Union bleibt aber stärkste Kraft

Neue Umfrage: Koalition ohne Laschet möglich - Baerbocks Kanzlerpläne geraten dennoch ins Wanken

  • Andreas Schmid
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Die Union steuert mit konstanten Umfragewerten aufs Kanzleramt zu. Laut aktuellen Erhebungen ist aber auch eine Koalition ohne CDU/CSU möglich. Wer würde ein Ampel-Bündnis führen?

Berlin - Aufholjagd dringend benötigt: In der heißen Wahlkampfphase für die anstehende Bundestagswahl können die Herausforderer von CDU/CSU nur bedingt an Boden gutmachen. Laut einer aktuellen Umfrage liegt die Union weiterhin klar vorne im Rennen ums Kanzleramt. Sicher sein sollte sich Armin Laschet jedoch nicht. (Mit unserem brandneuen Politik-Newsletter bleiben Sie im Endspurt Richtung Bundestagswahl stets auf dem laufenden Stand.)

Bundestagswahl 2021: Neue Umfrage - Union bleibt klar auf Kurs Kanzleramt - AfD verliert

Im Meinungstrend von INSA ergeben sich derzeit kaum großartige Schwankungen. In der von der Bild-Zeitung in Auftrag gegebenen Erhebung können sich sowohl die CDU/CSU als auch SPD und Grünen um 0,5 Prozentpunkte verbessern. Die Union liegt damit mit 27,5 Prozent klar vor ihren beiden größten Herausforderern. SPD und Grüne kommen der Umfrage zufolge auf jeweils 18 Prozent.

Dahinter folgt die FDP, die konstant bei 13 Prozent rangiert. Die AfD musste laut INSA einen Prozentpunkt einbüßen (11), während die Linke einen dazubekam (7). Die sonstigen Parteien kommen gemeinsam auf 5,5 Prozent, von denen die meisten auf die Freien Wähler zurückgehen dürften. Sie wurden zuletzt mit zwei bis drei Prozent gehandelt.

Bundestagswahl 2021: Kampf um Platz zwei - Grüne und SPD gleichauf

Die in diesem Wahlkampf weitgehend geräuschlos agierende SPD - keine offensiven Forderungen, aber eben auch wenige Patzer - kann sich womöglich als zweitstärkste Kraft behaupten. Jubelschreie aus dem Willy-Brandt-Haus sollte es deshalb jedoch nicht geben. Die Sozialdemokraten steuern auf ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl zu. 2017 erreichte die SPD 20,5 Prozent. Laut ZDF-Politbarometer rangiert die Partei um Kanzlerkandidat Olaf Scholz sogar nur bei 16 Prozent. Die Grünen kommen in dieser ebenfalls aktuellen Erhebung auf 21 Prozent.

Die Grünen um Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock können den Abstand auf die Union indes nicht verkürzen – und spüren die SPD im Nacken. Zwar winkt der Partei ein im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 herausragendes Ergebnis (damals 8,9 Prozent). Doch ob der Traum vom Kanzleramt Realität wird, bleibt fraglich. Ein Mutmacher für die Partei: Derzeit wäre auch ohne Union und Kanzlerkandidat Armin Laschet eine Koalition möglich.

Bundestagswahl 2021: Dreifach-Laschet und Koalition ohne Union - diese Bündnisse sind möglich

Hauchdünn könnte es für eine Ampelkoalition bestehend aus Grünen, SPD und FDP reichen. Dann würden entweder Scholz oder Baerbock ins Kanzleramt einziehen. Diese Konstellation ist jedoch nicht nur aufgrund der niedrigen Umfragewerte die unwahrscheinlichste. Der mögliche Koalitionspartner FDP hat zuletzt nicht wirklich mit diesem Modell geflirtet. Parteichef Christian Lindner meinte im ARD-Sommerinterview: „Mir fehlt die Fantasie, welches inhaltliche Angebot Annalena Baerbock der FDP machen könnte, das attraktiver wäre als die Angebote, die vor vier Jahren Frau Merkel gemacht hat.“

Lindner bezieht sich auf die gescheiterten Jamaika-Verhandlungen mit Union und Grünen. Dieses Bündnis ist nun ebenso denkbar wie eine Deutschland-Koalition, in der die Grünen mit der SPD ersetzt werden würden. Dieses Modell bewerten Teile von CDU/CSU und FDP als attraktiver. Sachsen-Anhalt steht nach der Landtagswahl nun vor einer Deutschland-Koalition. Ein Modell für den Bund? Geht es nach Christian Lindner, sollte Deutschland wieder von einer schwarz-gelben Regierung geführt werden. Dabei handelt es sich nach aktuellem Stand jedoch vielmehr um Wunschdenken statt ernsthaftem Szenario. Am meisten Zuspruch erfährt derzeit ohnehin eine Koalition ohne die freien Demokraten. Ein Kenia-Bündnis aus Union, SPD und Grünen hat die größten Mehrheiten inne.

Laut Lindner „hat sich bereits geklärt, wer in das Kanzleramt einziehen wird“ - gemeint ist die Union. Der FDP-Chef selbst würde gerne mitregieren und bringt sich bereits selbst als Finanzminister ins Spiel.

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Für Armin Laschet bedeutet das: In drei von vier aktuell vorstellbaren Koalitionen stellt der CDU-Chef den Kanzler. Das scheint allerdings vielmehr am generellen Zuspruch der Union zu liegen als an seinen eigenen Zustimmungswerten. Bei einer Direktwahl des Kanzlers erhielt Laschet zuletzt nur 13 Prozent - ebenso viel wie die Kandidatin der Grünen, Annalena Baerbock. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz legte hingegen um einen Punkt auf 22 Prozent zu.

Auch zwei andere Umfragen hatten zuletzt Scholz vor Laschet gesehen. Im ZDF-Politbarometer kam der Finanzminister auf 24 Prozent. In dieser Erhebung landete Laschet mit 29 Prozent klar vor Baerbock (20 Prozent). Das Trio ist nun gefordert, im Wahlkampfschlussspurt zuzulegen. (as)

Für den INSA-Meinungstrend wurden vom 30. Juli bis zum 2. August 2021 im Auftrag der Bild-Zeitung insgesamt 2080 Bürgerinnen und Bürger befragt. Die maximale statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 2,5 Prozentpunkten.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Sven Simon

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