Union in der Krise?

Umfrage zeigt neuen Kanzler-Favoriten: Es ist nicht mehr Laschet

  • VonEmily Erhold
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Wäre der Bundeskanzler direkt wählbar, hätte Armin Laschet nicht viel zu lachen. Olaf Scholz genießt mittlerweile mehr Vertrauen in der Bevölkerung.

Berlin - SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hat Unions-Kandidat Armin Laschet (CDU) nach einer aktuellen Umfrage in der Wählergunst überholt. Wenn der Kanzler oder die Kanzlerin in Deutschland direkt wählbar wäre, würden sich mittlerweile 20 Prozent der Teilnehmer einer zwischen dem 23. und dem 26. Juli durchgeführten Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für den aktuellen Finanzminister Scholz entscheiden. Das sind immerhin fünf Prozentpunkte mehr als noch im Mai. 15 Prozent würden NRW-Ministerpräsident Laschet wählen, 13 Prozent Grünen-Chefin und Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock.

Damit haben Scholz und Laschet Positionen getauscht. Einen Monat zuvor hatte der Unionskandidat Laschet bei 21 Prozent gelegen, sein Konkurrent von der SPD bei 16 Prozent. Baerbock sackte um 2 Prozentpunkte ab. Eine mögliche Erklärung ist die Kritik an Laschet nach den verheerenden Überschwemmungen Mitte Juli auch in Nordrhein-Westfalen. Während der Rede des Bundepräsidenten zu den Folgen der Katastrophe wurde Laschet beim Witzeln mit anderen CDU-Politikern abgelichtet.

Umfrage: Laschet fällt auf zweiten Platz, Union verliert an Wählergunst

Doch die nächste Kanzlerin oder der nächste Kanzler wird in Deutschland nicht direkt gewählt. Stattdessen stehen bei der Bundestagswahl am 26. September Parteien auf dem Stimmzettel, von denen einige nach der Wahl über die Bildung einer Koalition verhandeln. Die Regierungsparteien halten normalerweise eine Mehrheit der Sitze im Bundestag. In der Regel stellt die stärkste Partei auch den Regierungschef.

Im Partei-Ranking liegt die Union noch immer an erster Stelle. Dennoch entziehen ihnen die Wähler in letzter Zeit immer mehr ihr Vertrauen. Bei der Antwort auf die Frage „Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, welche Partei würden Sie wählen?“ verloren sie zwei Punkte im Vergleich zum Vormonat. Das Ergebnis der YouGov-Umfrage ergibt:

  • CDU/CDU: 28 Prozent (minus 2)
  • SPD: 16 Prozent (plus 1)
  • Grüne: 16 Prozent (minus 3)
  • FDP: 12 Prozent (plus 1)
  • AfD: 12 Prozent (plus 1)
  • Die Linke: 8 Prozent (plus 1)

Die SPD konnte einen Punkt dazugewinnen und liegt nun mit den Grünen gleichauf, die ganze drei Prozentpunkte verloren haben. FDP und AfD bekamen jeweils einen Punkt dazu, ebenso wie die Linke.

Nach Hochwasserkatastrophe: Umwelt- und Klimaschutz wird immer wichtiger

Obwohl die Grünen in der YouGov-Umfrage an Stimmen verloren haben, ist Umwelt- und Klimaschutz weiterhin das wichtigste Thema für die Deutschen. Bereits im Mai und Juni stimmten 18 Prozent zu, dass sich Politiker vor allem um dieses Problem kümmern sollten. Nach der Hochwasserkatastrophe im Juli stieg dieser Wert auf 24 Prozent nun rasant an. Das Thema Rente und Altersvorsorge erreicht 12 Prozent, Einwanderung und Asyl sowie Schere zwischen Arm und Reich jeweils 10 Prozent. Die Gesundheitsversorgung erreicht im Juli 2021 9 Prozent. Zu Beginn des Jahres 2021 waren es noch 16 Prozent.

YouGov-Umfrage: 2104 Menschen befragt

Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. YouGov nennt eine statistische Fehlertoleranz von 2,1 Prozentpunkten (bei einem Anteilswert von 30 Prozent) und von 1,0 Punkten (bei einem Anteilswert von 5 Prozent). Diese Fehlertoleranz bezieht sich auf die Frage, welche Partei man Sonntag wählen würde, weil bei dieser die Stichprobengröße kleiner und somit die Unsicherheit größer ist. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf den Wahlausgang.

An der Online-Umfrage von YouGov nahmen zwischen dem 23. und 36. Juli insgesamt 2104 Menschen teil. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutschen Wahlberechtigten ab 18 Jahren. Von den 2104 Befragten beantworteten 1748 die Sonntagsfrage, 2068 Befragte äußerten sich zu einer fiktiven Kanzler-Direktwahl. (ee/dpa)

Rubriklistenbild: © dpa / picture alliance

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