1. Startseite
  2. Politik

Bericht deckt auf: Russische Soldaten ziehen für Hungerlöhne in den Ukraine-Krieg

Erstellt:

Von: Felix Durach

Kommentare

Russische Soldaten im Ukraine-Krieg erhalten für ihren Einsatz zum Teil weniger als 800 Euro im Monat. Das geht aus einem aktuellen Bericht hervor.

Moskau - Die russischen Truppen haben in den drei Monaten seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine nach Einschätzung vieler Experten bereits schwere Verluste erleiden müssen. Unbestätigten Angaben des ukrainischen Generalstabs zufolge sind seit Ende Februar knapp 30.000 russische Soldaten im Krieg in der Ukraine gefallen. Überprüfen lässt sich das nicht.

Eine Recherche der russischen Investigativ-Plattform Proekt hat nun die Solde und sozialen Hintergründe der russischen Soldaten analysiert und veröffentlicht – und damit mögliche Beweggründe für den Weg in den Ukraine-Krieg beleuchtet. Viele der knapp 900.000 Soldaten, die dem Bericht zufolge im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt werden, kommen demnach aus den ärmsten Regionen des Landes, wo das Median-Einkommen der Bewohner pro Monat bei nur knapp über 20.000 Rubel, also umgerechnet rund 300 Euro, liegt.

Ukraine-Krieg: Solde veröffentlicht - russische Soldaten erhalten 730 Euro im Monat

Die Partizipation am Krieg könnte für viele Soldaten somit auch eine wirtschaftliche Entscheidung sein – obwohl die Bezahlung der Truppenangehörigen auch alles andere als üppig ausfällt. Den Recherchen zufolge übersteigen die Solde der einfachen Soldaten nur selten 50.000 Rubel (rund 730 Euro) im Monat.

In diesem Zusammenhang können wohl auch die Berichte von Plünderungen durch russischen Soldaten in den betroffenen Gebieten der Ukraine besser eingeordnet werden. Im Messengerdienst Telegram kursierten in den vergangenen Wochen Bilder von russischen Soldaten, die erbeutete Waren wie Schuhe, Spielzeuge oder Toilettendeckel in Pakete verpacken, um diese zu ihren Familien zu senden. Güter, die in den sozial schwachen Gegenden, aus denen die Soldaten zum Teil kommen, wohl teils Mangelware sind.

Russische Soldaten gehen durch einen zerstörten Bereich des Iljitsch Eisen- und Stahlwerks Mariupol. Dieses Foto wurde während einer vom russischen Verteidigungsministerium organisierten Reise aufgenommen.
Russische Soldaten patrouillieren durch ein zerstörtes Eisen- und Stahlwerk in der Stadt Mariupol (Symbolbild). © Uncredited/dpa

Russische Soldaten im Ukraine-Krieg: Offiziere verdienen im internationalen Vergleich deutlich weniger

Russische Offiziere in der Ukraine beziehen laut Proekt zwar deutlich höheren Sold als die einfachen Soldaten, verdienen jedoch vor allem im internationalen Vergleich nicht besonders gut. Ein Offizier im Rang eines Oberst in der russischen Armee verdient demnach nur ein Drittel des Soldes, den ein Ranggleicher in der Bundeswehr erhält.

Das durchschnittliche Monatseinkommen eines russischen Offiziers lag 2019 noch bei 270.00 Rubel (circa 4000 Euro). Angehörige des Generalstabs, welche die russische Armee im Krieg direkt befehligen, erhielten mit 300.000 Rubel (circa 4400 Euro) nur unwesentlich mehr. Diese Zahlen wurden vom russischen Verteidigungsministerium veröffentlicht. Mittlerweile werden die Gehälter der Offiziere jedoch nicht mehr öffentlich preisgegeben.

Die Stellvertreter von Verteidigungsminister Sergei Schoigu, die dem Krieg lediglich aus der Ferne beiwohnen, bezögen im Vergleich dazu ein monatliches Gehalt von 1,2 Millionen Rubel (circa 17.500 Euro), heißt es weiter. Wladimir Putin hatte am Mittwoch eine Erhöhung des Soldes angekündigt, als er erstmals seit Beginn des Krieges verwundete Soldaten in einem Krankenhaus besucht hatte.

Ukraine-Krieg: Gefechte in der Ostukraine dauern an

Auch am Donnerstag kam es im Donbass in der Ostukraine erneut zu erbitterten Kämpfen zwischen russischen und ukrainischen Truppen. Das erklärte Ziel von Putin ist es dabei, die gesamte Region unter russische Kontrolle zu bringen. Ukrainische Truppen verteidigen weiterhin die strategisch wichtige Industriestadt Sewerodonez. (fd)

Auch interessant

Kommentare