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Ex-General der USA spricht von Phase IV im Ukraine-Krieg und warnt vor russischem Trick

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Von: Marcus Giebel

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Donezk Zwei ukrainische Soldaten stehen in der Nähe der Frontlinie.
Nach Aussage eines ehemaligen US-Generals tritt der Ukraine-Krieg in die vierte Phase ein, die auf einen eingefrorenen Stellungskrieg hinweisen könnte. © Roman Chop /dpa

Der Ukraine-Krieg hat laut einem früheren US-General seine nächste Phase erreicht. Es ist die vierte. Er sieht die Nato nun umso mehr gefordert. Auf einen Trick Russlands dürfe sie nicht reinfallen.

München - Der Ukraine-Krieg dauert mittlerweile neun Monate an. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Vielmehr stellt sich die Frage: Wie geht es jetzt weiter? Wenn der Winter beiden Seiten und vor allem der ukrainischen Bevölkerung das Leben zusätzlich erschwert?

Mark Hertling hat sich da auf Twitter seine Gedanken gemacht. Aus Sicht des ehemaligen Generalleutnants der US-Streitkräfte, der auch in Deutschland stationiert war und unter anderem das Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold verliehen bekam, geht der Krieg nun in Phase IV über. Dabei stellt für ihn der Beginn der Invasion mit dem schnellen russischen Vormarsch bis nach Kiew Phase I dar, gefolgt von Phase II mit der Konzentration der Kampfhandlungen im Osten der Ukraine, ehe Phase III die Gegenoffensive der Verteidiger einläutete.

Ukraine-Krieg: Ex-US-Generalleutnant spricht von Phase IV und warnt vor russischem Trick

Nun geht es demnach mit einer Art Stellungskrieg weiter. Hertling vermutet, dass Russland sich Zeit erkaufen wolle und daher auf einen „eingefrorenen Konflikt“ im Osten und Süden der Ukraine setzen werde. Dieser könne an Auseinandersetzungen in Transnistrien, Bergkarabach, Südossetien und Abchasien erinnern.

Russland könnte diese Kampfpause nutzen wollen, um die Truppen neu aufzustellen und dann wieder angreifen zu können. „Die Ukraine und der Rest der Welt sollen nicht auf diesen Trick reinfallen“, mahnt Hertling.

Der 69-Jährige erwartet auch, dass Wladimir Putin seine Versuche einer Mobilisierung fortsetzen wird. Dies werde jedoch ebenso wenig einen Unterschied machen wie die Unterstützung aus Belarus. Deutlich mehr wehtun dürfte der Ukraine die zunehmende Hilfe aus dem Iran für Russland, denn so könnte Moskau mehr Flugzeuge mit Langstreckenraketen einsetzen.

Mark Hertling spricht an einem Stehpult
Macht sich intensiv Gedanken um den Ukraine-Krieg: Mark Hertling schied Ende 2012 als US-Generalleutnant aus dem aktiven Dienst aus. © IMAGO / brennweiteffm

Ukraine-Krieg aus US-Sicht: „Russland will Zivilbevölkerung leiden lassen und dafür Zugeständnisse bekommen

„Russland konzentriert sich in erster Linie auf die weitere Zerstörung der Infrastruktur in der Ukraine und das Leiden des ukrainischen Volkes - mit dem Ziel, Zugeständnisse zu erreichen“, schreibt Hertling weiter. Auf diesem Weg werde die Moral der Ukrainer auf die Probe gestellt, doch diese würden durchhalten.

Ihm zufolge würde die Ukraine zwar auf dem Schlachtfeld weiter vorwärtskommen, doch östlich des Dnjepr und im Donbass würden schwierige Kämpfe warten. Dies liege zum einen am Terrain mit Flüssen und Routen, zum anderen an den längeren Versorgungslinien. Außerdem werde auf immer neue Waffen und Taktiken gesetzt, was sich mitten im Kampfgeschehens als kompliziert erweise.

Russland sei zwar angeschlagen, verfüge jedoch über immer stärkere Verteidigungspositionen. Denn die Front und auch die Nachschublinien werden kürzer. Sicher sei aus all diesen Gründen: Der Krieg werde nicht so bald enden.

Video: Menschen in Kiew haben keinen Strom, kein Wasser, keine Heizung

Ukraine-Krieg und die nahe Zukunft: Noch viele Kämpfe und viele Kriegsverbrechen erwartet

Auch an die USA und die gesamte Nato hat Hertling Erwartungen. So müssten etwa die russischen Kriegsverbrechen benannt, gegen russische Seegefechte im Schwarzen und im Asowschen Meer vorgegangen und Nuklearangriffe verhindert werden. Ins Gespräch bringt der Vorsitzende der American Battle Monuments Commission auch einen Marshall-Plan für die Ukraine, damit sich Wirtschaft und Staat erholen können.

Das überfallene Land werde auch weitere militärische und wirtschaftliche Hilfen aus den USA und dem Westen erhalten. Die Ukraine müsse sich aber auch auf weitere Kriegsverbrechen der Russen an der Zivilbevölkerung einstellen. Hier war Butscha bekanntlich nur der Anfang. Immer mehr Hinweise auf Schreckenstaten kommen ans Tageslicht.

Weiter betont Hertling noch einmal: Russland dürfe kein weiterer „‘eingefrorener Konflikt‘ mit zweifelhaften Versuchen von Waffenstillständen“ erlaubt werden. Sein Ausblick samt Fazit lautet: „Die Ukraine wird diesen Kampf trotzdem gewinnen und ihr Territorium und ihre Souveränität verteidigen. Aber es wird noch viele Kämpfe geben.“ (mg)

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