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Ukraine-Krieg: Deutsche Reporter verlassen Kiew überstürzt - UN befürchten Millionen Flüchtlinge

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Von: Florian Naumann, Franziska Schwarz, Stephanie Munk

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Der ntv-Reporter Stephan Richter berichtet aus seinem Auto über die Flucht aus Kiew.
Der ntv-Reporter Stephan Richter berichtet aus seinem Auto über die Flucht aus Kiew. © Screenshot NTV

Im Ukraine-Krieg dringen die russischen Truppen offenbar bis nach Kiew vor. Rund 100.000 Menschen sind auf der Flucht. Auch das Reporterteam von ntv hat die Hauptstadt fluchtartig verlassen.

Update vom 25. Februar, 12.55 Uhr: Angesichts einer möglicherweise großen Fluchtbewegung aus der Ukraine in die EU wollen die Innenminister der 27 EU-Staaten am Wochenende zu einem Krisentreffen zusammenkommen. In einer Sondersitzung solle „über konkrete Antworten auf die Situation in der Ukraine“ gesprochen werden, teilte der französische Innenminister Gérald Darmanin am Freitag auf Twitter mit. Die EU hatte zuletzt bereits ein Szenario entworfen.

Die Vereinten Nationen haben unterdessen vor einer Flucht gigantischen Ausmaßes gewarnt: Die UN stellen sich auf bis zu vier Millionen Flüchtlinge aus der Ukraine ein, sollte sich die Situation weiter verschlechtern. Schon jetzt seien Tausende über die Grenzen in Nachbarländer wie Polen, Moldau, die Slowakei und auch Russland geströmt, sagte eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR am Freitag in Genf. Das UNHCR stehe zur Unterstützung bereit. Die Ukraine hat annähernd 42 Millionen Einwohner.

Das UN-Menschenrechtsbüro bekam nach eigenen Angaben Berichte über 25 getötete und 102 verletzte Zivilisten. Die überwiegende Mehrheit der Fälle sei aus Gebieten gemeldet worden, die von der ukrainischen Regierung kontrolliert werden, sagte eine Sprecherin. Sie geht davon aus, dass die wahren Zahlen deutlich höher liegen.

Russland-Krieg: Bereits 100.000 Ukrainer sind auf der Flucht - ntv/RTL-Reporter verlassen das Land

Update vom 25. Februar, 10.30 Uhr: Der Ukraine-Konflikt* mit Russland nimmt stündlich an Dramatik zu. Wladimir Putins* Truppen dringen immer weiter ins Land vor, Kiew scheint bald zu fallen. In der Ukraine hat die befürchtete Massenflucht begonnen. Nach vorläufigen Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) sind bereits 100.000 Menschen auf der Flucht, mehrere tausende Ukrainer hätten das Land bereits verlassen. „Es hat eindeutig erhebliche Vertreibungen im Land gegeben und es gibt Bewegungen Richtung Grenzen und ins Ausland“, sagte eine UNHCR-Sprecherin am Donnerstagabend, 24. Februar. Der Sender ntv berichtet, dass die Menschen teilweise panisch sind und möglichst schnell wegwollen. Viele seien jedoch auch ratlos, weil es überall in der Ukraine gefährlicher wird, sodass sie nicht wüssten, wohin sie überhaupt flüchten sollen.

Ukraine-Krieg: Massenflucht hat begonnen - Deutschland ist vorbereitet

Deutschland ist nach Angaben von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) auf eine Flüchtlingsbewegung aus der Ukraine aufgrund des Kriegs mit Russland vorbereitet. Im Moment sei noch nicht absehbar, wie viele Menschen wegen des Ukraine-Konflikts flüchten könnten, sagte Faeser am Freitag im ZDF-„Morgenmagazin“. Man sei wachsam und vorbereitet auf das, was komme, versicherte die Ministerin. Städte und Kommunen hätten bereits ihre Hilfe angeboten. „Jetzt geht es erstmal darum, vor allem die Nachbarländer der Ukraine zu unterstützen.“

Ukraine-Konflikt: ntv-Reporter verlassen fluchtartig Kiew - „Es ist lebensgefährlich“

Die Reporter des Nachrichtensenders ntv haben in den vergangenen Tagen intensiv über die Lage in Kiew berichtet. Nun verlassen die Journalisten das Land - denn sie fürchten um ihr Leben. In einem Video auf ntv.de berichtet Reporter Stephan Richter aus dem Auto heraus, dass sich das Team auf den Weg zur rumänischen Grenze im Südwesten des Landes gemacht habe. „Wir wären gern in Kiew geblieben, weil wir es sehr wichtig finden, von dort zu berichten“, berichtet Richter aus seinem Fahrzeug. „Aber es ist einfach zu gefährlich, es ist tatsächlich lebensgefährlich. Wenn die russischen Truppen dann tatsächlich in Kiew sind, wissen wir nicht, wie es weitergehen würde.“

Seit der Nacht auf Freitag seien im Zentrum der Hauptstadt immer wieder Explosionen zu hören „es knallt und detoniert regelmäßig, und es geht leider weiter, es hört nicht auf.“ Die russischen Truppen hätten Kiew bereits umzingelt. Das Hauptziel sei der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj* und dessen Familie, die um ihr Leben fürchteten*. „Sollten die russischen Truppen die Familie Selenskyj tatsächlich finden, das möchte man sich wahrscheinlich gar nicht ausmalen“, schildert der Journalist sichtlich erschüttert. Zehntausende Menschen hätten sich genau wie sie dafür entschieden, Kiew zu verlassen, berichtet der Reporter, lange Staus sind die Folge.

