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„Situation ist unfassbar“: Putins „Bluthund“ Kadyrow wütet nach Ukraine-Rückschlag und droht Moskau

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Von: Richard Strobl

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Der tschetschenische Führer Ramsan Kadyrow (R) nimmt an einer Überprüfung der Truppen und der militärischen Hardware der Tschetschenischen Republik in seiner Residenz Teil. (Archivbild)
Der tschetschenische Führer Ramsan Kadyrow (R) nimmt an einer Überprüfung der Truppen und der militärischen Hardware der Tschetschenischen Republik in seiner Residenz Teil. (Archivbild) © IMAGO/Yelena Afonina

Die Ukraine hat Russland mit einer Offensive zu einem Teilrückzug gezwungen. Das sorgt für viel Unmut - auch bei Putin-Unterstützer Ramsan Kadyrow.

Moskau - Die Ukraine meldet im Zuge ihrer Gegenoffensive große und wichtige Gebietsgewinne im Nordosten des Landes. Mit einem „Trick“ hat man Russlands Truppen nach eigenen Angaben zu einem Teilrückzug gezwungen. Das sorgt für zunehmenden Unmut in Russland – während Putins Medien ganz andere Bilder zeigen.

Laut den US-Experten des Institute for the Study of War hat die Ukraine innerhalb von fünf Tagen mehr Gelände zurückgewonnen, als Russland seit April besetzt habe. Große Rückschläge für Wladimir Putin also. Auch Russlands Verteidigungsministerium gab den Rückzug von Truppen im Osten der Ukraine bekannt. Offiziell begründete der Kreml den Abzug aus strategisch wichtigen Städten im Gebiet Charkiw allerdings mit einer strategischen Umgruppierung von Einheiten.

Ukraine erobert Gebiete zurück: Russlands Medien zeigen scherzenden Putin vor Riesenrad

Im russischen Staatsfernsehen war von Rückschlägen offenbar ebenfalls wenig zu sehen und hören. In einem von Staatsmedien veröffentlichten Video ist unter anderem zu sehen, wie Putin gemeinsam mit Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin am Samstagnachmittag im Sportkomplex Luschniki steht und mit jungen Sportlern scherzt.

Außerdem ließ sich Putin anlässlich des 875. Geburtstags der Stadt Moskau per Videoübertragung zur Eröffnung eines Riesenrads zuschalten, das nun das größte Europas sein soll. Anekdote am Rande: Einen Tag später musste die Anlage wegen eines technischen Schadens erst einmal außer Betrieb genommen werden.

Ukraine-Rückschläge: Unmut in Russland wächst offenbar

In sozialen Netzwerken zeigten sich aber schon nach den Bildern vom Samstag mehrere Nutzer irritiert darüber, dass der Kremlchef sich an solch einem Tag Vergnügungsattraktionen widmete. So schrieb etwa der Politologe Abbas Galljamow auf Telegram, Putin riskiere, dass Leute nun denken: „Er pfeift darauf, dass dort unsere Jungs sterben.“

Der Ärger über die militärische Führung ist gerade im ultrarechten Lager der Kriegsbefürworter gewaltig. Russische Blogger fordern Konsequenzen und Rücktritte. Immer häufiger fällt dabei der Name von Verteidigungsminister Sergej Schoigu, der für die schlechte Vorbereitung der Armee auf den Krieg verantwortlich gemacht wird.

In die Kritik reiht sich nun auch erstmals eine populäre militärische Figur aus Putins System ein: Tschtschenen-Anführer Ramsan Kadyrow.

Putins „Bluthund“ Kadyrow wütet gegen Russlands Militärführung

In einer Sprachbotschaft veröffentlichte der linientreue Kadyrow, der auch als Putins „Bluthund“ bezeichnet wird, nun ungewohnt kritische Worte gegenüber der Führung der russischen Armee. Ihm zufolge hat das russische Verteidigungsministerium „Fehler gemacht“, zitiert etwa die New York Times aus der Botschaft. Zudem warf Kadyrow den russischen Behörden öffentlich vor, den Rückzug der russischen Öffentlichkeit nicht erklärt zu haben.

Er verstehe die Strategie des Ministeriums nicht, antwortete er auf die Mitteilung, dass es sich bei dem Rückzug um eine strategische Umgruppierung handle. Mit Blick auf zahlreiche von der Ukraine eroberte Städte sagte Kadyrow laut Bild: „Die Situation ist interessant. Ich würde sogar sagen, die Situation ist geradezu unfassbar.“

Kadyrow hat nach eigener Darstellung ein klares Bild der Lage in der Ostukraine - allerdings stellt er es so dar, als ob Putin nicht genau über die Ereignisse im Ukraine-Krieg informiert sei. Und so droht er Verteidigungsminister Sergej Schoigu laut New York Times indirekt: „Wenn heute oder morgen keine Änderungen an der Strategie der speziellen Militäroperation vorgenommen werden, sehe ich mich gezwungen mit der Führung des Verteidigungsministeriums und der Staatsführung zu sprechen, um ihnen die tatsächliche Situation vor Ort zu erklären.“ (rjs mit dpa)

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