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Putin strebt Referendum in Cherson an - Teil-Annexion nach historischem Beispiel?

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Von: Michelle Brey

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Der Ukraine-Krieg setzt sich weiter fort. In der ostukrainischen Stadt Cherson soll es zu einem Referendum kommen. Was plant Putin?

Moskau - Die Lage im Ukraine-Krieg bleibt weiterhin sehr ernst. Zwar konnten ukrainische Truppen die symbolträchtige Schlangeninsel zurückerobern, im Osten des Landes toben indes weiterhin heftige Kämpfe. Einen Überblick zur militärischen Lage finden Sie in unserem News-Ticker. Auch die Vorgänge der im Süden gelegenen Stadt Cherson sorgen für Aufmerksamkeit im eskalierten Ukraine-Konflikt. Was plant Kreml-Chef Wladimir Putin?

Ukraine-News: Cherson von Russen besetzt - Referendum geplant

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges am 24. Februar gibt es Berichte, dass Moskau Volksabstimmungen über einen Beitritt besetzter Gebiete an die Russische Föderation anstrebt. Am 29. Juni 2022 meldete die prorussische Militärverwaltung der besetzten Stadt Cherson via Telegram: „Ja, wir bereiten uns auf ein Referendum vor - und wir werden es abhalten.“ Cherson, dessen gewählter Bürgermeister von russischen Besatzungstruppen festgenommen worden war, solle „ein vollwertiges Mitglied“ Russlands werden. Früheren Angaben zufolge sollte das Referendum im Herbst stattfinden.

Kremlsprecher Dmitri Peskow hatte kürzlich gesagt, eine solche Entscheidung treffe nicht die russische Führung, sondern allein die Bevölkerung in den Regionen unter russischer Kontrolle. Die ukrainische Regierung geht allerdings davon aus, dass solche angeblichen Volksabstimmungen nach dem Vorbild der annektierten Krim sowie der ostukrainischen Separatistengebiete Luhansk und Donezk nur mit Zustimmung oder eher auf Anordnung Moskaus um Wladimir Putin möglich sind.

US-Experten zu Ukraine-Krieg: Was Putin jetzt offenbar plant

Die Bedingungen für die Annexion von Gebieten wie etwa Cherson lege Russland nach dem Muster des sogenannten „Gouvernement Taurien“ von vor 1917 fest. Darüber berichtete die renommierte US-Denkfabrik „Institute for the Study of War“ (ISW) unter Berufung auf das ukrainische Widerstandszentrum („Ukrainian Resistance Center“). In Zuge dessen wurde in dem Bericht vom 29. Juni auch die Oblast Saporischschja genannt. Russische Behörden würden sich möglicherweise darauf vorbereiten, Gebiete im Süden der Ukraine als „Gouvernement Taurien“ zu annektieren, hieß es.

Das „Gouvernement Taurien“ war einst - zu Zeiten von Zar Nikolaus II. - eine historische Provinz im Reich Russlands. Zu ihr zählte etwa die ukrainische Halbinsel Krim. Wie die US-Denkfabrik ISW schrieb, würden im Taurien-Szenario das linke Ufer der Oblast Cherson sowie ein Teil von Saporischschja direkt an Russland angegliedert werden - „wahrscheinlich als eine Einheit“.

Ukraine-News: Zugverbindung zwischen Krim, Cherson und Melitopol

Indes verschob Russland des für Freitag (1. Juli) angekündigten Start einer Zugverbindung zwischen der 2014 annektierten Krim und den Städten Cherson sowie Melitopol. Die prorussischen Krim-Behörden verwiesen auf Sicherheitsbedenken. Busverbindungen sollen aber wie angekündigt verfügbar sein. Nach der Annexion der Krim waren Busverbindungen einst eingestellt worden. Russland versucht, unter anderem mit der Ausgabe russischer Pässe und der Einführung des Rubels als Währung seine Kontrolle über die im Ukraine-Krieg besetzten Gebiete zu zementieren. (mbr mit dpa)

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