Das ntv-Reporterteam fahre zunächst in die 400 Kilometer von Kiew entfernte Stadt Winnyzja. Sicherheitsexperten hätten ihnen dazu geraten, weil diese Region für russische Truppen relativ uninteressant zu sein scheine. Von dort gehe es dann weiter in Richtung Rumänien, was nochmal eine Fahrt von rund zehn Stunden bedeute. „Wir stellen uns auf eine lange und sehr strapaziöse Reise ein“, so der ntv-Reporter.

Massenflucht aus der Ukraine hat begonnen – erste Fotos aus Kiew

Erstmeldung vom 24. Februar 2022: Kiew - Es ist Tag eins des Angriffs. In der Ukraine gilt offiziell der Kriegszustand, die diplomatischen Beziehungen zu Russland sind auf Eis, Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Bevölkerung „zu den Waffen“ gerufen.

Russland marschiert in Ukraine ein: Sirenen in Kiew

Kreml-Chef Wladimir Putin hatte ein politisches Beben ausgelöst, als er zunächst die pro-russischen Separatisten-Gebiete Donezk und Luhansk als unabhängig anerkannte. Seine „Militäroperation“ - wie er es nennt - in der Ukraine löst nun weltweit Entsetzen aus. Bereits seit besagter Nacht kursieren im Internet Videos von Explosionen in dem Land. Gesicherte Infos gibt es an diesem Morgen (24. Februar) noch wenige.

In der Hauptstadt Kiew waren am Morgen laut AFP und dpa Sirenen und Explosionen zu hören. Jüngste Fotos von Nachrichtenagenturen von dort strahlen Beklemmung aus. In der Stadt herrsche eine Stimmung aus „Angst, Schock und stillem Trotz“, twitterte der Guardian-Korrespondent Luka Harding. Ansonsten seien wenige Menschen auf der Straße, und er wundert sich, dass ein Café einen scheinbar normalen Betrieb hat:

Kriegszustand in der Ukraine: Aktuelle Fotos aus der Hauptstadt Kiew

Viele Menschen in der Ostukraine saßen aus Angst vor den russischen Panzern ohnehin schon auf gepackten Koffern, berichtete jüngst ein AFP-Reporter. Die Bild-Zeitung hat Reporter vor Ort, die von in U-Bahn-Schächten Zuflucht suchenden Menschen berichten. Außerdem sei ein Luftschutzbunker wieder geöffnet worden, so eine weitere Schilderung: „Ich war selbst unten. Da sitzen Frauen und weinen, weil Krieg ist in ihrem Land.“ Die Innenstadt von Kiew leere sich zunehmend.

Die Bilder aus Kiew von diesem Morgen sprechen für sich: Verstopfte Straßen, lange Menschenschlangen vor Geldautomaten und Menschen, die ihr Hab und Gut ins Auto laden. Polizei und Sicherheitspersonal untersuchten an diesem Morgen sogar die Überreste einer Granate in einer Kiewer Straße.

Autos stauen sich am 24.02.2022 auf einer Straße in der ukrainische Stadt Kiew vor einem Verkehrsstau.
Eine Hauptstraße in Kiew am 24. Februar © Emilio Morenatti/dpa
Menschen in Kiew stehen am 24. Februar 2022 vor einem Bankautomaten Schlange.
Kiewer Einwohner warten vor einem Bankautomaten © DANIEL LEAL/AFP
Das von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Sputnik veröffentlichte Bild zeigt Menschen in Kiew, die ihre Sachen in ein Auto laden, während ein Militärfahrzeug vorbeifährt.
Szene aus Kiew vom 24. Februar 2022 © Stringer/dpa
Menschen in Kiew stehen am 24. Februar 2022 an der Einschussstelle einer Granate.
An der Einschussstelle einer Granate in Kiew © SERGEI SUPINSKY/AFP

Russland greift Ukraine an - interaktive Karte zur Konfliktregion

Andere versuchten, mit Zügen aus der Millionenmetropole zu flüchten. Viele Menschen deckten sich mit Lebensmitteln und Trinkwasser ein. Befürchtet wird offenbar, dass die Versorgung im schlimmsten Fall zusammenbrechen könnte.

Natürlich ist nicht nur Kiew von der Invasion betroffen, aus vielen anderen ukrainischen Städten wird Ähnliches gemeldet. Diese interaktive Grafik liefert einen Überblick über die Konfliktregion:

Die Bundesregierung ruft deutsche Staatsangehörige dringend auf, die Ukraine zu verlassen. „Verlassen Sie das Land“, sagte etwa Deutschlands Außenministerin Baerbock am Donnerstagmorgen. Die deutsche Botschaft in Kiew ist vorübergehend geschlossen.

Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine sind überdies die europäischen Börsen abgestürzt. Der Dax in Frankfurt am Main verlor zum Handelsstart 4,39 Prozent. In Paris brach die Börse zum Auftakt um 4,19 Prozent ein, in London um 2,55 Prozent. (frs)

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