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Zeit: 60 Tage. Distanz im direkten Duell: 22 Punkte. Mit einem klaren Abstand in den Umfragen starten am Wochenende Horst Seehofer und Christian Ude in den Wahlkampf. Seehofer führt aber nicht in allen Disziplinen.

Umfrage zur Landtagswahl

Im Duell Seehofer/Ude steht’s 57 zu 35

München - Zeit: 60 Tage. Distanz im direkten Duell: 22 Punkte. Mit einem klaren Abstand in den Umfragen starten am Wochenende Horst Seehofer und Christian Ude in den Wahlkampf. Seehofer führt aber nicht in allen Disziplinen.

In einem Zelt und in einem Hallenkeller beginnt endlich, was lange offiziell nicht sein durfte: Wahlkampf. Am Freitagabend startet die CSU formal in die heiße Phase vor dem Urnengang im September, am Samstag ruft die SPD die Genossen zum Auftakt-Parteitag. Vermutlich werden es eher erwartbare Kundgebungen von Horst Seehofer in der Kleinen Olympiahalle und von Christian Ude im Theaterzelt beim Tollwood-Gelände. Das Duell wird mit diesem Wochenende in München aber wenigstens mal eröffnet. Und die Munition liegt bereit.

Die CSU will von den Delegierten den „Bayernplan“ abnicken lassen, ein relativ kurzes 25-Seiten-Extrakt aller Wünsche und Ziele der Partei. Im Vorstand ist der Entwurf bereits Konsens. Die SPD fasst in zehn Punkten ihren Leitantrag „Bayern kann das!“ zusammen, ein kompaktes Regierungsprogramm.

Der Wahlkampfauftakt ist heuer spät – als Lehre aus den Statistiken über viele unentschlossene Wähler, die sich immer kürzer vor dem Wahlsonntag entscheiden. Endspurt also. Klarheit gibt es nun auch darüber, wer aus welchem Startblock loslegt. In einer umfangreichen Umfrage hat das BR-Politmagazin „Kontrovers“ bis gestern Abend ermittelt, dass Seehofer im direkten Vergleich weit vorne liegt; 57:35 bei einer (theoretischen) Direktwahl. Ihm werden stärkere Führungskraft (65:21), größere Nähe zu bayerischer Lebensart (65:23) und mehr Wirtschaftskompetenz (52:20) attestiert. Ude führt bei Glaubwürdigkeit (40:31) und sozialem Engagement (46:29).

Traditionell fragt Infratest dimap für „Kontrovers“ auch Schulnoten ab. Hier gibt es gute und schlechte Nachrichten für Ude: Der Münchner bleibt einer der beliebtesten Politiker Bayerns – vor Seehofer (Note 2,9) – erzielt aber mit 2,7 seine schlechteste Zensur seit über zehn Jahren.

Bayerns Lieblingspolitikerin ist demnach trotz des Wirbels um die Abgeordneten-Affäre Landtagspräsidentin Barbara Stamm (Note 2,4), gefolgt unter anderem von den Parteifreunden Joachim Herrmann, Marcel Huber und Christa Stewens (je 2,9).

Für Politiker geht es in dieser Skala die liebe Legislaturperiode lang um Eitelkeiten – kurz vor der möglichen Wiederwahl aber auch um Posten. Justizministerin Beate Merk ist derzeit zum Beispiel mit Note 3,7 Schlusslicht aller Spitzenpolitiker. Sie sackte seit Januar um fast eine halbe Note ab. Hinter den Kulissen wird in der CSU auch sehr energisch diskutiert, wer ab Oktober die Fraktion führen soll. Bleibt Seehofer Regierungschef, egal ob mit oder ohne Koalitionspartner, dann spielt der CSU-Fraktionschef eine Schlüsselrolle in jeder Sach- und Machtfrage, einflussreicher als jeder Minister.

Zwei sind derzeit im Rennen, die diese Woche beim Sommerempfang des Landtags für einen Fotografen neckisch Rücken an Rücken posierten: Finanzminister Markus Söder und die aus Berlin heimkehrende Ilse Aigner. Der fränkische Netzwerker hat viele Abgeordnete auf seine Seite geholt. In Oberbayern gibt es aber auch starke Unterstützung für Aigner. Sie gilt als im Volk populär. Söder und Aigner liegen mit 3,0 aktuell gleichauf, er stabil, sie leicht verschlechtert.

Über Allianzen darf spekuliert werden. Sozialministerin Christine Haderthauer lobt Aigner jedenfalls derzeit demonstrativ. „Kein Bundespolitiker ist beliebter als Ilse Aigner“, sagte Haderthauer am Abend unserer Zeitung. „Das zeigt: Ihre Entscheidung für die Landtags-CSU ist goldrichtig. Sie ist teamfähig und ein Generalist.“

In der Sonntagsfrage steuert die CSU ähnlich wie in vorherigen Umfragen auf eine absolute Mehrheit der Mandate zu. Laut „Kontrovers“ könnte sie derzeit mit 47 Prozent rechnen, Koalitionspartner FDP nur mit 3. Ein Dreierbündnis von SPD (18), Grünen (15) und Freien Wähler (8 Prozent) ist demnach aktuell noch weit von einer Machtübernahme entfernt.

VON Christian Deutschländer

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