitarbeiter von Staatsanwaltschaft und anderen Strafverfolgungsbehörden wegen Hochverrats und der Zusammenarbeit mit russischen Diensten, sagte Selenskyj. In 198 Fällen seien Betroffene informiert worden, dass sie unter Verdacht stehen.

Ukraine-Krieg: Ex-Krim-Geheimdienstchef inhaftiert

Mehr als 60 ukrainische Behördenmitarbeiter seien in den russisch besetzten Gebieten geblieben, um mit Russland zusammenzuarbeiten. „Sie sind geblieben und arbeiten gegen unseren Staat“, erklärte Selenskyj weiter.

Das treffe auch auf den früheren Geheimdienstchef der Krim zu. Er sitzt aufgrund des Verdachts auf Landesverrat im Gefängnis. „Jeder, der mit ihm zusammen Teil einer kriminellen Gruppe war, die im Interesse der Russischen Föderation gearbeitet hat, wird ebenfalls zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte Selenskyj.

Selenskyj kritisiert russische „Leichtigkeit“ in Südukraine

Diese „Reihe von Verbrechen gegen die Grundlagen der nationalen Sicherheit“ werfe ernsthafte Fragen an die Behördenleiter auf, sagte der Präsident. Man werde zudem prüfen, warum Russland mit „Leichtigkeit“ in die Südukraine einmarschieren konnte. Zur Erinnerung: Russland hat binnen weniger Wochen weite Teile der Südukraine erobert, etwa Mykolajiw, Cherson oder Mariupol – wichtige Städte an der Schwarzmeerküste. Selenskyj sprach in diesem Zusammenhang von „Untätigkeit einzelner Beamten im Sicherheitssektor“.

Personalrochaden gab es zuletzt auch in Russland. Kremlchef Wladimir Putin besetzte mehrere Schlüsselpositionen neu. So machte er Industrieminister Denis Manturow zum stellvertretenden Regierungschef. Putins „atombomben-besessener Kumpel“ Dmitri Rogosin scheint ebenfalls einen neuen Job zu bekommen. (as)

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