Armin Laschet sitzt in einem Saal auf einem Stuhl und schaut zur Seite
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Es wird einsam um den CDU-Chef: Armin Laschet steht vor seinem Ende an der politischen Spitze.

Union bleibt im Tiefflug

Umfrage: Deutliche Mehrheit will Laschets sofortigen Rücktritt – und stützt Söders Vorgehen

  • Marcus Giebel
    VonMarcus Giebel
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Armin Laschet bekommt es im Moment von allen Seiten ab. Eine neue Umfrage dürfte den CDU-Chef in vielerlei Hinsicht schmerzen. Dagegen kann sich Markus Söder bestätigt fühlen.

München - Für die Union und speziell ihren Kanzlerkandidaten Armin Laschet sind Blicke auf neue Umfragen auch zwei Wochen nach der Bundestagswahl alles andere als vergnügungssteuerpflichtig. Immer mehr verfestigt sich der Eindruck, die bisherige Regierungspartei könne froh sein, dass die Kreuze bereits gemacht wurden.

Passiert ist seither beim größten Wahlverlierer nicht viel. Nach wie vor hält sich zumindest die CDU die Option offen, eine Jamaika-Koalition anzuführen. Laschet ist zwar bereit, den Parteivorsitz abzugeben. Aber noch scheint nicht annähernd klar, an wen, und wie die Nachfolge überhaupt geregelt werden soll. Mit Annegret Kramp-Karrenbauer und Peter Altmaier scheiden zwei Kabinettsmitglieder freiwillig aus dem Bundestag aus. Diese Entscheidung umweht zumindest der Hauch eines Neuanfangs.

Umfrage-Knall für Laschet: Union näher an Grünen als an SPD

Doch im neuesten RTL/ntv-Trendbarometer schwächelt die Union weiter, zumal der Großteil der Befragten eine andere Personalie als deutlich dringender ansieht. Nur 20 Prozent - also jeder Fünfte - der 2503 Teilnehmer würden CDU oder CSU ihre Stimme geben. Die SPD käme mit 26 Prozent sogar noch einen Tick besser weg als bei der Wahl.

Drittstärkste Kraft wären die Grünen mit 16 Prozent, dahinter lauert der wahrscheinliche Koalitionspartner FDP mit 14 Prozent. Auf die AfD, bei der Bundessprecher Jörg Meuthen nicht mehr kandidieren will, entfallen neun Prozent der Stimmen - sie schnitt wie die Union bei der Wahl besser ab. Fünf Prozent würden ihr Kreuz bei den Linken platzieren. Jeder Zehnte würde sich für eine andere Partei entscheiden.

Umfrage-Knall für Laschet: Mehrheit sieht Verantwortung für Wahlergebnis bei CDU-Chef

Aber zurück zum neuen Prügelknaben, der Union. Hier ist der Verlierer unter den Verlierern weiter der Frontmann. 51 Prozent der Wahlberechtigten machen Laschet für das schlechte Erscheinungsbild und das geringe Vertrauen in der Bevölkerung verantwortlich. Unter CDU-Wählern liegt der Anteil sogar bei 57 Prozent, unter CSU-Anhängern stimmen vernichtende 83 Prozent zu.

Immerhin 48 Prozent aller Wahlberechtigten vermuten den Hauptgrund für das schwache Abschneiden in der allgemeinen Unzufriedenheit mit der Union und deren langer Regierungsdauer. Dieser Meinung sind 26 Prozent der CDU- und 23 Prozent der CSU-Wähler. Einen generellen Wunsch nach einem Politikwechsel vermuten 40 Prozent der Wahlberechtigten, unter CDU- und CSU-Anhängern liegt der Anteil bei jeweils 23 Prozent.

Das Programm der Union halten nur 19 Prozent für verantwortlich, bei den Wählern beider Parteien sind es sogar nur jeweils sieben Prozent. 14 Prozent laden die Schuld bei Markus Söder ab, Bayerns Ministerpräsident nehmen jeder zehnte CDU-Anhänger sowie zwei Prozent der CSU-Freunde ins Visier.

