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Putins Rückhalt in Russland laut Umfragen groß: Expertin sieht „Abschreckung, Terror, Einschüchterung“

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Von: Andreas Schmid

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Wladimir Putin im Jahr 2017 mit 65 Jahren bei einem Telefonat.
Wladimir Putins Rückhalt innerhalb der Bevölkerung scheint da. Auch, wenn es Zweifel gibt, wie ehrlich er ist. © Alexei Druzhinin/IMAGO

Laut russischen Umfragen unterstützt eine Mehrheit der Bevölkerung den Ukraine-Krieg. Wladimir Putin hat die Meinungsbildung unter Kontrolle. Inklusive „Abschreckung und Terror“?

Moskau - Wie steht die russische Bevölkerung zum Ukraine-Krieg? Proteste zu Beginn des Einmarschs ins Nachbarland schlug die russische Polizei nieder. Umfragen zum Ukraine-Krieg sind schwierig zu interpretieren. Kritiker argumentieren, dass Befragte nicht das sagen, was sie denken, sondern das, was die Regierung hören möchte. Aus Angst vor Repressalien ein Ja zum Krieg? Oder doch mehr Rückhalt für Präsident Wladimir Putin als im Westen gedacht beziehungsweise gehofft?

Ukraine-Krieg: Umfragen sehen großen Putin-Rückhalt

Russischen Meinungserhebungen aus dem Mai zufolge unterstützt eine Mehrheit der Bevölkerung nach wie vor die „Spezialoperation“, wie der Krieg im Kreml genannt wird. Das russische Wirtschaftsmedium RBC kam in einer Umfrage zuletzt auf 55 Prozent Zustimmung. Die russische Regierung spricht teils auch von einem Rückhalt von 70 bis 80 Prozent.

Das Lewada-Zentrum, das einzig unabhängige Meinungsforschungsinstitut Russlands, kam in einer Erhebung Ende Mai auf 77 Prozent. Mehr als drei Viertel der Bevölkerung würden damit den Krieg unterstützen. Bleibt die Frage: warum?

System-Putin: „Abschreckung und Terror“ und Politik-ferne Menschen

Die russische Historikerin Katja Makhotina sieht gegenüber dem Bayerischen Rundfunk eine große Politikverdrossenheit im Land: „Ich würde sagen, dass dieses System so gut funktioniert, weil die Mehrheit der Russen sehr depolitisiert ist.“ Die Bevölkerung sei politisch nicht interessiert. Auch, weil man keine Debatten mit Andersdenkenden führen wolle und negativem eher fernbleibt. „Um des Friedens Willens“, wie Makhotina sagt.

Die Mehrheit der russischen Bevölkerung wolle ihr „gemütliches Verbraucher-Leben weiterführen und nicht betroffen sein von Trübsalen der russischen Massenverbrechen in der Ukraine“. Das Putin-System profitiere von dieser politischen Trägheit der Russinnen und Russen, die die Meinungskontrollmaßnahmen der Regierung erst ermöglichten. „Es funktioniert auch jetzt vor allem durch die Autorität und Mechanismen der Abschreckung, des Terrors, der Einschüchterung und der Repression. Aber es kann nur deswegen funktionieren, weil die Menschen da mitmachen.“

Putin habe eine „Atmosphäre des absoluten Misstrauens jeglicher Quelle“ geschaffen. „Man glaubt nicht an Informationen des Westens. Man glaubt aber auch nicht der eigenen Propaganda. Alles ist ein Fake-Brei und in diesem Fake-Brei ist es unmöglich, eine Position zu beziehen.“

Russland: „Im Land existiert praktisch keine Medienfreiheit mehr“

Im Ranking der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen liegt Russland auf Platz 155 von 180. Zwischen Aserbaidschan und Afghanistan. Die Nichtregierungsorganisation erklärt mit Blick auf die Lage im Land: „Seit dem groß angelegten Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 existiert in Russland praktisch keine Medienfreiheit mehr, die Bevölkerung erhält Informationen vor allem aus dem staatlich kontrollierten Fernsehen.“

Zudem prangert die Organisationen Attacken auf Journalisten, bis hin zum Tod, an. „Mindestens 37 Medienschaffende wurden seit dem Amtsantritt von Präsident Putin wegen ihrer Arbeit ermordet.“ Reporte ohne Grenzen erklärt den Kremlchef zu einem „Feind der Pressefreiheit“. (as)

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