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Im ZDF: Klitschko warnt Berlin emotional vor Putins Kriegsmaschinerie – „Vielleicht bis nach Deutschland“

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Von: Patrick Mayer

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Bürgermeister Kiews: der frühere Box Champion Vitali Klitschko.
Bürgermeister Kiews: der frühere Box Champion Vitali Klitschko. © Screenshot ZDF

Im emotionalen Interview mit dem ZDF zeichnet Kiew-Bürgermeister Vitali Klitschko ein Schreckensszenario für Europa. Er glaubt, Wladimir Putin würde an der ukrainischen Grenze nicht Halt machen.

München/Kiew - Früher war Vitali Klitschko ein in Deutschland bekannter ukrainischer Box-Champion, seit 2014 ist er erster Bürgermeister der Hauptstadt Kiew. Er geleitet die Metropole mit ihren rund 2,8 Millionen Einwohner unerschrocken durch den Russland-Ukraine-Krieg.

Der heute 50-jährige Politiker gibt Interview um Interview mit deutschen Medien, um auf die schwierige Lage in seinem Land im Konflikt mit Moskau-Machthaber Wladimir Putin und dessen Armee hinzuweisen. So tat es Klitschko auch am Dienstagabend (14. Juni) im Gespräch mit dem „heute journal“ des ZDF, kurz bevor Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nach Kiew reisen sollte. Merkur.de fasst die Aussagen Klitschkos aus dem ZDF-Interview zusammen:

Vitali Klitschko im „heute journal“ des ZDF: Bürgermeister vergleicht Kiew mit Hamburg und Miami

... über seine Heimatstadt Kiew: „Ich liebe meine Stadt sehr, kenne die Geschichte sehr gut. Die Stadt hat sehr viel Ähnlichkeit mit Hamburg, einen riesigen Fluss in der Stadtmitte. Ein Teil der Stadt liegt höher, andere Teile der Stadt sind flach. Es gibt viele Inseln (im Fluss, d. Red.). Die Stadt ist auch sehr, sehr ähnlich mit Miami, weil sie sehr grün ist. Und hier leben gastfreundliche Menschen. Es ist eine echte europäische Stadt. Ich genieße es, wenn Leute aus dem Ausland kommen, mit Angst in den Augen vor dem wilden Osten. Und dann sehen sie, dass die Stadt echt schön und richtig europäisch ist.“

Ich liebe meine Stadt sehr, kenne die Geschichte sehr gut.

Vitali Klitschko über Kiew

... über den Unterschied zum Leben in Kiew bei Kriegsbeginn und heute: „Noch vor ein paar Monaten war die Stadt ganz leer. Du hast keine Fußgänger und Autos gesehen. Jetzt kommen die Leute wieder nach Hause. Man hört die Sirenen nicht so oft. Leider haben wir noch Luftangriffe. Letzte Woche sind vier russische Raketen in unserer Stadt gelandet und haben viele Gebäude zerstört. (...) 120 Menschen sind hier seit Kriegsbeginn gestorben, darunter vier Kinder. 16 Kinder wurden schwer verletzt, nur in unserer Stadt. Der Krieg hat unsere Stadt tief getroffen. Manche Menschen haben wochenlang unter der Erde verbracht, weil wir ununterbrochen die Sirenen gehört haben. Es ging darum, so schnell wie möglich in einen Bunker zu kommen. Jetzt haben sie sich daran gewöhnt.“

Vitali Klitschko im „heute journal“ des ZDF: Kiew sei „Hauptziel“ des russischen Aggressors

... ob er glaubt, dass Kiew nochmal durch Russland angegriffen wird: „Ich weiß, dass Kiew das Hauptziel des russischen Aggressors war und bleibt. Es ist die Hauptstadt, das Herz des Landes. Deswegen arbeiten wir sehr viel am Zivilschutz und an der Verteidigung. (...) Wir gewinnen diesen sinnlosen Krieg, daran habe ich keinen Zweifel. Jeder Ukrainer ist sehr motiviert. (...) Russische Soldaten kämpfen für das Geld, werden gut bezahlt. Unsere Soldaten verteidigen unser Land, unsere Städte, unsere Familien und unsere Kinder. Wollen Sie sterben für das Geld oder für ihre Kinder? Wir werden niemals aufgeben und weiterkämpfen.“

... über die hohen ukrainischen Verluste im Donbass: „Wir haben hohe Verluste. Aber wir haben keine andere Wahl. Aufzugeben ist für uns keine Option. Die Ukraine war immer ein friedliches Land, in dem friedliche Menschen leben. Wir waren niemals aggressiv gegen andere Länder. Russland hat alle Werte und Regeln gebrochen. Was jetzt passiert, ist eine Tragödie. Nicht nur für die Ukraine, sondern für ganz Europa. Für den ganzen Kontinent. Es ist auch eine riesige Tragödie für die Russen. Sie begreifen es noch nicht. Aber die russischen Soldaten sterben auch.“

Im Video: Kompakt - Die wichtigsten News zum Russland-Ukraine-Krieg

... über den russischen Aggressor: „Es ist unser Wunsch, ein Teil der europäischen Familie zu sein. Die europäischen Werte haben eine wichtige Priorität für unser Land. Russland akzeptiert das nicht. Sie wollen wieder ein russisches Imperium aufbauen. Sie sprechen schon über die baltischen Länder. Wir dürfen nicht vergessen: Die Tschechei, die Slowakei, Ungarn, Polen und ein großer Teil Deutschlands waren ein Teil des sowjetischen Imperiums. Wir wissen nicht, wie weit die Pläne des Aggressors gehen. (...) Die Interessen des russischen Aggressors gehen vielleicht bis zur polnischen Grenze, vielleicht noch weiter, vielleicht bis zur Tschechei, vielleicht bis nach Deutschland.“ (pm)

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