Brisanter Bericht aus den USA

Kandidatur für 2024: Kommt Trump-Knall noch in diesem Jahr? Umfragen gigantisch - auch für seinen Sohn

  • Marcus Giebel
    vonMarcus Giebel
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Donald Trump wurde als US-Präsident abgewählt. Innerhalb der Republikaner hat er sich aber in eine Machtposition sondergleichen katapultiert. Die könnte für die Partei auf dem Weg zur Wahl 2024 zum Problem werden.

  • Donald Trump hat eingelenkt und will die Amtsübergabe an Joe Biden nun doch ermöglichen.
  • Der scheidende US-Präsident plant schon vor seinem Abschied aus dem Weißen Haus seine politische Zukunft.
  • Die komplette Kampagne der Republikaner für die Wahl 2024 wird von Trumps Entscheidung abhängen.

Washington/München - Auch bis tief ins Weiße Haus ist es nun offenbar vorgedrungen. Bei der US-Präsidentschaftswahl am 3. November war Donald Trump tatsächlich nur zweiter Sieger. Nach zwei Wochen voller Wut-Tweets, Klagen und Beschimpfungen lenkt der Amtsinhaber aber nun ein und lässt die Übergabe an seinen Nachfolger einleiten. So ganz will er aber offenbar nicht loslassen von den liebgewonnenen Hebeln der Macht im Oval Office. In einer Pressekonferenz stellte er jedoch nun seinen Auszug aus dem Weißen Haus in Aussicht.

Längst soll Trump an seiner Kampagne für die nächsten Wahlen feilen. Die sind in vier Jahren. Dann wäre er 78 Jahre alt - wie der gewählte Präsident Joe Biden jetzt. Zwar habe er noch keine Entscheidung gefällt, schreibt die Washington Post. Aber es sei durchaus möglich, dass der scheidende US-Präsident noch in diesem Jahr - also aus dem Weißen Haus heraus - seine Kandidatur für 2024 verkünden wird.

Trump und die US-Wahl 2024: Laut Freund will er „politischen und medialen Einfluss behalten“

Trumps langjähriger Freund Christopher Ruddy sagte dem Bericht zufolge, Trump werde versuchen, „politischen und medialen Einfluss zu behalten“. Eine führende Person aus der Kampagne des Machthabers versicherte: „Er wird einer der Köpfe innerhalb der Partei bleiben - ob er einen formalen Titel trägt oder nicht.“

Darin sind sich wohl viele Wegbegleiter einig. Unterstützt wird diese Erwartungshaltung von jüngsten Umfragen. So würden 66 Prozent der republikanischen Wähler eine erneute Trump-Kandidatur unterstützen, ebenso wie 41 Prozent der unabhängigen Wähler und 26 Prozent der Unterstützer der Demokraten.

Noch etwas überraschender ist das Ergebnis einer Studie, wonach sich sogar acht Prozent der republikanischen oder der Partei nahestehenden Wähler Donald Trump Jr. als Kandidaten für 2024 wünschen. Damit liegt er hier auf Platz drei hinter seinem Vater (53 Prozent) und dessen Vize-Präsident Mike Pence (zwölf).

Was geht in diesem Kopf vor? Die Republikaner müssen abwarten, wie sich Donald Trump seine politische Zukunft vorstellt.

Trump und die US-Wahl 2024: „Als Außenseiter gegen das sogenannte Establishment antreten“

Das zeigt, wie sehr der Herr im Weißen Haus seine Partei im Griff hat. Dazu kommt ein weiterer Trumpf, der an die Wahl im Jahr 2016 erinnert. „2024 könnte er erneut als Außenseiter antreten - schließlich ist jetzt wieder das sogenannte Establishment am Ruder“, gibt der Politologe und USA-Experte Joseph Braml im Interview mit dem SRF zu bedenken.

Bis könnte es für Trump gelten, die Kriegskasse zu füllen. Laut Washington Post erörtert er derzeit Möglichkeiten, um mit möglichst wenig Arbeit an Geld zu kommen. Als Beispiele werden Auftritte als Redner genannt, oder der Verkauf von Tickets für Versammlungen der sogenannten Trumpisten. Vielleicht schreibe er auch seine Memoiren über die Zeit als mächtigster Mann der Welt.

