1. Startseite
  2. Politik

Ukraine-Konflikt: Militärexperte legt sich fest - „Putin wird diesen Krieg verlieren“

Erstellt:

Von: Jonas Raab

Kommentare

Die Leiche eines Zivilisten: Die Bevölkerung  in der Ukraine ist erneut unter verstärkten Beschuss der russischen Armee geraten.
Die Leiche eines Zivilisten: Die Bevölkerung in der Ukraine ist erneut unter verstärkten Beschuss der russischen Armee geraten. © picture alliance/dpa/AP | Felipe Dana

Der Ukraine-Krieg scheint von russischer Seite aus ins Stocken geraten zu sein. Doch wie geht es nun weiter? Sicherheitsexperte Martin van Creveld gibt wichtige Antworten.

Kiew/Moskau - Der Ukraine-Krieg wirft viele drängende Fragen auf: Ist ein Atomschlag eine Option für Wladimir Putin? Wie und wann endet die russische Invasion? Was bedeutet dieses oder jenes Szenario für die ukrainische Bevölkerung, für den Kreml-Machthaber, für Europa und die ganze Welt?

Der israelische Sicherheitsexperte Martin van Creveld gehört zu den renommiertesten Militärhistorikern der Welt, wenngleich er in Deutschland aufgrund eines Auftritts bei einer AfD-Veranstaltung nicht unumstritten ist. In der Wissenschaft ist eine Militär-Expertise nach wie vor hoch angesehen. Im Interview mit t-online gab Creveld eine Reihe von Einschätzungen zu den aktuellen Kriegsgeschehnissen in der Ukraine ab.

Ukraine-Krieg: Sicherheitsexperte Creveld glaubt an langfristige Putin-Niederlage

Die russische Armee sei sehr stark, sagt Creveld: „Die Ukraine hat mit ihren schlecht gerüsteten Streitkräften gegenüber Russland keine Chance.“ Deshalb werde es Putin auch gelingen, die großen Städte in der Ukraine einzukesseln, unter Artilleriebeschuss zu setzen und einzunehmen. Und dennoch ist der Sicherheitsexperte überzeugt: „Putin wird diesen Krieg verlieren.“

Seine These begründet Creveld mit lange anhaltenden Guerillakämpfen, die nach dem Fall von Kiew beginnen würden und den eigentlichen Krieg erst starten lassen würden: „100.000 russische Soldaten reichen nicht aus, um ein Land wie die Ukraine, das doppelt so groß wie Deutschland ist, zu besetzen.“ Die einzige dauerhafte Friedenslösung besteht laut Creveld in einer neutralen Ukraine: „Sie wird der Nato niemals beitreten. Ich sehe keine andere Lösung.“ Einen EU-Beitritt sieht er hingegen als unproblematisch an.

Ukraine-Krieg schürt Angst vor Atomschlag Russlands: „Unrealistisch und realistisch zugleich“

Dem Westen legt Creveld im t-online-Interview Zurückhaltung ans Herz. Eine Flugverbotszone, die der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj von der Nato fordert, wäre demnach „selbstmörderisch.“ Aufgrund einer Eskalationsspirale, die ein derartiges Nato-Vorgehen auslösen würde, könne das Ende der Welt bedeuten. Creveld spielt damit auch auf russische Atomschläge an: Er hält sie für unrealistisch und realistisch zugleich: „Unrealistisch im Sinne, dass Putin wie jeder andere um die Konsequenzen eines solchen Schrittes weiß. Realistisch, weil er es trotzdem in einem Moment der Schwäche oder Verzweiflung anordnen könnte.“

Landet Putin vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, will t-online im Interview mit Blick auf die vermeintlich gezielten Angriffe auf ein Kinderkrankenhaus in Mariupol und das Atomkraftwerk in Saporischschja von Creveld wissen. Nein, meint der. „Ich wüsste nicht, wer ihn dorthin bringen könnte.“ Putin sei nicht Slobodan Milosevic, und Russland nicht Serbien. (jo)

Auch interessant

Kommentare