Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin und Bundesvorsitzende der Grünen, läuft einen Weg entlang
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Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin und Bundesvorsitzende der Grünen

Scholz überrascht erneut

Umfrage-Rutsch: Baerbock bitter abgestraft - und trotzdem noch vor Laschet

  • Cindy Boden
    vonCindy Boden
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In Umfragen liefern sich Union und Grüne weiterhin ein knappes Rennen. Für Kanzlerkandidaten Baerbock persönlich sieht das Politbarometer dieses Mal nicht ganz so gut aus.

Berlin - Der starke Aufwind scheint für Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock erst einmal vorbei. Nach ihrer Nominierung durfte sie steigende Umfragewerte genießen - und ihre Partei überholte die Union in manchen Momentaufnahmen sogar. Doch nun erlebt zumindest Baerbock persönlich einen Umfrage-Knick.

Bei der Bewertung der zehn wichtigsten Politiker („Was halte Sie von ...?“) im ZDF-„Politbarometer“ muss die Grüne sogar den bislang schlechtesten Wert überhaupt verkraften. Auf einer Bewertungsskala von +5 bis -5 erreicht sie nur noch einen Wert von 0,5 und Platz sechs. Bei der vorangegangenen Umfrage vom 7. Mai erzielte sie noch einen Wert von 1. Zum Vergleich: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bleibt weiterhin Bestplatzierte mit einem Durchschnittswert von 2,1. Der Eklat um nachgemeldete Nebeneinkünfte Baerbocks fiel zumindest teilweise in den Umfragezeitraum. Auch mit ihrem Vorstoß zu Kurzstreckenflügen hatte Baerbock nicht nur positive Schlagzeilen produziert.

Anders die Lage beim SPD-Kanzlerkandidaten. Anfang Mai war die Grünen-Politikerin mit SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz noch gleich auf. Nun verliert Scholz zwar auch an Sympathie- und Leistungspunkten in dieser Umfrage und kommt auf einen Durchschnittswert von 0,9 (Platz 5). Dennoch liegt er damit nun vor Baerbock und Unions-Kandidat Armin Laschet (Platz 8), der wiederum mit 0,2 sein Sympathieniveau hält.

ZDF-Politbarometer: Baerbock verliert Punkte - Scholz bei Gegenüberstellung der Kanzlerkandidaten stark

Auch bei der Frage nach dem Kanzler- oder Kanzlerinnenwunsch hat sich etwas getan: Im Vergleich zu vor zwei Wochen sind die Werte der drei Kandidaten in der paarweisen Gegenüberstellung etwas weiter auseinandergedriftet.

  • Laschet gegen Baerbock: 46 Prozent zu 42 Prozent (Anfang Mai: 46 Prozent zu 44 Prozent)
  • Scholz gegen Laschet: 45 Prozent zu 41 Prozent (Anfang Mai: 46 Prozent zu 43 Prozent)
  • Scholz gegen Baerbock: 48 Prozent zu 41 Prozent (Anfang Mai: 45 Prozent zu 43 Prozent)
  • Hinweis: Der fehlende Wert zu den vollen 100 Prozent entfällt jeweils auf die Angabe „weiß nicht“.

Scholz kommt bei der Meinungsumfrage der Forschungsgruppe Wahlen also gut weg. Allerdings lässt sich in der Sonntagsfrage bisher nicht ablesen, dass der Kandidat die Partei mitzieht - wie es etwa CSU-Chef Markus Söder im Ringen mit Laschet gerne betont.

Sonntagsfrage zur Bundestagswahl 2021: Grüne vor Union - Mehrheit will CDU/CSU-geführte Regierung

Bei der Frage, wen die Befragten wählen würden, wenn am Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, können die Grünen den Platz ganz oben auf dem Siegertreppchen halten. Sie verlieren zwar einen Prozentpunkt, kommen aber auf 25 Prozent der Stimmen. Knapp dahinter folgt die Union (ebenfalls -1 Prozentpunkt). Mit 24 Prozent ist dies jedoch ihr historisch schlechtester Wert im Politbarometer. Die SPD folgt unverändert mit 14 Prozent. Danach FDP (+1) und AfD (unverändert) mit jeweils elf Prozent, die Linke erreicht unverändert sieben Prozent. Mit diesen Werten wäre eine grün-schwarze Koalition sowie ein Bündnis aus Grünen, SPD und FDP (Ampel) möglich.

Immerhin einen tröstlichen Aspekt gibt es für Union dennoch: Die Teilnehmer der Umfrage bevorzugen eine unionsgeführte statt einer von den Grünen angeführten Bundesregierung - und zwar mit klarer Mehrheit. 56 Prozent (plus sechs Prozentpunkt) wollen CDU und CSU in der Führungsrolle sehen, aber nur 38 Prozent (minus einen Prozentpunkt) die Grünen.

Hintergründe zum ZDF-“Politbarometer“ vom 21. Mai

Die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen führt die Umfrage für das ZDF-“Politbarometer“ durch. Befragt wurden dafür vom 18. bis 20. Mai 2021 insgesamt 1229 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten per Telefon (Festnetz und Mobil). Die Befragung ist repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der Fehlerbereich liegt bei bis zu plus/minus drei Prozentpunkten.

Kantar-Umfrage zum Vergleich: Union vor den Grünen

Dass Umfragen eine Momentaufnahme sind, die sich je nach der befragten Gruppe etwas unterscheiden kann, zeigt sich im Vergleich zu einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar für das Nachrichtenmagazin Focus. Hier liegt die Union nämlich im Vergleich zur Vorwoche wieder vorn. Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, würden CDU und CSU 26 Prozent der Stimmen erhalten, dahinter folgen die Grünen mit 24 Prozent. Die SPD landet bei 14 Prozent, FDP und AfD bei jeweils 11 Prozent, Linke bei 8 Prozent. Für diese repräsentative Umfrage wurden im Zeitraum vom 11. bis 18. Mai 2021, insgesamt 1445 Menschen befragt. Und auch eine Insa-Erhebung sah die Union zuletzt wieder in Führung. (cibo)

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