+
Der türkische Ministerpräsidenten Davutoglu und Kanzlerin Merkel unterhalten sich in Brüssel. Foto: Olivier Hoslet/Archiv

Wenig Vertrauen in türkische Lösung der Flüchtlingskrise

Seit Wochen setzt die Kanzlerin in der Flüchtlingskrise fast alles auf die türkische Karte. Doch die Deutschen sind skeptisch. Und die Hilfsorganisation Pro Asyl erst recht.

Berlin (dpa) - Die große Mehrheit der Deutschen hat nach einer Umfrage wenig Vertrauen in die Hilfe der Türkei bei der Reduzierung der Flüchtlingszahlen. Das ergab eine Erhebung des YouGov-Instituts für die Deutsche Presse-Agentur vor dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag.

Demnach glauben nur 21 Prozent, dass es gelingt, mit Unterstützung der Türkei den Flüchtlingszuzug zu begrenzen. 71 Prozent halten diese Erwartung für unrealistisch.

Die von der Regierung in Ankara als Gegenleistung geforderten sechs Milliarden Euro erachten nur 20 Prozent der Befragten als gerechtfertigt; 67 Prozent meinen, diese Summe sei nicht angemessen. Auf dem Gipfel in Brüssel wird am Freitag erneut mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu über die Milliardenforderung verhandelt.

Große Skepsis gibt es auch beim Wunsch der Türkei, die Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union zu beschleunigen: Nur 4 Prozent sind der Meinung, dass die Türkei zügig in die EU aufgenommen werden sollte. 38 Prozent meinen, dass davor noch weitere Anforderungen erfüllt werden müssen. Praktisch jeder Zweite (49 Prozent) sagt, dass die Türkei gar nicht in die EU gehört.

Die von der Türkei als Gegenleistung für ihre Hilfe in der Flüchtlingskrise geforderten Reiseerleichterungen für türkische Bürger werden von einer großen Mehrheit abgelehnt. 70 Prozent der Befragten sind dagegen, dass Türken ohne Visum in die EU einreisen können. Nur 18 Prozent sind dafür.

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl hält das geplante Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei für rechtswidrig. "Schutzsuchende dürfen nicht sehenden Auges einem Staat ausgeliefert werden, der sie nicht schützen will", sagte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt in Berlin.

Die geplante Vereinbarung der EU mit der Regierung in Ankara sieht vor, dass Flüchtlinge, die auf den griechischen Inseln ankommen, in die Türkei zurückgeschickt werden. Die EU-Staats- und Regierungschefs wollen darüber ab Donnerstag erneut beraten. Burkhardt mahnte, Voraussetzung wäre, dass die Türkei ein "sicherer Drittstaat" sei. Das sei aber keineswegs der Fall.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Prozess gegen mutmaßlichen IS-Drahtzieher Abu Walaa beginnt
Celle (dpa) - Der Hassprediger Abu Walaa muss sich von heute an vor dem Oberlandesgericht in Celle verantworten. Der 33-jährige Iraker ist aus Sicht der …
Prozess gegen mutmaßlichen IS-Drahtzieher Abu Walaa beginnt
Nordkorea wertet Trump-Worte als "Kriegserklärung"
Zuletzt wurde der Krieg der Worte zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un immer schärfer. Inzwischen erkennt Nordkoreas …
Nordkorea wertet Trump-Worte als "Kriegserklärung"
Jamaika-Koalition steigt über Nacht in der Gunst der Deutschen
Hat die Jamaika-Koalition eine Chance? Die CSU beißt sich an der Obergrenze fest - und die Grünen wollen einen Partei-Linken verhandeln lassen. Alle News im Ticker.
Jamaika-Koalition steigt über Nacht in der Gunst der Deutschen
AfD-Plakat aufgehängt? Polizist droht Ärger
Hat ein Bundespolizist seine Kompetenzen überschritten? Im Internet kursieren Bilder, die den Mann in Arbeitskleidung beim Aufhängen eines Wahlplakats zeigen. Das könnte …
AfD-Plakat aufgehängt? Polizist droht Ärger

Kommentare