1. Startseite
  2. Politik

Ex-Söldner packt über Putins Schatten-Truppe aus: „Armee schafft es in der Ukraine nicht ohne Wagner“

Erstellt:

Von: Franziska Schwarz

Kommentare

Ukraine-Krieg: Wagner-Gruppe-Söldner Marat Gabidullin mit Waffe und in Uniform im Jahr 2015
Ex-Wagner-Söldner Marat Gabidullin (Archivbild von 2015) © Privat/Marat Gabidullin/Econ Verlag/dpa

Vier Jahre lang tötete der russische Söldner Marat Gabidullin im Dienst der Wagner-Gruppe in Kriegsgebieten in Syrien und in der Ukraine. Jetzt hat er ein Buch geschrieben.

Moskau/Berlin – Bis zu 20.000 Söldner töten für Wladimir Putin im eskalierten Ukraine-Konflikt, lauteten Schätzungen aus Europa im April. Berüchtigt ist das private Militär- und Sicherheitsunternehmen Wagner, das aktuell etwa aktive 5000 Kämpfer umfassen soll. Nun hat ein Ex-Mitglied ein Buch über seine Zeit dort geschrieben: Marat Gabidullin. Der deutsche Titel des Werks: „Wagner. Putins geheime Armee“.

„Es ist so, als ob du ganz normal einen Job erhältst“, berichtete der 55-Jährige im Videointerview mit der Welt. Papiere vorzeigen, militärische Kenntnisse nachweisen, einen physischen und medizinischen Eignungstest bestehen. Man werde gewarnt, und zwar nicht zimperlich. Man könne sterben, traumatisiert oder verwundet werden, und müsse sich klarmachen, ob man das in Kauf nehmen wolle. Falls ja, könne man anfangen, erzählte Gabidullin aus seinem Einstellungsgespräch.

2015 sei er wegen einer „schwierigen Periode“ zur Wagner-Gruppe gestoßen: „Ich war depressiv, sah keine Perspektiven und wusste nicht, was ich mit mir anfangen soll.“ Nach eigenen Angaben hatte er da bereits im russischen Militär gedient.

Söldner der Wagner-Gruppe im Ukraine-Krieg: „Russischer Staat spart Geld“

Die Wagner-Gruppe spielt auch im Sudan, in Mali und Libyen eine Rolle. Kremlchef Putin bestreitet stets eine Verbindung, er spricht von Firmen mit kommerziellen Interessen. Dagegen berichteten Ksenia Bolchakova und Alexandra Jousset in ihrer Doku „Wagner, Putins Schattenarmee“, die Gruppe sei vielerorts exklusiv im Dienst des Kreml unterwegs. „Durch die Entsendung von Söldnern spart der Staat bei den Rentenansprüchen und Gehältern, die er den Soldaten der regulären Armee zahlen muss. Und es ermöglicht auch, Tote verschwinden zu lassen“, schreiben die französischen Filmemacherinnen laut dpa. Sie hatten auch Gabidullin befragt.

Gabidullin soll in der Wagner-Gruppe bis zu 3000 Euro monatlich erhalten haben, gehörte ihr bis 2019 an. In seinem Buch beklage er schlechte Bewaffnung, Fehler bei der Gefechtsführung und ein teils extrem brutales Vorgehen völlig verrohter Wagner-Leute, fasst die dpa zusammen. Sein erster Einsatz 2015 in der Ukraine sei kein guter gewesen. Als er in Luhansk war, habe erkannt, dass die Realität eine andere als die russische Propaganda sei, sagte Gabidullin im Welt-Interview.

Die Verwalter in der selbsternannten Volksrepublik hätten sich wie „Rotarmisten am Anfang des 20. Jahrhunderts“ verhalten: „Irgendwelche Verlierer haben die Möglichkeit bekommen, ihre Ambitionen auszuleben“, urteilte Gabidullin. Die betroffene Bevölkerung entwickle „eine Art Stockholm-Syndrom“. Doch „80 bis 85 Prozent“ der russischen Bevölkerung glaubten der Propaganda. Das treffe auch auf die Wagner-Gruppe zu.

Ex-Söldner-Gruppe im Ukraine-Krieg: „Russische Armee schafft es nicht ohne Wagner“

Köpfe der Organisation, die auf ihren Propagandavideos ein Porträt des deutschen Komponisten Richard Wagner zeigt, sind demnach der russische Geschäftsmann Jewgeni Prigoschin und der Oberstleutnant Dmitri Utkin. Als Zeichen seiner Bewunderung für die Musik trage Utkin den Kampfnamen „Wagner“. Er soll nach seiner Karriere im russischen Militärgeheimdienst GRU von 2014 an aus Veteranen von Spezialeinheiten eine schnelle Eingreiftruppe unter seinem Kampfnamen gegründet haben.

Gabidullin selbst begründet seinen Gang an die Öffentlichkeit auch damit, dass er die russische Invasion in die Ukraine als Fehler sieht. Er habe nie gegen ein Brudervolk kämpfen wollen. Die dpa sieht in seinem Buch allerdings einen Rechtfertigungsversuch und keine Reue. Frauen gab es in der Wagner-Gruppe Gabidullin zufolge übrigens nicht. Russland habe im Ukraine-Krieg aktuell noch genug Männer für die sich „schnell mindernden Wagner-Reihen“.

Das könne sich aber bald ändern, sagte Gabidullin der Welt: „Ich glaube aber nicht, dass der Tag weit ist, an dem sich Frauen anschließen.“ Sein Urteil: „Die russische Armee schafft es nicht ohne Wagner, in der Ukraine Erfolge zu erzielen.“ (frs mit dpa)

Auch interessant

Kommentare