+
Umweltministerin Barbara Hendricks: "Wir exportieren viel Kohlestrom, und das verhagelt uns die Klimabilanz"

Noch-Umweltministerin ganz offen

Hendricks schockt mit schonungloser Bilanz zur deutschen Klimapolitik

Vor Beginn der UN-Klimakonferenz hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) eine verheerende Bilanz der deutschen Anstrengungen im Kampf gegen die Erderwärmung gezogen. Kritik gab es auch in Richtung Jamaika.

Bonn - "Wenn man es genau nimmt, hat in den letzten zwanzig Jahren in keinem einzigen Jahr die Regierung - egal welcher Couleur - genug getan, um dahin zu kommen, wo wir hinkommen wollen", sagte Hendricks am Montag dem Portal t-online.de.

Hendricks rief Union, FDP und Grüne auf, sich bei den laufenden Sondierungen über ein Jamaika-Bündnis zu den geltenden deutschen Klimazielen zu bekennen: "Natürlich sage ich in Richtung der Koalitionsverhandler, dass man die Ziele nicht einfach negieren kann, wie die FDP das offenbar will. Das geht nicht."

"Wir exportieren viel Kohlestrom, und das verhagelt uns die Klimabilanz"

Hendricks rief in diesem Zusammenhang auch zur Abschaltung weiterer Kohlekraftwerke auf. "Wir exportieren viel Kohlestrom, und das verhagelt uns die Klimabilanz", sagte die Ministerin. "Im Umfang dieses Exports müsste es möglich sein, tatsächlich Kohlekraftwerke stillzulegen." Auch dieser Punkt ist bei den Jamaika-Verhandlungen strittig.

Die FDP stellt insbesondere die deutsche Zusage in Frage, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent verglichen mit dem Stand von 1990 zu verringern. Deutschland droht dieses Ziel weit zu verfehlen, wenn nicht kurzfristig drastische, zusätzliche Maßnahmen eingeleitet werden. Hendricks hatte dazu während ihrer Amtszeit wiederholt Vorstöße unternommen, war aber jeweils auch aus den eigenen Reihen ausgebremst worden, unter anderem von dem früheren Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD).

In Bonn beginntam Vormittag die 23. UN-Klimakonferenz. Bei den bis zum 17. November angesetzten Beratungen verhandeln die Delegationen aus fast 200 Staaten über die konkrete Umsetzung des Pariser Klimaabkommens. Gastgeberland sind die Fidschi-Inseln. Da die Pazifikinseln die bis zu 25.000 Konferenzteilnehmer aber nicht beherbergen können, findet das Treffen in Bonn statt, dem Sitz des UN-Klimasekretariats.

AFP

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Chef des Richterbundes zu Fall Sami A.: Innenminister hat Unabhängigkeit der Justiz angegriffen
Der Fall Sami A. sorgt für Empörung. Im Blickpunkt: Horst Seehofer. FDP-Vize Kubicki rügt „unglaubliches Versagen“. Die zuständige Richterin sieht „die Grenzen des …
Chef des Richterbundes zu Fall Sami A.: Innenminister hat Unabhängigkeit der Justiz angegriffen
Aktuelle Umfrage zur Landtagswahl 2018 in Bayern: Debakel für Söder - brisantes Duell im Schatten der CSU
Am 14. Oktober 2018 findet die bayerische Landtagswahl statt. Verteidigt die CSU die absolute Mehrheit? Die aktuellen Umfrageergebnisse und eine darauf basierende …
Aktuelle Umfrage zur Landtagswahl 2018 in Bayern: Debakel für Söder - brisantes Duell im Schatten der CSU
Türkei-Krise spitzt sich zu - Zeitung warnt vor schweren Konsequenzen auch für Deutschland
Die Ankündigung höherer US-Strafzölle trifft die Türkei schwer. Erdogan forderte Bürger auf, bestimmte US-Produkte fortan zu boykottieren. Wir berichten im News-Ticker.
Türkei-Krise spitzt sich zu - Zeitung warnt vor schweren Konsequenzen auch für Deutschland
Hier geht es zur Abstimmung über die Sommerzeit: Umfrage zur Zeitumstellung endet heute
Die Zeitumstellung ist ein ständiger Streitpunkt. Sollen also die Sommerzeit abgeschafft werden? Eine Abstimmung der EU will genau das von den Bürgern wissen. Bei uns …
Hier geht es zur Abstimmung über die Sommerzeit: Umfrage zur Zeitumstellung endet heute

Kommentare