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US-Militärexperten: Putin steht vor „beängstigender Aufgabe“ - Chaos nach „Teilmobilisierung“

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Von: Franziska Schwarz

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Seit der chaotischen Rekrutierung sind die Russen „verängstigt und panisch“, beobachtet das amerikanische ISW - und Putins Versuche, die Stimmung in den Griff zu kriegen, sieht es bereits scheitern.

Washington - Der Kreml wird Schwierigkeiten haben, die aufgebrachte Bevölkerung zu beruhigen. Seit der von Machthaber Wladimir Putin angekündigten Teilmobilmachung im Ukraine-Krieg ergreifen zahlreiche Reservisten die Flucht aus Russland. Das Chaos bei der russischen Rekrutierung kann die Regierung nicht mehr herunterspielen. Zu dieser Einschätzung kommt die US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) in einer Analyse vom Montag (26. September).

Das Argument der „versagenden Bürokratie“ ziehe bei der Bevölkerung nicht, schreibt der US-Thinktank mit Sitz in Washington. „Die Fehler sind einfach zu zahlreich, um sie einzelnen Personen in die Schuhe zu schieben, und die Russen und Russinnen können das auch klar erkennen“, schreiben die Militärexperten.

Ukraine-Krieg: Russischer Widerstand gegen Putin wächst - ganz ohne Staatsfernsehen oder soziale Medien

Anders habe es bislang mit den russischen Verlusten bei den Kampfhandlungen in der Ukraine ausgesehen, aber hier lägen die Dinge nun anders: „Die Regelbrüche bei der Teilmobilmachung verbreiten sich in Russland über mündliche Erzählungen, dazu benötigen die Menschen weder traditionelle noch soziale Medien (...) die betroffenen Familien an zahlreichen Orten schildern ihre Angst und ihren Schmerz auch ohne sie.“

Der Ärger entlud sich zumindest ein Mal bereits gewaltsam: In Sibirien hatte ein Mann in einer russischen Einberufungsstelle um sich geschossen.

Ukraine-Krieg: Wladimir Putin während eines Treffens mit Alexander Lukaschenko in Sotschi im September 2022.
Aufnahme vom 26. September: Wladimir Putin in Sotschi © Gavriil Grigorov/Kremlin Pool/Imago

Ukraine-Krieg: Russische Kritik an Putin - Moderator im Staatsfernsehen reagiert

Das ISW schilderte auch, dass das russische Staatsfernsehen auf die Proteste reagiert, vornehmlich indem dort die Schuld an angeblich unmotivierte und nachlässige Rekrutierende gegeben wird. Ein nicht namentlich genannter TV-Moderator hatte diesen öffentlich direkt gedroht, falls sie ihre Aufgaben nicht erfüllen.

Außerdem veröffentlichten Kreml-nahe Medien zunehmend persönliche Schilderungen von Vorfällen, in denen diese „ungeeigneten“ Mitarbeiter als Konsequenz entlassen wurden. So solle der Eindruck erweckt werden, dass die russische Regierung die Probleme bei der Teilmobilmachung schnellstmöglich löst, sobald sie nur erkannt sind.

US-Militärexperten: „Putin steht vor einer beängstigenden Aufgabe“

Die vom Kreml geplante Annexion der in der Ukraine besetzten Gebiete werde „kurz vor oder nach dem 1. Oktober“ versucht werden, schätzt das ISW. Der Kreml stehe dabei vor „der beängstigenden Aufgabe, sowohl die russische Bevölkerung zu beschwichtigen, als auch genug Menschen für den russischen Überfall auf die Ukraine zu mobilisieren“.

Der Versuch des Kreises um Putin, die „verängstigte und panische“ Bevölkerung zu beruhigen, indem er die Behörden für „Fehler“ bei der Kampagne verantwortlich macht, sei eine Kommunikation, „welche die aktuellen Probleme des Kreml wahrscheinlich nicht lösen wird“, so das Fazit der ISW-Militärexperten.

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