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Karl Marx Statue enthüllt.

4000 wollten das sehen

Umstrittene Karl-Marx-Statue in Trier enthüllt

Begleitet von mehreren Demonstrationen ist 200 Jahre nach der Geburt von Karl Marx in seiner Heimatstadt Trier eine Statue des weltberühmten Philosophen enthüllt worden, dessen Erbe bis heute für Kontroversen sorgt.

Im Beisein der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) wurde am Samstag der rote Umhang von der mehr als fünf Meter hohen Bronzestatue gezogen. Die Aufstellung der Statue, die ein Geschenk Chinas ist, war bereits im Vorfeld umstritten.

An der Zeremonie auf dem Trierer Simeonstiftplatz nahmen auch Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) sowie Vertreter Chinas teil, darunter der chinesische Botschafter in Berlin, Shi Mingde, der Vizeminister des Informationsbüros des Staatsrates der Volksrepublik, Guo Weimin, sowie der Künstler Wu Weishan, dessen 5,50 Meter hohe und 2,3 Tonnen schwere Marx-Statue bereits in den Tagen vor der Jubiläumsfeier für Diskussionen gesorgt hatte.

So hatte die Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland vor dem Festakts unter Verweis auf die Menschenrechtslage in China gefordert, die Statue vorerst nicht einzuweihen. Dreyer hatte die Entscheidung hingegen verteidigt und betont, dass es wichtig sei, Brücken zu bauen und das Verhältnis zu China zu intensivieren. Über die Aufstellung hatte es zuvor auch im Stadtrat intensive Diskussionen gegeben.

China steuerte Geld bei

Nach Angaben der Stadt Trier trägt die Volksrepublik rund 56.000 Euro der insgesamt 92.500 Euro teuren Statue. Trier kommt für 36.500 Euro auf. In China hat der Marxismus trotz Jahrzehnten des marktgesteuerten Wachstums bis heute eine große Bedeutung.

Begleitet wurden die Feierlichkeiten in Trier von mehreren Demonstrationen. Zunächst startete am Samstagvormittag nach Polizeiangaben eine Kundgebung des "Karl-Marx-Bündnisses" in Richtung Simeonstiftplatz, an der sich rund 500 Menschen beteiligten. An einer Kundgebung der AfD, beteiligten sich der Polizei zufolge rund 70 Menschen. Diese Demonstration sei wiederum von einer Veranstaltung des Multikulturellen Zentrums Trier mit rund 150 Demonstranten flankiert worden. Dabei habe es "gegenseitige verbale Anwürfe" gegeben, jedoch keine Zusammenstöße.

Insgesamt zeigte sich die Polizei "sehr zufrieden" mit dem Verlauf des Einsatzes. Die Enthüllung der Bronzestatue auf dem Trierer Simeonstiftplatz wollten demnach 4000 Menschen sehen.

Marx starb 1883

Die Universitätsstadt begeht das Marx-Jubiläum mit einem umfassenden Programm - darunter mehrere Ausstellungen zum Leben und Werk des Philosophen. Marx wurde am 5. Mai 1818 in Trier geboren, er starb am 14. März 1883 in London.

Sein vielschichtiges Erbe spielte auch zum Jubiläumstag erneut eine Rolle. Einzelne Aspekte im Denken des Philosophen seien "erstaunlich zeitgemäß", sagte Grünen-Chef Robert Habeck der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" vom Samstag. Allerdings habe sich die Annahme, dass der Kapitalismus zwangsläufig zur Revolution führe und diese dann zur Befreiung der Menschen aus Knechtschaft und Entfremdung, "offenkundig als falsch erwiesen".

"Karl Marx ist und bleibt ambivalent", sagte FDP-Parlamentsgeschäftsführer Marco Buschmann dem Nachrichtenportal "t-online.de". "Auf der einen Seite steht der scharfsinnige Denker. Auf der anderen Seite steht der Schöpfer eines Gedankengebildes, das der Rechtfertigung von Tyrannei und Massenmord gedient hat."

Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht erklärte hingegen, die Thesen von Marx seien nicht verantwortlich für Verbrechen, die im Namen des Kommunismus begangen wurden. "Marx' zentrale Kritik am Kapitalismus war, dass er eben keine Leistungsgesellschaft ist, sondern auf Ausbeutung beruht, weil das Eigentum an großem Kapital einer reichen Minderheit ermöglicht, von der Arbeit anderer zu leben", erklärte Wagenknecht.

AFP

Zum Thema: Revolutionär: So macht ein Ex-Lehrer Karriere als Marxs-Double

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