Annalena Baerbock und Armin Laschet in der 236. Sitzung des Deutschen Bundestages im Reichstagsgebäude. Berlin, 24.06.20
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Annalena Baerbock und Armin Laschet im Bundestag (Archivbild).

Vorab-Denkzettel

„Das geringste Übel“: Umfrage zeigt Misere von Laschet und Baerbock - und die verhassteste Koalition

  • Florian Naumann
    VonFlorian Naumann
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Viele Unentschlossene, wenig Begeisterung für die Spitzenkandidaten: Eine neue Umfrage liefert vor allem einen Denkzettel für Union, SPD und Grüne.

Berlin/Allensbach - Beinahe täglich prasseln vor der Bundestagswahl neue Umfrage-Ergebnisse auf die Wahlberechtigten in Deutschland ein. Hinter den Prozentpunkt-Schwankungen in den Sonntagsfragen stecken aber natürlich mehr oder minder gut begründete Wahl-Entscheidungen der Bürger. Deren Hintergründe hat nun eine Erhebung des Instituts Allensbach beleuchtet. Die Ergebnisse hätten das Zeug dazu, alle drei Kanzlerkandidaten zu beunruhigen. Die Union könnten sie aber auch in einer strategischen Entscheidung bestärken.

Umfrage vor der Bundestagswahl: Viele Unentschlossene - und übles Zeugnis für Laschet, Baerbock, Scholz

Gefragt hat das Institut im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) unter anderem, wie viele Menschen bezüglich ihrer Wahlentscheidung noch unentschlossen sind: Im Umfragezeitraum vom 1. bis 7. September waren das 40 Prozent der Befragten - angeblich so viele wie nie zuvor zu diesem Zeitpunkt vor einer Wahl. Es gibt wohl also noch einiges an Schwankungspotenzial vor dem Wahltag. Wie ein Denkzettel an die Parteien wirken aber die meistgenannten Begründungen für die momentane Unentschlossenheit.

Dem Bericht zufolge gaben 63 Prozent der Unentschlossenen an, dass sie keiner der Spitzenkandidaten überzeugt. 56 Prozent erklärten, dass alle Parteien kein gutes Bild abgäben. Auch das Vertrauen in die Wahlversprechen ist offenbar nicht besonders ausgeprägt. 54 Prozent der unentschlossenen Allensbach-Befragten erklärten, sie seien unsicher, was nach der Wahl von den Parteien zu erwarten ist.

Umfragedaten: Für die repräsentative Umfrage hat das Institut Allensbach im Auftrag der FAZ von 1. bis 7. September 1.258 Personen „mündlich-persönlich“ befragt. (Quelle: faz.net)

Die drei Kanzlerkandidaten werden teils sogar bei den Anhängern ihrer Parteien kritisch gesehen, wie die FAZ mit Blick auf die Allensbach-Daten notiert. Besonders virulent sei das Problem für Armin Laschet (CDU) und Annalena Baerbock (Grüne): „Wenn explizit der Kandidat der eigenen Partei angesprochen wird, äußern sich unentschlossene SPD-Anhänger deutlich weniger kritisch als die von Unionsparteien und Grünen“, schreibt das Blatt, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Ein anderes Problem ist offenbar das diesmal besonders unübersichtliche Panorama der Koalitions-Optionen.

Bundestagswahl: Linksrutsch-Kampagne womöglich gute Idee - Rot-Grün-Rot ist die unbeliebteste Koalition

„Welche Koalition möchten Sie nicht?“ lautete eine andere Frage. Dabei stach eine besonders unbeliebte Variante klar hervor: 43 Prozent der Befragten erklärten, sie seien gegen ein rot-grün-rotes Bündnis. In diesem Sinne korrespondiert die „Linksrutsch“-Kampagne der Union also mit einer messbaren Stimmung in Bevölkerung. Eine Wähler-Mehrheit scheint sie allerdings nicht anzusprechen.

Weitere vier Konstellationen wurden von mindestens 25 Prozent der Befragten abgelehnt - wobei zwei davon nach aktuellem Stand ohnehin keine Aussicht auf eine Bundestagsmehrheit haben: Schwarz-Grün (28 Prozent Ablehnung) und Rot-Grün (26 Prozent). Ebenfalls auf vergleichsweise wenig Gegenliebe stoßen Schwarz-Gelb (26 Prozent) und „Jamaika“ (25 Prozent). Besonders hoch fallen diese Ablehnungswerte allerdings nicht aus. Eine kleine Überraschung: Die seit acht Jahren regierende GroKo kommt mit 21 Prozent Ablehnung unter den Befragten vergleichsweise gut weg.

Umfrage vor der Bundestagswahl: Üble Ergebnisse - viele Wähler wollen vor allem andere Parteien „verhindern“

Und dann auch noch das: Begeisterung für eine bestimmte Partei gibt es offenbar generell kaum. Laut der Allensbach-Erhebung wollen 40 Prozent der Wahlberechtigten vor allem eines - andere Parteien oder Kandidaten verhindern. 53 Prozent der wahlwilligen Befragten erklärten zudem, keine Partei oder kein Kandidat begeistere sie bei der Bundestagswahl 2021. Sie wählen „das geringste Übel“.

Womöglich geben aber viele Menschen in Deutschland auf diese Erkenntnisse ohnehin gar nichts: 40 Prozent glauben nicht, dass Umfragen eine „realistische Momentaufnahme der Wahlabsicht der Bevölkerung sind“, vermeldete Die Zeit am Mittwoch. Herausgefunden wurde das natürlich in einer Umfrage - das Institut Civey hatte gut 2.500 Menschen befragt. Besonders skeptisch sind übrigens Unions-Anhänger. Vielleicht ja aufgrund der jüngsten Umfragewerte für ihre Parteien. (fn)

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