Tiefschläge am Fließband

Nächste Umfrage-Watschn für Union: Sogar Grün-Rot-Rot möglich - Scholz in K-Frage vor Laschet

  • Florian Naumann
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  • Andreas Schmid
    Andreas Schmid
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Die Union kommt einfach nicht aus dem Umfragetief heraus. Auch nach Klärung der K-Frage verlieren CDU und CSU an Zustimmungswerten.

Update vom 7. Mai: Die Umfrage-Hiobsbotschaften für die Union reißen nicht ab: Im bereits am Donnerstag veröffentlichten „ARD-Deutschlandtrend“ ist die Kanzlerin-Partei hinter die Grünen zurückgefallen (siehe Erstmeldung). Und auch in einem zweiten Flaggschiff der TV-Wahldemoskopie in Deutschland büßen CDU und CSU ein. Das ZDF-„Politbarometer“ sieht die Schwesterparteien in der Sonntagsfrage ebenfalls nur noch auf Rang zwei.

In der am Freitag veröffentlichen Umfrage der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen verlieren CDU und CSU satte sechs Prozentpunkte auf nunmehr 25 Prozent. Die Grünen erreichten hingegen einen Anteil von 26 Prozent, fünf Punkte mehr als zuvor. Die SPD verharrt kurz vor ihrem Bundesparteitag am Sonntag bei 14 Prozent. Für die AfD werden unverändert elf Prozent vorhergesagt. Die FDP kann sich um einen Punkt auf zehn Prozent verbessern. Die Linke bleibt bei sieben Prozent.

Umfrage-Tiefschlag für Union: Politbarometer sieht sogar Mehrheit für Grün-Rot-Rot - Scholz führt im Kanzler-Ranking

Damit hätten rechnerisch sowohl eine Koalition aus Grünen und CDU/CSU als auch aus Grünen, SPD und FDP eine Mehrheit. Knapp reichen würde es auch für Grün-Rot-Rot, nicht jedoch für eine Fortführung der Großen Koalition aus Union und SPD.

Dicht beieinander liegen die Kandidatinnen und Kandidaten, wenn es um die Frage geht, wer die Nachfolge von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) übernehmen soll. Im direkten Vergleich zwischen dem Unions-Bewerber Armin Laschet und Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock führt Laschet knapp mit 46 zu 44 Prozent. SPD-Kandidat Olaf Scholz hat sowohl gegenüber Laschet mit 46 zu 43 Prozent als auch gegenüber Baerbock mit 45 zu 43 Prozent knapp die Nase vorn. Scholz hatte zuletzt Spott für eine wiederholt vorgebrachten Kanzlerambitionen ertragen müssen.

Für die Umfrage befragte die Forschungsgruppe Wahlen vom 4. bis 6. Mai 1271 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte. Der Fehlerbereich wurde je nach Anteilswert mit plus/minus zwei bis drei Prozentpunkte angegeben.

Aber auch eine neue Erhebung des Sinus-Instituts in Zusammenarbeit mit dem YouGov sieht die Grünen in Front. Hier steht es in der Sonntagsfrage 25 Prozent zu 24 Prozent für die Öko-Partei. Die Demoskopen attestierten Grüne und Union ein Ringen um sich teils überschneidende Wählermilieus. „Die Grünen haben es geschafft, ihre bildungsbürgerlichen Kernmilieus zu halten, und gleichzeitig haben sie sich für andere, nämlich junge und moderne, Wählergruppen geöffnet“, erklärte Sinus-Geschäftsführer Manfred Tautscher. Die Mitte der Gesellschaft sei gespalten zwischen schwarz und grün. Die CDU geht unterdessen in Richtung Grüne in den Modus Attacke.

Union sackt ab: Grüne bei der nächsten Umfrage vorn - Laschet gleichauf mit Scholz

Ein Trio will nach Berlin: Armin Laschet (CDU), Annalena Baerbock (Grüne) und Olaf Scholz (SPD; v.l.)

