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Drohnen-Angriffe alarmieren den Kreml: Der Krieg erreicht Russland

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Von: Marcus Mäckler

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Raketen-Angriffe auf das Staatsgebiet der Russischen Föderation alarmieren den Moskauer Kreml. Es scheint, als weitet die Ukraine den Krieg auf Russland aus.

München – Aus Sicht des Kreml hätte die Woche besser beginnen können. Innerhalb von zwei Tagen meldeten russische Behörden mehrere Angriffe auf Flugplätze und andere militärisch genutzte Anlagen. Die Führung in Moskau sprach von Drohnenattacken und machte die Ukraine dafür verantwortlich. Am Dienstag, kurz nach dem Angriff auf einen Flughafen in Kursk, berief Präsident Wladimir Putin gar den Sicherheitsrat ein, um über „notwendige“ Maßnahmen zu beraten.

Man darf daraus schließen: Moskau nimmt die Situation ernst. Besonders die Vorfälle von Montag, bei denen mindestens drei Menschen getötet und mehrere Bomber zerstört wurden, dürften für Unruhe im Kreml gesorgt haben. Denn die Drohnenziele – der Luftwaffenstützpunkt Engels und der Djagilewo-Flugplatz im Süden Moskaus – liegen beide mehrere hundert Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Im zehnten Monat des Ukraine-Krieges scheint die Ukraine fähig und willens, die Angreifer auf ihrem eigenen Boden zu attackieren.

Ukraine greift Ziele in Russland an - angeblich auch von russischem Gebiet

Kiew selbst schweigt zu den Angriffen. Die New York Times berichtet aber unter Berufung auf eine offizielle ukrainische Quelle, die Drohnen seien von ukrainischem Boden gestartet worden. Mindestens ein Angriff sei zudem von ukrainischen Spezialkräften unterstützt worden, die sich auf russischem Territorium aufhielten. Sie hätten geholfen, die Drohnen zu ihrem Ziel zu steuern.

Auf diesem von der Verwaltung der russischen Region Kursk veröffentlichten Foto steigt Rauch aus dem Flughafen Kursk auf
Auf diesem von der Verwaltung der russischen Region Kursk veröffentlichten Foto steigt Rauch aus dem Flughafen Kursk auf. © Administration of the Kursk region of Russia via AP/dpa

Es ist das erste Mal, dass die Ukraine Ziele in einer solchen Entfernung angreift. Aus Kiewer Sicht sind die Attacken in mehrfacher Hinsicht ein Erfolg: Nicht nur trafen sie Stützpunkte, von denen aus regelmäßig Bomber in Richtung Ukraine starten – auch wenn der Schaden überschaubar zu sein scheint, wie Satellitenbilder zeigen. Mit den Angriffen stellt Kiew auch die russische Flugabwehr bloß und zeigt die Verwundbarkeit des Gegners auf – vielleicht noch drastischer als bei den Angriffen auf Militärflugplätze auf der russisch annektierten Krim. Der psychologische Effekt ist nicht zu unterschätzen.

Ukraine-Krieg: Angriffe auf Russland keine gute Entwicklung für den Westen

Fraglich bleibt, womit die ukrainischen Streitkräfte die Angriffe durchführten. Moskau sprach von Drohnen sowjetischer Bauart und bemühte sich so, den Eindruck zu zerstreuen, Kiew habe wirkungsvollere, jüngere Waffen. Gerüchteweise hat der ukrainische Rüstungskonzern Ukroboronprom eine Langstreckendrohne entwickelt, die Sprengladungen tausend Kilometer weit tragen kann. Aber belegt ist das nicht. Laut Spiegel ist auch denkbar, dass sowjetische Tu-141-Drohnen zum Einsatz kamen. Eine funktionierende russische Luftabwehr hätte sie demnach aber früher entdecken müssen. Die britischen Geheimdienste sprechen von einem signifikanten Rückschlag für den Kreml.

Heikel ist die Sache allerdings auch für den Westen, der wenig so sehr fürchtet wie eine Ausweitung des Krieges. Aus diesem Grund liefern die USA und ihre Verbündeten der Ukraine bisher keine Waffen, mit denen Ziele in Russland getroffen werden können. In einem Beitrag für die New York Times schrieb US-Präsident Joe Biden schon im Mai, man werde die Ukraine weder zu Militärschlägen jenseits ihrer Grenzen ermutigen noch befähigen. Das ist bis heute die Linie. Markus Mäckler

Moskau reagierte schon am Montag und schoss gut 70 Raketen auf die Ukraine ab. Kiew meldete, die Luftabwehr habe die meisten Geschosse abgefangen.

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