CSU-Chef nimmt Laschets Platz ein?

Umfrage zeigt: Mit Söder als Kanzlerkandidat hätte die Union jetzt ganz andere Sorgen

  • Cindy Boden
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Laschet und Söder demonstrieren gerade viel Geschlossenheit nach außen. Eine Umfrage legt nun offen, wie die Union mit dem CSU-Chef als Kanzlerkandidat dastehen würde.

Berlin - Spekulationen, dass am Ende doch noch Markus Söder durch die Hintertür Kanzler werden könnte, gibt es bereits. Denn die Umfragen sprachen von Anfang an für ihn - und sie tun es immer noch. Wie das Meinungsforschungsinstitut Civey für Focus Online herausgefunden haben will, könnte die Union mit ihm als Kanzlerkandidaten derzeit gar mit 37 Prozent der Stimmen rechnen. Es ist ein rein theoretisches Szenario. Doch das wären knapp fünf Prozentpunkte mehr als 2017 und deutlich mehr als viele Umfragen derzeit für die Union sehen.

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Der Umfrage zufolge, die am 10. September veröffentlich wurde, würden CDU/CSU klar stärkste Kraft werden. Einen genauen Vergleichswert für die Union mit Armin Laschet liefert die Umfrage aber nicht. Denn Civey hatte gefragt: „Welche Partei würden Sie wählen, wenn Markus Söder Spitzenkandidat der CDU/CSU wäre?“ In anderen sogenannten Sonntagsfragen, bei denen Laschet eine Rolle spielt, liegt die Union derzeit zwischen 19 und 25 Prozent.

Markus Söder, CSU-Chef und Ministerpräsident von Bayern, beim CSU-Parteitag

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In der echten Konstellation mit Laschet als Unions-Kanzlerkandidat liegt aktuell die SPD in Umfragen vorn. Mit Söder im Rennen kommen die Sozialdemokraten jedoch laut Civey nur auf 19 Prozent. Die Grünen um Annalena Baerbock kämen ähnlich wie in jüngsten Befragungen auf 17 Prozent. Einen großen Absturz müsste offenbar die FDP verkraften, würde Söder antreten. Statt zweistelligen Werten fallen die Liberalen gar auf sechs Prozent ab. Die Linke müsste ähnlich um den Einzug in den Bundestag zittern. Sie käme auf fünf Prozent, würde Söder als Kanzlerkandidat zur Verfügung stehen. Die AfD läge wohl bei neun Prozent. In anderen Umfragen, in denen Laschet präsent ist, liegt die Partei bei elf oder zwölf Prozent.

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Hinweise zur Umfrage

Das Meinungsforschungsinstitut Civey hat laut Focus Online für die Umfrage im Zeitraum vom 9. bis 10. September die Antworten von 5004 Teilnehmern aus Deutschland berücksichtigt. Die Stimmen werden der Quelle zufolge nach einem wissenschaftlichen Verfahren gemäß der Zusammensetzung der deutschen Bevölkerung gewichtet. Umfragen sind Momentaufnahmen, die mit Schwankungen und Unsicherheiten behaftet sind. Der statistische Fehler liegt bei 2,5 Prozent. Grundsätzlich spiegeln Wahlumfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf den Wahlausgang.

Die Umfrage ist für diejenigen Wasser auf die Mühlen, die immer noch mit Laschet hadern. Im April 2021 hatten sich die beiden Parteivorsitzenden einen harten Kampf um die Position des Kanzlerkandidaten geleistet. Beim CSU-Parteitag wurde wegen der derzeit schlechten Umfragewerte daher mit Spannung erwartet, wie Laschet empfangen wird. Er zeigte sich in seiner Rede kämpferisch, teilte viel gegen die Konkurrenz aus und bekam dafür Standing Ovations und Jubelschreie aus Nürnberg zu hören.

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Ein Wechsel des Kanzlerkandidaten wird in der Union abgetan. Theoretisch wäre es jedoch möglich, das Grundgesetz kennt diese Position nicht. Am Ende entscheidet der Bundestag, wer mit einer Mehrheit zum neuen Kanzler gewählt wird. (cibo)

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Rubriklistenbild: © Daniel Karmann/dpa

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