Trump und die US-Wahl 2024: Einstigem Haus-und-Hof-Sender droht Vergeltung

Seinen Widersachern soll es derweil an den Kragen gehen. Und dabei ist nicht unbedingt Biden gemeint. Trump plane Vergeltung für all jene, die ihn seiner Meinung nach hintergangen haben, heißt es. Zu den Zielscheiben zählt demnach auch Trumps einstiger Haus-und-Hof-Sender Fox News.

Dem US-Präsidenten soll die Moderation von Fox-Journalist Chris Wallace beim ersten TV-Duell mit Biden missfallen haben - dieses war teilweise außer Kontrolle geraten. Zudem stoße sich Trump daran an, dass der Sender zu den ersten Medien zählte, die den Herausforderer als Sieger in Arizona ausriefen. Und Fox-Korrespondenten hätten seine später aus dem Oval Office bestrittenen „Trottel“- und „Verlierer“-Vorwürfe in Richtung Militär-Angehöriger verbreitet.

Trump und die US-Wahl 2024: Bislang noch keine Unterstützung bei Stichwahlen für Senatssitze in Georgia

„Er ist wirklich sauer auf Fox“, betont Ruddy, dessen Medien-Unternehmen Newsmax von Trump als lohnende Alternative entdeckt worden sein soll. In Geber-Laune ist der Republikaner derzeit aber wohl weniger. So konnte er sich noch nicht dazu durchringen, vor den Stichwahlen für die beiden offenen Senatssitze in Georgia die beiden Parteikollegen David Perdue und Kelly Loeffler öffentlich zu unterstützen. Dabei geht es immerhin um die Mehrheit in dieser Kammer.

Eine eher passive Rolle wird von Trump auch bei den Halbzeitwahlen 2022 erwartet, wenn es um ein Drittel der Sitze im Senat und alle Posten im Repräsentantenhaus geht. Dann könnte er angesichts seiner immensen Reichweite wirksam die Trommel für die Kandidaten der Republikaner rühren. Aber für den scheidenden Präsidenten zählt eben nicht, was links und rechts seines Weges geschieht.

Trump und die US-Wahl 2024: „Partei soll weiter von seinem Wahnsinn aufgezehrt werden“

„Anders als Bush, anders als Reagan, anders als viele andere frühere Präsidenten, wird er weiter präsent bleiben. Er möchte, dass die Partei weiter von ihm und seinem Wahnsinn aufgezehrt wird“, mutmaßt Michael Steele, einstiger Vorsitzender des Republican National Comitee.

Vermutlich ist auch Trump bewusst, dass die Schlappe gegen Biden keine Niederlage auf ganzer Linie war. Mit mutmaßlich mehr als 70 Millionen Stimmen hat er mehr Wähler hinter sich vereinen können als je ein Republikaner zuvor.

Trump und die US-Wahl 2024: „Twitter-Account widerlich, aber einflussreichstes Werkzeug“

Und ihm werden genügend Mittel bleiben, um sich weiter Gehör zu verschaffen - auch wenn nahestehende Personen nicht damit rechnen, dass Trump ein eigenes TV-Imperium aufbauen wird. Brendan Buck, der dem prominenten Parteikollegen nicht viel abgewinnen kann, verweist auf den Twitter-Account, der „so widerlich er auch ist, eines seiner einflussreichsten Werkzeuge ist - und das wird bleiben.“

Er deutet auch an, dass Trump für den Staat noch gefährlicher werden kann, wenn er nicht mehr das politische Sagen hat: „Tun wir nicht so, als würde sein Einfluss auf die Partei auf seiner Regierungsarbeit oder seinen politischen Ansichten beruhen. Es war seine Fähigkeit, seine Stimme zu erheben und so die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Und daran wird sich nichts ändern.“

Trump und die US-Wahl 2024: „Als Außenseiter gegen das sogenannte Establishment antreten“

Unabhängig von Trumps weiteren Plänen, die womöglich selbst der meinungsstarke US-Präsident noch nicht genau kennt. Ein leitender Verwaltungsangestellter skizziert in der Post jedenfalls bereits ein Horrorszenario für die Trump-Partei: „Es könnte sein, dass wir schon weit im Wahlzyklus für 2024 fortgeschritten sind, etwa Mitte 2023, und er immer noch nicht definitiv gesagt hat, dass er antritt. Wodurch alle möglichen Konkurrenten unsicher wären, wie sie sich verhalten sollen.“

Man kann das alles auch so zusammenfassen: Die Republikaner warten, dass Trump den ersten Schritt macht. Ihnen bleibt ja auch keine andere Wahl. (mg)

Rubriklistenbild: © Jim Watson/afp

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