Die NGO Ukrainer.net und ihre Macher zeigt seit 2016 den Ukrainern und der ganzen Welt via Internet und Social Media, wie multikulturell, individuell und noch unentdeckt der junge Staat ist.
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Die NGO Ukrainer.net und ihre Macher zeigt seit 2016 den Ukrainern und der ganzen Welt via Internet und Social Media, wie multikulturell, individuell und noch unentdeckt der junge Staat ist.

Soziale und kulturelle Vielfalt 

Ukraine: NGO setzt neuen Touristiktrend durch – und distanziert sich von Branche

Während junge Ukrainer auswandern und im Ausland arbeiten und reisen, wächst ihre Neugierde auf die eigene vielfältige Heimat.

Kiew – Ganz am Anfang war es ein kleiner Kreis von Freunden, die mit den Gründern Bogdan Logvynenko und Natalia Panchenko auf die Idee kamen, die Ukraine neu zu entdecken. Bogdan arbeitete zuvor im Tourismusbereich in Asien und stellte irgendwann fest, dass auch die Ukraine Attraktionen zu bieten hat, die Touristen aus aller Welt suchen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Menschen und ihre Geschichten.

Die Nichtregierungsorganisation (NGO) Ukrainer.net zeigt seit 2016 den Ukrainern und der ganzen Welt via Internet und Social Media, wie multikulturell, individuell und noch unentdeckt der junge Staat ist. „Schaut her, das ist Euer Nachbar, schau mal, was er da macht!” mit diesem Motto ist Ukrainer.net inzwischen auf 500 Aktivisten und Volontäre angewachsen. „Mittlerweile kennt uns in der Ukraine beinahe jeder”, sagt Natalia.

Ukraine: Eigenes Land als Tourismus-Ziel entdecken – NGO hilft, Land neu zu begegnen

Natalias Weg führte sie aus ihrer zentralukrainischen Geburtsstadt Połtawa ins Ausland. Im Jahr 2010 bekam die junge Frau, die heute Mutter einer einjährigen Tochter ist, ein Stipendium für ein Managementstudium an der renommierten polnischen Naturwissenschaftlichen Universität (Szkoła Główna Gospodarstwa Wiejskiego) in Warszawa. Heute sagt sie, dass der Blick von außen auf die Ukraine* ein wichtiges Element dessen war, dem eigenen Land wieder neu begegnen zu können.

Natalia spricht auch in den polnischen Medien über Ukrainer.net. In dem Podcast von dem bekannten osteuropäischen Experten Piotr Pogorzelski “Po prostu Wschód” erzählte sie den Hörern von einer in der Ukraine immer noch lebendigen Webtechnik, die sogar französische Designer bewogen hatte, selbst in die Ukraine zu reisen, um mit eigenen Augen zu sehen, was da faszinierendes in den Karpaten entsteht.

Die Aktivisten distanzieren sich entschieden von der herkömmlichen Touristikwirtschaft, die ihrer Meinung nach weder nachhaltig und erstrebenswert ist. Versuche der Branche gab es so einige. Immer wieder erhalten die Macher Sponsorenangebote und Anfragen zu Werbekampagnen von ukrainischen und internationalen Touristikunternehmen. Aber nein, sie wollen es auf ihre Weise machen.

Touristik-Branche in der Ukraine: NGO setzt auf Nachhaltigkeit – Entdeckungen in der ehemaligen Sowjetrepublik

Ukrainer.net ist ein medienbasiertes Projekt. Am Anfang stehen sogenannte Expeditionen, wie Natalia Merkur.de erzählt. Die Aktivisten nehmen Journalisten und Kameraleute mit auf ihre wochenlangen Reisen durch das Land, so können sie nicht nur den Ukrainern selbst, sondern auch den Menschen in anderen Ländern zeigen, welche Entdeckungen in der ehemaligen Sowjetrepublik möglich sind. Mittlerweile hat dieses Prinzip eine Art des Eigenlebens entwickelt. Unter dem Hashtag Ukrainer.net posten und visualisieren ganz gewöhnliche Bürger Dinge und Erlebnisse, die sie in der Ukraine oder mit den Ukrainern gesehen und erlebt haben.

Dass man in der Ukraine besonderen Menschen und interessanten Lebensgeschichten begegnet kann, zeigt das Beispiel des jungen Deutschen, der seinen Lebensmittelpunkt inzwischen ganz in die Ukraine verlegt hatte. Michael kam aus Deutschland nach Transkarpatien, baute dort einen Stall für die Tiere und ein kleines Haus für sich. Sein Interesse galt den ukrainischen Büffeln, die fast ausgestorben wären.

Die sozialistische Planwirtschaft hatte keine Verwendung für diese Tiere, die keine Milche gaben. Nach und nach wurden fast alle geschlachtet. Hof für Hof suchte Michel die Tiere zusammen und zieht sie liebevoll in einer mittlerweile ansehnlichen Herde auf. Auf seinem einfachen Gehöft, wo er auch Besucher empfängt, leben inzwischen gut die Hälfte aller ukrainischen Büffel.

Verbindung Deutschlands in die Ukraine – Leben der ausgewanderten Ukrainer dort vor Ort zeigen

Die Geschichte des Büffelretters ist nicht die einzige Verbindung des Projekts zu Deutschland. Ukrainer.net ist nämlich nicht allein auf die Staatsgrenzen des Landes beschränkt. Dank der finanziellen Unterstützung der ukrainischen Administration, “Culture for changes” der Ukrainischen Kulturstiftung und des Förderprogramms “MEET UP! Deutsch-Ukrainische Jugendbegegnungen“ der Stiftung “Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) ist es Ukrainer.net auch möglich gewesen, das Leben der in Deutschland lebenden Ukrainer zu entdecken.

Die Gruppe bemühte sich mit diesem Beitrag nicht nur um die Darstellung von Ukrainern in Deutschland, sondern auch der Deutschen, die von der Ukraine fasziniert sind, wie zum Beispiel der deutsche Programmierer aus Hamburg, Martin Dietze, der in seiner Stadt einen ukrainisches Chor gegründet hatte, erklärte Natalia.

Um ein Projekt dieses Ausmaßes auch organisieren zu können braucht die NGO auch einen minimalen Sockel an finanzieller Sicherheit. Die Aufwandsentschädigungen und die Gehälter für einige ganz wenige Beschäftigte kommen größtenteils aus dem Crowdfunding. Natalia sagte, dass jährlich etwa 300 000 polnische Zloty (umgerechnet 65 000 Euro) über die Crownfundingplattform Patronite.pl zusammenkommen.

Mittlerweile kann die bekannte NGO auch Mittel für bestimmte Projekte bei staatlichen und internationalen Institutionen beantragen. Das ist besonders wichtig, bei teureren Reisen, wie z.B. die Reise nach Deutschland, wo das Leben der dort lebenden Ukrainer dargestellt wurde. Die Organisation hat auch Sponsoren, die z.B. Fahrzeuge für die Expeditionstouren bereitstellen, aber mit ihrer Auswahl gehen Natalia und ihre Freunde sehr kritisch um. Sie sind stolz und froh über die inhaltliche Unabhängigkeit, die sie über Jahre hinweg leben und umsetzen. (Aleksandra Fedorska) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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