Erstmeldung vom 6. Mai: Berlin - Der Dauersieger des „ARD-Deutschlandtrend“ muss die nächste Umfrageschlappe hinnehmen. Erstmals seit Juli 2019 ist die Union in der Befragung nicht mehr stärkste Kraft. Die Grünen haben die CDU/CSU von der Spitzenposition verdrängt: Laut den am Donnerstag veröffentlichten Umfragewerten fielen CDU und CSU in der Wählergunst im Vergleich zum April um vier Punkte und kommen somit nur noch auf 23 Prozent. Die Grünen legten um vier Punkte zu und erreichen nun 26 Prozent - damit wären sie derzeit stärkste Kraft.

Deutschlandtrend: Umfragewatschn für Laschet - nur 51 Prozent Zuspruch aus der eigenen Partei

Die Grünen würden sich somit im Vergleich zur letzten Bundestagswahl um 15 Prozentpunkte verbessern, die Union hätte im selben Zeitraum neun Punkte verloren. Kanzlerkandidat Armin Laschet steht also vor einer schwierigen Aufgabe - zumal der nordrhein-westfälische Ministerpräsident nach wie vor auch auf seine Person bezogen nicht mit den besten Umfragewerten glänzen kann. Erschwerend für den gebürtigen Aachener kommt hinzu, dass der Rückhalt aus der eigenen Partei nach wie vor bröckelt.

Unter den befragten Unions-Anhänger:innen spricht sich gerade einmal jede:r Zweite für Laschet aus (51 Prozent). Zum Vergleich: Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock kann vier von fünf Grünen-Wähler:innen hinter sich wissen (82 Prozent). SPD-Mann Olaf Scholz kommt im eigenen Lager auf Zustimmungswerte von 63 Prozent.

Deutschlandtrend: Gleichauf mit Scholz - bittere Umfrageklatsche für Laschet

Allgemein befragt nach den Spitzenkandidaten der Parteien ergibt sich ein ebenso düsteres Bild für Laschet. Wenn die Deutschen direkt über die kommende Bundeskanzlerin oder den kommenden Bundeskanzler entscheiden könnten, würde sich eine relative Mehrheit von 28 Prozent für die Grünen-Chefin Baerbock entscheiden. Nur 21 Prozent sprechen sich für den CDU-Chef aus. Interessant: Laschet kommt damit auf dieselben Zustimmungswerte wie Finanzminister Scholz (21 Prozent; 30 Prozent antworteten mit „weiß nicht“ oder machten keine Angabe).

Das ist insofern bemerkenswert, da die SPD - abgekoppelt von Scholz - lediglich auf 14 Prozent kommt. Die Sozialdemokraten verlieren damit zwei Punkte im Vergleich zum Vormonat. Gleichzeitig legte die AfD, aktuell noch stärkste Oppositionspartei, einen Punkt zu und erreichte zwölf Prozent. Die FDP verbesserte sich um zwei Zähler auf elf Prozent, die Linke verlor einen Punkt und kam auf sechs Prozent. Damit müssen die Ko-Parteichefinnen Susanne Hennig-Wellsow und Janine Wissler dieser Momentaufnahme zufolge um den Einzug in den Bundestag zittern. Das Erreichen der Fünf-Prozent-Hürde scheint nicht in Stein gemeißelt.

Corona: Zustimmung für Maßnahmen steigt - knappe Mehrheit gegen Impf-Lockerungen

Fernab des Wahlkampfes sprach sich eine knappe Mehrheit der Befragten außerdem gegen sofortige Lockerungen für Corona-Genesene sowie Geimpfte aus. 51 Prozent finden, entsprechende Regeln sollten erst greifen, wenn mehr Menschen die Chance auf eine Corona-Impfung haben. Der Bundestag hat sich mittlerweile für Erleichterungen ausgesprochen, nun muss noch der Bundesrat zustimmen.

Die Zustimmung der aktuellen Corona-Maßnahmen steigt im Vergleich zum Vormonat unterdessen deutlich. Jede:r Vierte findet die Regeln angemessen (40 Prozent; 16 mehr als im April). Für 30 Prozent der Deutschen gehen die Regeln zu weit (+6), für 26 Prozent nicht weit genug (-22). In der repräsentativen Umfrage von infratest dimap für den ARD-Deutschlandtrend wurden von Montag bis Mittwoch 1351 Wahlberechtigte befragt. Die Fehlertoleranz liegt bei zwei bis drei Punkten. (as)

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