Video: Union will auf Sonderparteitag bis Anfang 2022 Laschet-Nachfolge regeln

Umfrage-Knall für Laschet: Zwei von drei Wahlberechtigten wollen sofortigen Rücktritt

Laschet muss auch bei anderen Fragen weiter einstecken. So befürworten 66 Prozent seinen sofortigen Rücktritt vom CDU-Vorsitz. Dagegen halten es nur 24 Prozent für richtig, dass er zunächst im Amt bleibt. Hier ist der Anteil mit 40 Prozent unter den Wählern seiner Partei deutlich größer, von den CSU-Anhängern sehen das nur 23 Prozent so.

Bleibt die Problematik der Nachfolge. Wirkliche Begeisterung ruft keiner der gehandelten Kandidaten hervor. Norbert Röttgen erhält immerhin 27 Prozent der Stimmen, Friedrich Merz landet mit 19 Prozent auf Rang zwei vor Jens Spahn mit zehn Prozent. Bei den übrigen 44 Prozent bekommt keiner aus dem Trio einen hochgereckten Daumen.

Umfrage-Knall für Laschet: Nicht einmal jeder Zehnte würde ihn direkt wählen

Die Kanzlerpräferenz verschiebt sich derweil immer deutlicher zugunsten von Olaf Scholz, den aktuell 52 Prozent der Befragten direkt wählen würden. Laschet erhielte nur acht Prozent der Stimmen. Würde die Union doch noch auf Söder switchen, wäre es deutlich enger, hier hätte der aktuelle Vize-Kanzler mit 37 zu 33 Prozent die Nase vorn.

Kleiner Trost für den CSU-Chef: 59 Prozent der Wahlberechtigten gehen davon aus, dass die Union mit ihm als Kanzlerkandidaten besser abgeschnitten hätte. Hier liegt der Anteil unter den CDU-Anhängern bei 79 Prozent, unter den CSU-Wählern sind sogar neun von zehn dieser Meinung.

Auch Söders Kritik an Laschets Wahlkampf findet überwiegend Zustimmung. 56 Prozent halten sie für berechtigt, unter CDU-Wählern sind es 63 Prozent, unter CSU-Anhängern 81 Prozent.

Strahlemann: Armin Laschet (r.) hat sich über Aufmunterungen von Markus Söder stets gefreut - nur waren die eher eine Seltenheit.

Umfrage-Knall für Laschet: Mehrheit will Ampel-Koalition - nur jeder Fünfte befürwortet Jamaika-Bündnis

Dann wäre da noch die Frage nach dem beliebtesten Regierungsbündnis. 55 Prozent hoffen auf eine Ampel-Koalition, zugunsten deren Realisierung SPD, Grüne und FDP aktuell sondieren. Jamaika bekommt 20 Prozent Zustimmung, die Große Koalition ist für elf Prozent die beste Wahl.

Unter den Grünen-Anhängern sind 91 Prozent für Rot-Grün-Gelb und nur vier Prozent für Schwarz-Grün-Gelb. Selbst unter FDP-Wählern ist die Ampel mit 37 Prozent fast so beliebt wie Jamaika mit 40 Prozent. Heißt: Die Liberalen könnten ihren Anhängern das Mitte-Links-Bündnis deutlich besser verkaufen als die Ökopartei ihren Wählern das Mitte-Rechts-Bündnis.

Umfrage-Knall für Laschet: Mit Söder als Kanzlerkandidat wären Werte für Koalitionen mit Union besser

Auch hier wurde die Spielerei bemüht, dass die Union doch noch Söder statt Laschet als Speerspitze aufstellen könnte. In diesem Fall läge die Ampel nur noch mit 37 zu 28 Prozent Zustimmung vor Jamaika, die GroKo wäre dann für 13 Prozent die Koalition der Zukunft.

Ohnehin würden sich nur sieben Prozent der Wahlberechtigten Laschet als Kanzler einer Jamaika-Koalition wünschen, 39 Prozent wollen in diesem Fall Söder auf dem Thron in Berlin sehen. Unter den CDU-Wählern wären in diesem Fall zwölf Prozent für den Aachener, 59 Prozent für den Nürnberger. Noch deutlicher fällt die Tendenz freilich bei den CSU-Anhängern aus: Nur sechs Prozent würden Laschet als Regierungschef befürworten, aber 75 Prozent Söder. (mg)

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