Masken-Affäre zeigt Wirkung

Umfrage-Debakel: CDU und CSU stürzen immer tiefer - Unmöglich geglaubtes Szenario plötzlich greifbar

  • Christoph Gschoßmann
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Eine deutsche Regierung ohne Union? Ja, manche haben sowas noch erlebt. Und bald könnte es wieder so weit sein. Eine aktuelle Umfrage sieht die Union fast im freien Fall.

München - Eine Regierung in Deutschland ohne CDU/CSU-Beteiligung - in der Ära Merkel schien das zeitweise fast undenkbar. Und doch gerät genau das mittlerweile zu einem realistischen Szenario: Die Union stürzt in den jüngsten Umfragen krachend ab. Wäre nicht im Herbst, sondern jetzt Bundestagswahl, gäbe es sogar eine Mehrheit für die Ampel!

Umfrage: Grüne nur noch knapp hinter CDU und CSU

Die Krise der Konservativen schlägt sich dramatisch auf die aktuellen Zahlen nieder. So kommt die Merkel-Partei gegenwärtig nur noch auf 27 Prozent - im Mai 2020 waren CDU und CSU noch uneinholbar auf 40 Prozent gethront. Nun verliert die Partei in einer Kantar-Emnid-Umfrage im Vergleich zur Vorwoche weitere vier Prozentpunkte. Die Grünen (22 Prozent, plus 3) sowie SPD (17, plus 1) und FDP (10, plus 2) profitieren allesamt. Und genau diese drei Parteien könnten sich bei dieser Konstellation zu einem Mehrheitsbündnis zusammenschließen, denn gemeinsam hätten sie mehr Stimmen als CDU, AfD (10, minus 1) und Linke (8, plus/minus 0).

In der Union herrscht blanke Panik. Friedrich Merz (65) polterte laut Spiegel in einer internen Sitzung, dass seine Partei nicht ansatzweise auf die Wahl in sechs Monaten vorbereitet sei, weder inhaltlich, noch personell. Er wirft seiner Partei Führungsversagen vor und gießt dadurch ordentlich Öl ins Feuer. Gleich mehrere Faktoren ziehen die CDU aktuell nach unten.

CDU/CSU: Maskenaffäre und Impfdebakel - Union in der Kritik

Die Maskenaffäre rückt viele Unionsabgeordnete in schlechtes Licht. Abgeordnete wie Georg Nüßlein (CSU) stehen wegen dubioser Nebeneinkünfte und Korruptionsverdacht im Fokus. Das Hin und Her bei den Lockdowns und das Impf-Debakel steht in enger Verbindung mit CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn.

Auch die katastrophalen Ergebnisse bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz drücken auf die Stimmung. Und dann ist da noch die „K-Frage“. Noch immer hat die Partei von Kanzlerin Angela Merkel keinen Kandiaten für ihre Nachfolge benannt. Parteivorsitzender Armin Laschet befindet sich im Machtkampf mit Bayerns Ministerpäsident Markus Söder.

Die SPD hat dagegen schon einen Kanzlerkandidaten, und der erwartet, dass die CDU „am Wahlabend unter 30 Prozent liegen wird“, so Olaf Scholz zu Bild.

Sinkt die CDU sogar unter 27 Prozent? „Für die Union kann es weiter bergab gehen“

Dass die CDU sogar noch tiefer fallen könnte, glaubt Kantar-Experte Torsten Schneider-Haase: „Der Boden ist noch nicht erreicht. Für die Union kann es weiter bergab gehen, sollten weitere Affären ans Licht kommen oder der negative Corona-Trend nicht gestoppt werden.“

Politikwissenschaftler Herfried Münkler (69) ergänzte in der Bild am Sonntag: „Nach Beginn der Pandemie hat die CDU über Monate von der Stunde der Exekutive profitiert. Aber das war ein Vorschuss, der bei Nichteinlösung des Erwarteten auch wieder einkassiert wird.“ Einkassiert - genauso wie die Regierungsbeteiligung? Die Auflösung erfolgt im Herbst 2021.

Auch interessant bei Merkur.de: Corona-Notbremse ohne Plan und Ausweg - das „Prinzip Merkel“ wird zum Bumerang - ein Kommentar.

Rubriklistenbild: © Guido Kirchner/dpa

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