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Ukraine-Verhandlungen: Russen-Oligarch Abramowitsch dabei - warum der Chelsea-Eigner mitmischt

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Von: Anna-Katharina Ahnefeld

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Welche Rolle nimmt der russische Oligarch Roman Abramowitsch in den Ukraine-Verhandlungen ein? Über seine persönliche Motivation wird wild spekuliert.

Istanbul – Über seine Rolle bei den Ukraine-Verhandlungen gibt es zahlreiche Spekulationen. Roman Abramowitsch ist ein russischer Oligarch, wurde im Verlauf des Angriffs auf die Ukraine mit Sanktionen belegt – und nimmt eine vermittelnde Position zwischen der Ukraine und Russland ein. Bei den erneuten Gesprächen der russischen und ukrainischen Unterhändler in Istanbul am Dienstag (29. März) war er anwesend. Offizielles Mitglied der Delegation ist er laut Russland jedoch nicht.

Die Financial Times mutmaßt, dass der Milliardär und Noch-Besitzer des englischen Fußballklubs FC Chelsea damit die Sanktionen gegen seine Person abzuwenden versuche. So hätte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einem Interview davon gesprochen, dass „einige Geschäftsleute“ ihre Vermittlungen anbieten würden – in der Hoffnung, Strafmaßnahmen zu vermeiden. Dabei sei auch der Name Abramowitsch gefallen. Denn die Sanktionen des Westens im Ukraine-Krieg treffen auch russische Oligarchen. Michail Fridman, einer der reichsten Männer Russlands, schildert in einem Interview die Folgen.

Roman Abramowitsch in Istanbul.
Roman Abramowitsch in Istanbul. © Sergey Karpuhin/SNA/Imago

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung unterstreicht wiederum die engen Beziehungen des Russen mit der Ukraine – seine Mutter sei dort geboren worden. Kritisch äußerte sich derweil der ukrainische Botschafter in England gegenüber BBC: „Ich habe keine Ahnung, was Herr Abramowitsch in Istanbul zu tun vorgibt. Er ist nicht Teil des Verhandlungsteams“, sagte Vadym Prystaiko. „Ob er sich nur irgendwie rauskaufen will oder tatsächlich nützlich ist, ist schwer zu sagen.“

Ukraine-Verhandlungen: Russen-Oligarch Abramowitsch für Kiew dabei - warum Chelsea-Eigner mitmischt

Der Kreml hat mittlerweile sogar offiziell die Vermittlerrolle des Milliardärs eingeräumt: „Roman Abramowitsch ist daran beteiligt, bestimmte Kontakte zwischen der russischen und der ukrainischen Seite zu ermöglichen. Er ist kein offizielles Mitglied der Delegation, aber dennoch ist er auch von unserer Seite heute in Istanbul anwesend“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Dienstag in Moskau gegenüber Journalistinnen und Journalisten. Er wies zudem einen Bericht der US-Zeitung Wall Street Journal zurück, wonach der russische Milliardär womöglich Ziel eines Giftanschlags wurde. Wie die Financial Times berichtet, sei die Vermittlerrolle von Abramowitsch im eskalierten Ukraine-Konflikt sogar von Putin selbst abgesegnet worden – der dem russischen Machthaber gar eine Selenskyj-Nachricht überbracht haben soll.

Der Oligarch war zuvor überraschend auf Bildern zu sehen, welche die türkische Präsidentschaft von den am Dienstag begonnenen neuen Verhandlungen über eine Waffenruhe in der Ukraine veröffentlichte. Die russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti berichtete, Abramowitsch habe vor dem Beginn der Verhandlungen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gesprochen.

Zu dem Bericht des Wall Street Journal über eine mögliche Vergiftung von Abramowitsch und zwei ukrainischen Unterhändlern sagte Peskow, dieser sei „Teil des Informationskriegs“ gegen Russland. „Es versteht sich von selbst, dass diese Informationen nicht der Realität entsprechen.“ Die drei Männer litten dem Bericht zufolge nach einem Treffen in Kiew unter geröteten Augen, schmerzhaftem Tränenfluss und sich ablösender Haut an Gesicht und Händen. Die Symptome hätten sich dann aber wieder verringert.

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Auch eine mit den Verhandlungen zwischen Kiew und Moskau im Ukraine-Krieg vertraute Quelle hatte der Nachrichtenagentur AFP den Bericht bestätigt: „Das hat leider tatsächlich stattgefunden.“ Die Quellen des Wall Street Journal verdächtigten Hardliner in Moskau hinter dem Vorfall, welche die Gespräche zwischen Russland und der Ukraine sabotieren wollten.

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hat die Mitglieder der eigenen Delegation bei den Friedensverhandlungen mit Russland in der Türkei zur Vorsicht aufgerufen. Ukrainische Medien zitierten Kuleba am Dienstag mit folgendem Rat: „Nichts trinken, nichts essen und keine Oberflächen berühren.“ Am Montag hatte die ukrainische Seite Berichte zurückgewiesen, wonach Mitglieder der ukrainischen Delegation sowie der an den Gesprächen ebenfalls beteiligte russische Oligarch Roman Abramowitsch vor einigen Wochen angeblich vergiftet worden sein sollen. (aka/dpa)

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