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Im Sonnenschein gehen Fußgänger durch die City-West in Berlin. Foto: Rainer Jensen/Illustration

Fußverkehrskongress

Gehwege statt Parkplätze - Deutsche sollen mehr laufen

Hohe Bordsteine, dunkle Unterführungen, zugeparkte Gehwege: Fußgänger haben es oft nicht leicht. Immer weniger Wege werden deshalb zu Fuß zurückgelegt. Doch eine Behörde hat nun "revolutionäre Vorstellungen".

Berlin (dpa) - Mehr Fußgänger, weniger Autos: So will das Umweltbundesamt (UBA) Deutschlands Städte lebenswerter machen und das Klima schonen. Die Zahl der Wege, die jeder Bürger zu Fuß zurücklegt, soll bis 2030 um die Hälfte steigen. Das sieht die neue Fußverkehrsstrategie der Behörde vor.

Langfristig sollen danach zwei von drei Parkplätzen in den Großstädten wegfallen. Außerdem soll innerorts flächendeckend Tempo 30 gelten, Gehwege sollen verbreitert und Falschparker schärfer verfolgt werden.

UBA-Präsidentin Maria Krautzberger sprach am Donnerstag in Berlin von "revolutionären Vorstellungen". Nach der 55-seitigen Untersuchung geht es um den Rückbau der "autogerechten Stadt". Vorrang soll es nun geben für Fußgänger, Radfahrer sowie Busse und Bahnen. "Es muss gelingen, den öffentlichen Raum endlich wieder zurückzuerobern."

Wer zu Fuß gehe, tue Gutes für seine Gesundheit, spare Geld und schone die Umwelt, warb das Amt. Es will Wartezeiten am Ampeln verkürzen, fordert 2,50 Meter breite Gehwege als Standard und mehr Zebrastreifen. In den Verwaltungen soll es feste Zuständigkeiten für den Fußverkehr geben. "Fußläufige Erreichbarkeit" soll als Entwurfs- oder Erschließungskriterium in Bau-Regelwerken verankert werden.

Denn nach dem UBA-Papier liegt für Fußgänger Vieles im Argen: Sie müssten vielfach Umwege, Wartezeiten, Lärm und Abgase in Kauf nehmen. Hohe Bordsteine, Treppen, dunkle Unterführungen, Stolperfallen und parkende Autos auf Gehwegen - zu Fuß zu gehen, sei in vielen Städten zeitraubend und umständlich. Fußwegeanteile gingen deshalb seit vielen Jahren stetig zurück, sagte Krautzberger.

Der Städtebau der der vergangenen Jahrzehnte habe den Fußverkehr an den Rand gedrängt, hieß es. 2015 wurden nach Angaben des Deutschen Verkehrssicherheitsrats 537 Fußgänger im Verkehr getötet, was gut 15 Prozent aller Verkehrstoten entspricht.

Lange habe das Auto Vorrang genossen, kritisierte Ratspräsident Walter Eichendorf. Auch wenn neue Radwege gezogen wurden, ging das meist zulasten der Fußgänger, nicht des Autoverkehrs. Um Erfolg zu haben, müsse die bundesweite Strategie in den Ländern umgesetzt werden und vor Ort gelebt werden. "Es hängt am Ende an der Verwaltung und der Politik in den Gemeinden."

Das Amt will den Trend für Fußgänger drehen: Städter legen heute 27 Prozent ihrer Wege zu Fuß zurück, dieser Anteil soll bis 2030 auf 41 Prozent steigen. Auf dem Land streben die Autoren eine Steigerung von 23 auf 35 Prozent an. Nach Studien sei jede zehnte Autofahrt kürzer als ein Kilometer, und auf Strecken von einigen Hundert Metern sei man zu Fuß von Tür zu Tür häufig am schnellsten.

"Fußverkehr und Radverkehr brauchen beide mehr Platz - unabhängig voneinander und zu Lasten des Autos", hieß es dazu am Donnerstag von Seiten des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs. Nach dem Vorbild des Radverkehrs will das UBA die Probleme von Fußgängern zunächst ins Bewusstsein rücken, bislang sei das "ein blinder Fleck" der Verkehrspolitik.

Die Studie "Geht doch! Grundzüge einer bundesweiten Fußverkehrsstrategie", die auf dem Fußverkehrskongress in Berlin vorgestellt wird, hat das Deutsche Institut für Urbanistik im Auftrag des UBA verfasst.

Kongressprogramm

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