Auch USA besorgt

Droht eine Eskalation im Ukraine-Konflikt? Russland soll massiv Truppen verlegen - Biden schaltet sich ein

Die Spannungen im Ukraine-Konflikt schaukeln sich hoch. Eine mutmaßliche Truppenverlegung Russlands sorgt für Aufruhr in Kiew und Washington.

  • Die empfindliche Waffenruhe an der Grenze zwischen Ukraine und Russland droht zu zerbrechen.
  • Grund dafür ist eine mutmaßliche Truppenverlegung Russlands entlang der Grenze zum Nachbarland.
  • Aus den USA kommt scharfe Kritik am Vorgehen Moskaus. Die Regierung dort droht mit „Maßnahmen.“

Update vom 2. April, 18.50 Uhr: Nachdem sich die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine am Freitag verschärft hatten, hat sich nun auch US-Präsident Joe Biden selbst eingeschaltet. Er versicherte seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj, dass er auf die „unerschütterliche Unterstützung“ Amerikas für die Souveränität des Landes zählen könne. Das Weiße Haus warf Russland in der Mitteilung zu dem ersten Telefonat der beiden Präsidenten seit Bidens Amtsantritt im Januar „anhaltende Aggression“ im Donbass und auf der Krim vor.

Zuvor hatten sich bereits das US-Außenamt und das US-Verteidigungsministerium geäußert, worauf Moskau scharf reagiert hatte (siehe Erstmeldung). Selenskyj verlieh in Kiew seiner Freude über das Gespräch Ausdruck. „Wir stehen Schulter an Schulter, wenn wir unsere Demokratien bewahren müssen“, schrieb er beim Kurznachrichtendienst Twitter.

Russland und Ukraine: Droht eine erneute Eskalation an der Grenze?

Erstmeldung vom 2. April: Kiew/Moskau - Seit 2014 schwelt zwischen der Ukraine und Russland ein blutiger Konflikt. An der östlichen Grenze der Ukraine herrscht seit Juli 2020 eine brüchige Waffenruhe. Diese könnte nun durch mutmaßliche Truppenverlegungen Russlands ernsthaft gefährdet sein. Denn Russland bündelt deutlich mehr Militäreinheiten als bisher entlang der Grenze - das geht über das übliche Säbelrasseln weit hinaus. Die USA zeigen sich ebenfalls besorgt.

Konflikt zwischen Russland und Ukraine: Waffenstillstand durch Truppenverlegung gefährdet

Die massive Verlegung von Truppen betrifft wohl aber nicht nur Soldaten, sondern auch Waffen, Panzer, Kommunikationsanlagen, Material zum Brückenbau und Militärkrankenwägen und soll anhand verifizierter Videos aus westrussischen Regionen belegt sein. So zitiert Bild die russische Plattform Conflict Intelligence Team. Diese hatte zahlreiche Videos aus sozialen Netzwerken analysiert. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Russland daher am Donnerstag vorgeworfen, seine Truppenpräsenz an der Grenze zur Ukraine verstärkt zu haben. Moskau wolle dadurch eine „bedrohliche Atmosphäre“ schaffen. Der ukrainische Militärgeheimdienst beschuldigte die russische Armee, ihre Präsenz in den von den pro-russischen Rebellen kontrollierten Regionen Donezk und Luhansk ausweiten zu wollen.

Angesichts dieser Berichte äußerte sich auch der Sprecher der US-Außenministeriums Ned Price besorgt, über „jüngste Eskalation des aggressiven und provokativen Vorgehens Russlands im Osten der Ukraine“ und warnte Moskau vor Versuchen, „unseren Partner Ukraine einzuschüchtern oder zu bedrohen“. Nach Angaben Kiews sagte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin seinem ukrainischen Kollegen Andrej Taran in einem Telefonat zu, die Ukraine „im Falle einer eskalierenden russischen Aggression“ nicht allein zu lassen. Erst eine Woche zuvor waren in der Konfliktregion ukrainische Regierungssoldaten getötet worden.

Washington stellt sich auf die Seite der Ukraine - Russland droht mit „Maßnahmen“

Die Reaktion aus Moskau ließ nach der Kritik aus den USA nicht lange auf sich warten. „Russland bedroht niemanden und hat nie jemanden bedroht“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Freitag vor Journalisten. Zudem warnte er den Westen eindringlich davor, seinerseits Truppen in die Ukraine zu verlegen. „Ein solches Szenario würde zweifellos zu einem weiteren Anstieg der Spannungen in der Nähe der russischen Grenzen führen“, so Peskow.  „Natürlich würde dies zusätzliche Maßnahmen der russischen Seite erforderlich machen, um die russische Sicherheit zu gewährleisten.“

Die ungewöhnlich hohe Konzentration von Truppen sei einer Anti-Drohnen-Übung der russischen Armee in der Nähe der ukrainischen Grenze verschuldet. An dem Manöver würden 50 Bataillone mit insgesamt 15.000 Soldaten teilnehmen, erklärte die Armee, ohne den genauen Zeitpunkt für die Übung zu nennen. In den vergangenen Jahren hat das russische Militär immer wieder Anti-Drohnen-Übungen organisiert. In der Regel nahmen dabei allerdings deutlich weniger Militärs teil als bei dem am Freitag angekündigten Manöver.

Gegenseitige Schuldzuweisungen: Eskaliert die Gewalt in der Konfliktregion erneut?

Der Konflikt war bereits am vergangenen Dienstag Thema einer Videoschalte von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Kremlchef Wladimir Putin und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Dabei hatte Putin Besorgnis über die „von der Ukraine provozierte Eskalation der bewaffneten Konfrontation“ zum Ausdruck gebracht, erklärte der Kreml danach. Moskau sieht die Verantwortlichkeit für die jüngste Zunahme der Gewalt im Ostukraine-Konflikt bei der Ukraine. Russland weist den Vorwurf zurück, es unterstütze die prorussischen Rebellen in der Region militärisch. „Russland ist kein Teilnehmer des Konflikts“, bekräftigte Peskow am Freitag. Zugleich beschuldigte er die ukrainischen Streitkräfte, „zahlreiche“ Provokationen in der Region begangen zu haben.

Im seit 2014 andauernden Konflikt um die Ostukraine wurden mehr als 13.000 Menschen getötet. Auslöser war damals die Annektierung der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland. Im Juli vergangenen Jahres hatten sich die Konfliktparteien auf einen Waffenstillstand geeinigt. Seit Mitte Februar gibt es aber verstärkte Kampfhandlungen, die den ohnehin fragilen Waffenstillstand untergraben. Nach ukrainischen Angaben wurden seit Beginn des Jahres bei Angriffen prorussischer Rebellen 20 Soldaten getötet und 57 weitere verletzt. (mam mit dpa/AFP)

Rubriklistenbild: © Evgeniy Maloletka/dpa

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