Kommentar von Til Huber

Umzug des Gesundheitsministeriums: Aktionismus

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Das Gesundheitsministerium zieht nach Nürnberg. Damit hat Ministerpräsident Horst Seehofer einen seiner geliebten Knalleffekte - mehr bringt das Ganze nicht. Ein Kommentar. 

Bonn oder Berlin – oder doch Bonn und Berlin? Seit Jahren streiten Interessengruppen und Parteien über den endgültigen, teilweisen oder endgültig-teilweisen Umzug einiger Bundesministerien von der früheren in die aktuelle Hauptstadt. Über solche Zustände kann Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer nur müde schmunzeln. Im Freistaat wird ein Ministerium hin- und hergeschoben, wie es dem Regierungschef beliebt. Heute in München, morgen in Nürnberg, übermorgen vielleicht in Hof – oder gleich wieder ganz abgeschafft?

Mit der geplanten Verlagerung des Gesundheitsressorts nach Nürnberg ist Horst Seehofer wieder einmal einer seiner geliebten Knalleffekte gelungen. Die Stadt hat Arbeitsplätze verloren, der Stadt muss geholfen werden – meint der Ministerpräsident. Dass die Behörde erst vor zwei Jahren neue Räume in München bezogen hat, spielt keine Rolle. Das gibt dem Plan eine aktionistische Note und trägt nicht gerade zum Standing des eben erst gegründeten Hauses bei. Um es klar zu sagen: Es ist gut, wenn der Staat sich bemüht, strukturschwachen Regionen zu helfen. Dort Fachhochschulen zu gründen und so den Fortschritt zu unterstützen, macht Sinn. Ob aber Ministerien mit samt ihren Mitarbeitern zur Manövriermasse bei der Befriedung der Regionen dienen sollten, könnte man zumindest vorher zur Diskussion stellen.

Rubriklistenbild: © Haag Klaus

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