UN: Kreml lässt Ukrainer nach Russland deportieren

Vertreter der Vereinten Nationen haben auf russische Deportationslager im ukrainischen Kriegsgebiet aufmerksam gemacht und deutlich kritisiert.
New York - Das russische Militär soll Menschen aus der Ukraine dorthin bringen, um sie dann gegen ihren Willen nach Russland oder in russisch besetztes Gebiet weiterzutransportieren. «Die anhaltenden Beschuldigungen über gewalttätige Vertreibung, Deportation und sogenannte „Filter-Camps“ Russlands und angeschlossener lokaler Kräfte sind extrem beunruhigend», sagte die UN-Beauftragte für politische Angelegenheiten, Rosemary DiCarlo, am Mittwoch bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York.
Es gebe glaubwürdige Berichte, wonach ukrainische Kinder von ihren Eltern getrennt und nach Russland deportiert würden, damit sie dort schnell eingebürgert und zur Adoption freigegeben werden können, sagte Ilze Brands Kehris, Chefin des UN-Menschenrechtsbüros in New York.
US-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield sagte, dass es Schätzungen einiger Quellen gebe, wonach Russland zwischen 900 000 und 1,6 Millionen Menschen aus der Ukraine befragt, festgenommen und aus ihren Heimatorten nach Russland oder in das russisch besetzte Gebiet in der Ukraine deportiert haben soll. Brands Kehris hatte zuvor von einer «wesentlichen Zahl» an Fällen gesprochen. Thomas-Greenfield sieht im russischen Handeln Vorbereitungen darauf, die Ukraine annektieren zu wollen. Russland hat bisher die Beschuldigungen zu sogenannten «Filtercamps» abgestritten.
Ukrainischer Atomkonzern beklagt Verschleppung seiner Mitarbeiter
Der ukrainische Atomkonzern Enerhoatom wirft den russischen Truppen im besetzten AKW Saporischschja die Verschleppung und Misshandlung von Kraftwerksmitarbeitern vor. «Etwa 200 Leute sind bereits inhaftiert worden. Von einigen wissen wir nicht, was mit ihnen passiert ist. Es gibt keinen Hinweis, wo sie sind», sagte der Präsident von Enerhoatom, Petro Kotin, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag). Er sprach auch davon, dass ukrainische Mitarbeiter getötet oder gefoltert worden seien.
«Es ist sehr schwierig für unser Personal, da zu arbeiten», sagte Kotin. Die verbliebenen AKW-Beschäftigten wüssten, dass es wichtig sei, für nukleare Sicherheit und Brandschutz zu sorgen. Nach Angaben Kotins halten noch etwa tausend ukrainische Mitarbeiter die Anlage in Betrieb. In Friedenszeiten arbeiteten auf der Anlage 11 000 Menschen.
Ohne so weit zu gehen wie Kotin in seinen Vorwürfen, hat auch die Internationale Atomenergiebehörde IAEA von einer unhaltbaren Lage der ukrainischen AKW-Mitabeiter berichtet. Es gebe zu wenig Personal, hieß es nach einer Inspektionsreise. Die verbliebenen Experten seien so hohem Stress ausgesetzt, dass Bedienungsfehler passieren könnten. Sie hätten auch nicht Zugang zu allen Teilen der Anlage. Die Ukrainer arbeiten dem Bericht zufolge seit März unter der Kontrolle russischer Soldaten, auch seien Vertreter des Konzerns Rosatom anwesend. (dpa)