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Gemeinsam im Feuer: Gegen Christine und Hubert Haderthauer wird ermittelt.

Fall "Haderthauer"

Umstrittene Botschaften eines Mörders

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München - Das Wort der Ministerin steht gegen das Wort eines Mörders. CSU-Chef Horst Seehofer neigt da doch dazu, seiner Staatskanzleichefin Christine Haderthauer zu glauben. Mit „Sorgfalt“ will er alle Vorwürfe geprüft wissen.

Er könne sich nur wiederholen, sagte Seehofer betont gelassen der „Welt am Sonntag“: „Klärung, Bewertung und Entscheidung werden in einem Verfahren durchgeführt, das rechtstaatlichen Maßstäben genügt.“ Der Zeitplan werde „von Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit bestimmt“. Mit anderen Worten: So lange Ministerin Hader-thauer in der Modellauto-Affäre nicht der Lüge überführt ist, so lange sich die Betrugsvorwürfe der Justiz gegen sie nicht erhärten, darf sie Leiterin der Staatskanzlei bleiben.

Das klingt zunächst geduldig. Seehofer, der zurzeit im Altmühltal urlaubt, hatte zuvor aber schon eingeschränkt, wenn substanziell neue Vorwürfe auftauchten, müsse man das neu bewerten. Das könne auch innerhalb der nächsten Wochen schon sein, heißt es in der CSU. Die Anspannung sei hoch.

Haderthauers Gegner versuchen derzeit, mögliochst täglich neue Vorwürfe ans Licht zu bringen. Ans Licht kommt viel, nicht alles aber ist neu. Die Vergünstigungen eines psychisch kranken Straftäters, der für Haderthauers frühere Firma enorm fingerfertig hochwertige Modellautos baute, waren teils schon 2013 Thema im Landtag. Dahinter steckt die Frage, warum der Dreifachmörder Roland S. womöglich eine Sonderbehandlung im Hochsicherheitstrakt bekam. „Wir haben Messen besucht, machten Ausflüge nach Oberbayern oder trafen uns mit den Geschäftspartnern zum Essen“, erzählt er.

Auch ist von Interesse, wie eng sein Kontakt zu Hader-thauer war. Sie erklärte explizit auf ihrer Internetseite, nie mit ihm essen gewesen zu sein – er schildert gegenüber Medien aber bereitwillig Details der angeblichen Treffen, sogar eines gemeinsamen eintägigen Ausflugs ins Elsass, wo Haderthauer zugegen gewesen sei. Einer von beiden lügt definitiv. Akten helfen da nicht weiter: Unterlagen des Bezirkskrankenhauses Ansbach und der Staatsanwaltschaft Nürnberg belegen mindestens ein halbes Dutzend Ausgänge von Roland S. ab dem Jahr 1994, aber offenbar keine Gesprächspartner, die Roland S. traf.

Als Kronzeuge für eine Ministerentlassung oder einen Rücktritt mag Seehofer den Dreifachmörder nicht gelten lassen. Allerdings sind auch jenseits von Roland S. einige Fragen um die Ministerin offen. In Zusammenhang mit den Modellauto-Geschäften laufen gegen Haderthauer und ihren Mann Hubert, einen Landgerichtsarzt, staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen Betrugsverdachts, gegen Hubert Haderthauer auch wegen möglicher Steuerdelikte. Je tiefer die Ministerin (vor ihrer Karriere in der Staatsregierung) in dem Unternehmen aktiv mitmischte, desto größer ist das Risiko, dass die Betrugsvorwürfe auch an ihr haften bleiben. Auch in einem jetzt aufgetauchten Gutachten, das der Bezirk Mittelfranken 1999 in Auftrag gab und das der tz vorliegt, wird sie als Geschäftsführerin bezeichnet.

Hubert Haderthauer droht zudem neues Ungemach. Das Justizministerium bestätigte einen Bericht des „Spiegel“, dass der Freistaat ihn wegen strittiger Laborleistungen verklagen will, die der Landgerichtsarzt abgerechnet hatte. „Grund sind möglicherweise zu Unrecht kassierte Honorare; die zugrundeliegenden Rechtsfragen können abschließend nur durch unabhängige Gerichte geklärt werden“, betonte ein Sprecher. Laut „Spiegel“ geht es bei den Honoraren allein für den Zeitraum 2005 bis 2009 um 118 000 Euro. Eine Stellungnahme wollte Haderthauer demnach nicht abgeben.

Helmut Reister und Christian Deutschländer

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