Fünf Monate vor Bundestagswahl

K-Streit in der Union und die Folgen: Umfrage zeigt überraschende Tendenz - doch Söder droht Ärger in Bayern

  • Marcus Giebel
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Wo soll man sein Kreuzchen bei der Bundestagswahl machen? Bei Umfragen müssen sich die Teilnehmer jetzt schon einmal entscheiden. Dabei deutet sich eine Trendumkehr an der Spitze an.

München - Die abgelaufene Woche wird in die Bundesgeschichte eingehen. Wegen des Streits um die Kanzlerkandidatur der Union. Der Machtkampf wird weder an CDU-Chef Armin Laschet noch am CSU-Vorsitzenden Markus Söder spurlos vorübergehen. Ein Ende ist ohnehin nicht in Sicht. Der Partei scheinen die immer mehr mit öffentlicher Fassungslosigkeit begleiteten Zwistigkeiten jedoch nicht zu schaden. Ganz im Gegenteil.

Umfrage zur Bundestagswahl: Union legt in der Bild am Sonntag wieder zu

Beim aktuellen Sonntagstrend der Bild am Sonntag baut die zuletzt gehörig schwächelnde Union ihren Vorsprung fünf Monate vor der Bundestagswahl wieder aus. Nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts Kantar, das die Umfrage im Auftrag des Blattes vornimmt, kommen CDU und CSU gemeinsam auf 29 Prozent - ein Zuwachs von zwei Prozentpunkten zur Vorwoche. Dahinter bleiben die Grünen kurz vor Verkündung ihrer Entscheidung in der Kanzlerkandidatur bei 22 Prozent, die SPD verharrt auf 15 Prozent.

Die AfD hält sich bei elf Prozent, die FDP kommt unverändert auf neun Prozent. Leicht abgerutscht ist die Linke von neun auf acht Prozent, die übrigen Parteien kommen noch auf sechs Prozent - ebenfalls ein Prozentpunkt weniger als eine Woche zuvor.

Umfrage zur Bundestagswahl: Streit um K-Frage oder Merkels Bundes-Notbremse als positiver Effekt?

Dieses neue Stimmungsbild könnte Söder und Laschet recht geben - auch wenn eigentlich die Pandemiebekämpfung das alles überschattende Thema ist. Und beide Länderchefs damit ganz andere Sorgen umtreiben sollten. Vielleicht wirkt sich aber auch die aktivere Rolle von Angela Merkel aus, die auf der Zielgeraden ihrer Kanzlerschaft ein Infektionsschutzgesetz samt bundesweiter Corona-Notbremse bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 durchs Parlament treiben will. Auch das wäre ein Interpretationsansatz.

In Bayern jedenfalls schwächelt die Regierungspartei. Söders CSU kam am Samstag laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Augsburger Allgemeinen auf 40 Prozent. Im März waren es noch 41,6 Prozent gewesen.

Umfrage in Bayern: Söder-Zustimmung in der Heimat wächst wieder leicht

Die persönlichen Werte des Ministerpräsidenten verbesserten sich dagegen wieder. Demnach sind 49,6 Prozent der Befragten eher oder sehr zufrieden mit seiner Arbeit, 38,5 Prozent dagegen eher oder sehr unzufrieden. Einen Monat zuvor war die Zahl der Unzufriedenen noch höher als die der Söder-Fans. Allerdings: Vor einem Jahr - also zu Beginn der Pandemie - kam der CSU-Chef auf vergleichbar astronomische Zustimmungswerte von 71 Prozent.

Gestärkt gehen aus der Umfrage in Bayern auch die Grünen - 22,5 statt 19,5 Prozent - und die AfD hervor, die sich um zwei Prozentpunkte auf 10,1 Prozent steigerte. Einen regelrechten Absturz erlebte die SPD: Von 10,2 Prozent im März blieben nur noch sieben Prozent übrig. CSU-Koalitionspartner Freie Wähler rutschte von 7,7 auf 7,4 Prozent. Die FDP würde es dank Zugewinnen von 0,2 Prozentpunkten mit 5,1 Prozent in den Landtag schaffen.

Gezählt wurden nach Angaben der Augsburger Allgemeinen Stimmen registrierter und verifizierter Internetnutzer, die Daten wie Alter, Wohnort und Geschlecht angegeben haben. Dabei würden die Stimmen nach einem wissenschaftlichen Verfahren gemäß der Zusammensetzung der deutschen Bevölkerung gewichtet werden. (mg, mit dpa)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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