„Macht jetzt keinen Sinn mehr“

Umfrage-Watschn für Laschet: Söder reagiert vielsagend – und unterstellt Grünen heiklen Kanzler-Plan

  • Florian Naumann
    VonFlorian Naumann
    schließen

„Ja, das sind schon deutliche Zahlen“: Markus Söder reagiert vielsagend auf aktuelle Umfragedaten. Er übt Kritik am Laschet-Wahlkampf – und stellt eine heikle Grünen-These auf.

Berlin/München - Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) geht angeschlagen in die heiße Phase des Wahlkampfs – das scheinen indirekt die jüngsten Sonntagsfragen zu bestätigen. Vor allem aber zeigen es immer wieder die Erhebungen zur Kanzlerpräferenz der Deutschen. Zuletzt ermittelte das Institut Insa für die Bild am Sonntag: 62,8 Prozent der Unions-Sympathisanten würden einen Wechsel bevorzugen. Von Laschet zu Markus Söder.

Laschet will nach herber interner Kritik nun in die Offensive gehen – doch wie reagiert der CSU-Chef? Söder hat am Sonntagabend in einem Talk des Boulevardblattes vielsagend auf entsprechende Fragen geantwortet. Einen Last-Minute-Tausch verwies der Bayer in der Interview-Schalte zwar glaubwürdig ins Reich der Fabeln. Doch ein paar kleinere Sticheleien waren Monate nach dem umkämpften Kanzlerkandidaten-Rennen im April auch zu vernehmen. Zugleich unterstellte Söder den Grünen einen eher unorthodoxen Koalitions-Plan.

Söder statt Laschet? CSU-Chef äußert sich zu Kandidaten-Wechselwunsch – und liefert Stichelei mit

„Ich habe ein Angebot gemacht zu einer Zeit, wo das Angebot Sinn gemacht hätte. Und zwar wirklich einen Wahlkampf auch zu prägen, wie ich es mir vorgestellt hätte“, sagte Söder im Talk „Bild live“. Zu verstehen ist diese Äußerung wohl auch vor dem Hintergrund der Rügen für einen „Schlafwagen-Wahlkampf“ Laschets – die mittlerweile nicht mehr nur von Söder selbst kommen.

Angesprochen auf die konkreten Umfragezahlen stockte Söder kurz. „Ja, das sind schon deutliche Zahlen, aber was soll ich da jetzt sagen – die Messe ist da eigentlich schon gelesen“, erklärte er. Die Stimmzettel seien gedruckt, die Listen für die Bundestagswahl festgelegt. „Da bewegt sich nichts mehr, das hat auch keinen Sinn mehr“, fügte Söder hinzu: „Vor einigen Monaten hätten sich da Wolfgang Schäuble und andere engagieren müssen.“

Zugleich räumte er ein, dass ihm die Zahlen oder auch Zuschauer-Fragen nach einem Kanzlerkandidaten-Wechsel schmeicheln. „Aus Sicht einiger Bürger verstehe ich die Frage“, erklärte er – zugleich freue ihn der Wunsch „auch sehr persönlich“. Dennoch werde er sich auch persönlich im Wahlkampf engagieren. Er rechne mit einem Kanzler Laschet, betonte Söder. Und ergänzte mit Blick auf die Kandidaten-Kür: „Ich persönlich bin damit fein.“

Grüne und Annalena Baerbock: Söder unterstellt neuen Kanzlerplan – „nur um die Union auszubremsen“

Der Konkurrenz in Gestalt der Grünen und ihrer Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock bemühte sich Söder einen verbalen Dämpfer mitzugeben: „Ich glaube, Annalena Baerbock ist etwas abgeschlagen und die Grünen sind wieder auf ein normales Maß gekommen in den Umfragen“, erklärte er in dem Talk. Die Wahrscheinlichkeit einer Regierung unter Grünen-Führung sei mittlerweile sehr gering.

Söder mutmaßte gar, die Grünen könnten Baerbocks Kanzleramts-Pläne bewusst opfern, um einen Machtwechsel im Bund herbeizuführen. Profitieren könnte nach seiner Einschätzung Umfrage-Liebling Olaf Scholz (SPD). Er vermute, dass „die Grünen bereit sind, nur um die Union auszubremsen, letztlich der SPD den Kanzler zu überlassen“, warnte Söder. Eine Ampel-Koalition oder auch ein rot-rot-grünes Bündnis seien nach aktuellem Stand nicht ausgeschlossen. Angesichts dessen hatte der CSU-Chef auch eine letzte indirekte Rüge für Laschet und die CDU parat: „Man kann nicht sagen, dass alles perfekt läuft.“

Ein prominenter Politiker der Ost-CDU hatte zuletzt die Umfrage-Kluft zwischen Söder und Laschet gar als „das größte Problem“ im Wahlkampf bezeichnet. (fn)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

Auch interessant

Kommentare