„Wer hat am meisten positiv überrascht?“

Plötzlich Triell-Sieger? Eine Umfrage sieht Laschet vorn - in Auftrag gegeben hat sie die CDU

  • Andreas Schmid
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SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz scheint das Kanzlertriell für sich entschieden zu haben. In einer von der CDU in Auftrag gegebenen Umfrage liegt allerdings Armin Laschet vorn.

Berlin - Am Sonntag standen sich die Kanzlerkandidaten Olaf Scholz (SPD), Armin Laschet (CDU) und Annalena Baerbock (Grüne) im TV-Triell gegenüber. Nach der Sendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ergab eine repräsentative Blitzumfrage ein vergleichsweise eindeutiges Ergebnis: SPD-Mann Scholz hat offenbar am meisten profitiert. Eine von der CDU in Auftrag gegebene Umfrage kommt allerdings zu einem gänzlich anderen Schluss.

TV-Triell: CDU gibt Studie in Auftrag - Laschet hat demnach am meisten positiv überrascht

Nach der Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey unter Zuschauern des Triells hat Laschet am meisten positiv überrascht. Mit 34 Prozent lag der CDU-Chef knapp vor Baerbock mit 33 Prozent. Scholz kam auf 24 Prozent. „Alle ungefähr gleich“ gaben 9 Prozent der Befragten an.

Laut Civey sei die Umfrage repräsentativ für die TV-Zuschauer des Triells und damit nicht repräsentativ für alle Wahlberechtigten, teilte die CDU mit.

Hinweise zur Umfrage:

Das Meinungsforschungsinstitut Civey hat nach Angaben der CDU für die Umfrage im Zeitraum vom 12.9. bis 13.9.2021 5109 Personen online befragt, die das TV-Triell von ARD und ZDF gesehen haben. Der statistische Fehler liegt bei 2,5 Prozent. Die konkrete Fragestellung lautete: „Wer hat Sie im ‚TV-Triell‘ von ARD und ZDF am meisten positiv überrascht?“

Kanzler-Triell: Scholz laut Blitzumfrage am überzeugendsten - 27 Prozent für Laschet

Wie sind diese Ergebnisse nun zu bewerten? Auch das ZDF hatte die Forschungsgruppe Wahlen eine ähnliche Frage stellen lassen. „Laschet, Baerbock, Scholz waren ...“ lautete die Vorgabe - „besser“, „schlechter“ oder „wie erwartet“ die Antwortmöglichkeiten. Laschet fanden dabei 35 Prozent der Befragten im Triell überraschend besser als zuvor angenommen. Der Bestwert ist das allerdings nicht - den erreichte Annalena Baerbock mit einem 53-prozentigen Votum. Womöglich sind aber ohnehin beide Fragen mit Vorsicht zu genießen: Wie leicht Erwartungen zu übertreffen sind, liegt schließlich auch daran, wie hoch oder niedrig eben diese Erwartungen sind.

An anderen demoskopischen Erkenntnissen mangelte es nach der TV-Runde aber ohnehin nicht. „Wen fanden Sie am überzeugendsten?“, fragte das Meinungsforschungsinstitut infratest dimap im Auftrag der ARD. 41 Prozent der zuvor rund 1500 ausgewählten Zuschauer Menschen, die das Kanzlerkandidatentriell gesehen haben, nannten Olaf Scholz in dieser Frage und bescheinigen ihm damit gewissermaßen den Sieg des Triells. Armin Laschet kam auf 27 Prozent, Annalena Baerbock landete mit 25 Prozent auf dem dritten Platz.

Triell-Umfrage: Scholz oft vorne - aber auch Baerbock entscheidet Kategorien für sich

26 Prozent erreichte Armin Laschet in der Frage nach der Kompetenz. (Scholz: 49, Baerbock: 18). Ebenso viele entschieden sich bei der Frage nach der größten Glaubwürdigkeit für den momentanen Ministerpräsidenten Nordrhein-Westfalens (Scholz: 39, Baerbock: 26).

Interessant: In den meisten Umfragen liegt Scholz vorne, aber auch Baerbock kann einige Bereiche für sich entscheiden. Für 41 Prozent der Befragten strahlte die Grünen-Kandidatin die größte Tatkraft auf. Laschet und Scholz liegen mit 26 und 28 Prozent dicht beieinander. Baerbock konnte außerdem mit Sympathiepunkten überzeugen. Sie entscheidet die Frage „Wen fanden Sie am sympathischsten?“ mit 39 Prozent für sich (Scholz: 34, Laschet: 18).

Kanzler-Triell: Laschet verbessert sich in einigen Bereichen - bleibt aber deutlich hinter Scholz

Für Laschet lief aber nicht alles schlecht. Zu einem klaren Triellsieg reichte es zwar nicht, aber der gebürtige Aachener konnte immerhin in einzelnen Kategorien an Boden gut machen. Bei der Frage: „Wen hätten Sie am liebsten als Bundeskanzler?“ landete Laschet unter den Triellzuschauern mit 28 Prozent zwar deutlich hinter Scholz (46; Baerbock: 20). Im Vergleich zu vor dem Triell bedeutet dieses Ergebnis eine Verbesserung um neun Prozentpunkte. Zudem fanden Laschet 35 Prozent der Zuschauer „besser als erwartet“.

Laschet kann sich außerdem auf die Unterstützung seiner Parteianhänger verlassen. 74 Prozent der Menschen, die CDU wählen wollen, fanden Laschet am überzeugendsten. Scholz (77) und Baerbock (71) kommen indes auf ähnliche Ergebnisse in den eigenen Parteireihen.

Die CDU bewertet die Ergebnisse indes als Erfolg: „Armin Laschet wird Kanzler“, schallte es am Sonntagabend durch das Konrad-Adenauer-Haus. Maßgeblich initiiert wurde die Aktion von der Jungen Union. Zuvor wurde an ebenjener Lokalität, wo schon so viele Wahlsiege gefeiert wurden, eine Art Motivationsvideo eingespielt und eine Sequenz von einem CDU-Sprecher gepostet. Nach „Peinlich“-Vorwürfen wurde es wieder gelöscht. (as)

Rubriklistenbild: © Daniel Karmann/dpa/picture alliance

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