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Scholz-Rakete? SPD schießt auch in Meck-Pomm und Berlin hoch - CDU und Grüne brechen ein

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Von: Florian Naumann

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Manuela Schwesig und Olaf Scholz Ende Juli bei einem Wahlkampfauftritt in Stralsund.
Erfolgsduo? Manuela Schwesig und Olaf Scholz Ende Juli bei einem Wahlkampfauftritt in Stralsund. © Chris Emil Janssen/www.imago-images.de

Die SPD bewegt sich in den Umfragen mittlerweile schneller als jeder „Zug“. Fast könnte man von einer „Scholz-Rakete“ sprechen - auch vor den Landtagswahlen.

Berlin/Schwerin - Politiker sprechen nach Landtagswahl-Schlappen gerne vom „Bundestrend“. Aus Berlin habe es „keinen Rückenwind“ gegeben, heißt es dann entschuldigend. Die SPD hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Gelegenheit zu solchen Äußerungen.

Doch nun scheint sich der Wind zu drehen. Womöglich dank der unerwarteten Zugkraft von Kanzlerkandidat Olaf Scholz: Die Sozialdemokraten liegen in den Umfragen zur Bundestagswahl fast schon auf Kanzlerkurs - und legen zeitgleich auch vor den beiden im September zeitgleich stattfindenden Landtagswahlen deutlich zu. In Mecklenburg-Vorpommern, wo die SPD eine beliebte Amtsinhaberin in ihren Reihen hat, schießen die Sonntagsfrage-Werte geradezu durch die Decke. In Berlin schaffen es die Genossen um die plagiatsskandalumwitterte Spitzenkandidatin Franziska Giffey immerhin plötzlich auf einen sehr soliden Platz 1.

Landtagswahlen: SPD in Mecklenburg-Vorpommern-Umfrage plötzlich 21 Prozent vor der CDU

In Schwerin scheint der SPD der Sieg rund einen Monat vor der Landtagswahl kaum noch zu nehmen: Eine aktuelle Umfrage von Infratest dimap taxiert die Partei auf 36 Prozent. Satte 9 Prozentpunkte mehr als noch Mitte Juli - und der höchste SPD-Wert vor einem Urnengang in Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen 20 Jahren.

Fast in gleichem Maße bricht in dem Ostsee- und Seenplatten-Bundesland die CDU ein. Die Erhebung im Auftrag von Schweriner Volkszeitung, Ostsee-Zeitung und NDR sähe die Christdemokraten um 8 Prozentpunkte einbrechen, würde an diesem Sonntag gewählt, 15 Prozent stehen nun zu Buche. Damit fällt die CDU hinter die AfD zurück. Die Rechtspopulisten steigen um einen Prozentpunkt auf nunmehr 17 Prozent. Das bedeutet auch: Beide Parteien zusammen sind in der Umfrage nicht so stark wie die SPD alleine.

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Abgeschlagen sind die drei weiteren Bundestagsparteien: Die Linke kommt auf 11 Prozent, die FDP auf 8 Prozent, die Grünen nur auf 6 Prozent. Der Erfolg der SPD hat offenbar stark mit der Arbeit der Landesregierung zu tun: 61 Prozent der Umfrageteilnehmer zeigten sich mit ihr zufrieden. Schwesig kommt gar auf 67 Prozent Zustimmung. Überraschend scheint dennoch der starke Zuwachs in der Sonntagsfrage binnen eines guten Monats.

Umfragen: Berlin plötzlich vor neuer Lage - SPD stürmt mit Giffey an die Spitze, Grüne brechen ein

Gewählt wird am 26. September auch das Abgeordnetenhaus in Berlin. Dort hat sich das Bild an der Spitze der infratest-dimap-Umfragen komplett gedreht. Die SPD stürmt von Platz drei an die Spitze, die Grünen fallen nach längerer Führung auf die dritte Position zurück. Die CDU bleibt trotz Einbußen zwischen den beiden Konkurrenten auf der zwei.

Die Demoskopen maßen in der am Mittwoch veröffentlichten rbb-Sonntagsfrage 23 Prozent für Giffeys SPD, sechs Prozentpunkte mehr als bei der vorangegangenen Umfrage aus dem Mai. Die Grünen sacken von 22 auf 17 Prozent ab, die CDU verliert zwei Prozentpunkte auf nunmehr 19 Prozent. Auch in der Hauptstadt also eine vergleichsweise komfortable Führung für die Sozialdemokraten. Die Linke - dritte Partei im regierenden Berliner Links-Bündnis - bleibt stabil bei 12 Prozent. Die regierende rot-rot-grüne Regierung hätte weiterhin eine Mehrheit, träfe das Ergebnis so ein.

In Berlin scheint das Ergebnis ebenfalls mit den lokalen Spitzenpolitikern zu tun zu haben. Mit Giffey zeigten sich 37 Prozent zufrieden. Die Grünen-Kandidatin Jarasch kam mit elf Prozent nur auf den fünften Platz - hinter Linken-Kandidat Klaus Lederer mit 31 Prozent, FDP-Kandidat Sebastian Czaja mit 20 Prozent und CDU-Kandidat Wegner mit 16 Prozent. Das Ergebnis könnte durchaus überraschen. Giffey war in diesem Jahr als Bundesfamilienministerin zurückgetreten. Auf den Amtsinhaber-Bonus verzichtet die SPD: Der Regierende Bürgermeister Michael Müller will bei der Bundestagswahl ein Mandat erobern.

Umfrage-Hoch: SPD hofft nun auch für Bundestagswahl - „Das Rennen ist offen“

Die SPD hofft nun auch bei der Bundestagswahl auf weiteren Rückenwind: Die Prognosen der Meinungsforscher gäben der Partei „Ansporn“ für die letzten Tage bis zum Wahltermin, sagte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil am Donnerstag bei der Vorstellung des Werbespots sowie von Wahlplakaten für die Schlussphase des Wahlkampfs. „Das Rennen ist offen.“

Er habe immer gesagt, dass sich die Menschen im August entscheiden würden, betonte Klingbeil. Er berichtete von steigenden Besucherzahlen bei Wahlveranstaltungen der Sozialdemokraten. Die SPD ist der jüngsten Forsa-Umfrage zufolge derzeit mit 23 Prozent stärkste Kraft, in anderen Erhebungen liegt sie mit der Union gleichauf oder knapp dahinter. (fn)

Umfragen aus Mecklenburg-Vorpommern und zur Abgeordnetenhaus-Wahl in Berlin

Mecklenburg-Vorpommern: Infratest dimap befragte 1.153 Wahlberechtigte im Zeitraum von 19. bis 24. August 2021.

Berlin: Infratest dimap befragte 1160 Wahlberechtigte im Zeitraum vom 18. bis 21. August 2021.

Wähler in beiden Bundesländern können sich seit Donnerstag neue Unterstützung für die Wahlentscheidung holen: Für beide Landtagswahlen ist ein Wah-o-mat der Bundeszentrale für politische Bildung online gegangen.

Grundsätzlich spiegeln Wahlumfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf den Wahlausgang. Sie sind außerdem immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten.

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