Dramatische Entwicklung im Südsudan 

UN warnt vor Katastrophe: Hunderttausende drohen zu verhungern

Juba - Wenn die Weltgemeinschaft nicht schnell handelt, wird in Afrika schon bald eine Hunger-Katastrophe unzählige Menschen das Leben kosten. Rund eine Million Menschen sind allein im Südsudan vom Hungertod bedroht.

Rund die Hälfte der Bevölkerung im Südsudan braucht Unterstützung. Helfer warnen, dass sich die Lage ohne rasches Handeln weiter zuspitzen wird.

Die Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen warnen vor einer Ausweitung der Hungersnot im Südsudan. Ohne einen raschen und massiven Hilfseinsatz der internationalen Gemeinschaft drohe sich die Hungersnot „auf weite Teile des Landes auszuweiten“, erklärte der Landesdirektor der Welthungerhilfe in Juba, Stefano Temporin. Der UN-Sondergesandte für den Südsudan, David Shearer, sagte, in der nordwestlichen Region Northern Bahr el Ghazal zum Beispiel sei die Lage bereits kritisch. „Ich wäre nicht überrascht, wenn für das Gebiet auch eine Hungersnot ausgerufen würde.“

Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur forderte Shearer: „Wir müssen jetzt schnell handeln, um zu verhindern, dass die Lage noch viel schlimmer wird.“ Im Südsudan werden dieses Jahr UN-Angaben zufolge bis zu 5,5 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sein, das ist etwa die Hälfte der Bevölkerung. In vielen Landesteilen essen die Menschen Helfern zufolge aus Verzweiflung bereits Seerosen, Wurzeln und sogar Blätter. Besonders kritisch ist die Zeit bis Juli-August, wenn die nächste Ernte verfügbar sein wird.

100 000 Menschen sind unmittelbar vom Hungertod bedroht

Die UN haben Ende Februar für die Regionen Leer und Mayendit im Bundesstaat Unity eine Hungersnot ausgerufen - die erste weltweit seit 2011. Demnach sind 100 000 Menschen unmittelbar vom Hungertod bedroht, eine Million weitere stehen kurz davor. Zur Bekämpfung der Hungerkrise werden für dieses Jahr 1,6 Milliarden US-Dollar (1,5 Milliarden Euro) benötigt, bislang ist jedoch erst knapp ein Viertel zugesagt, 374 Millionen Dollar.

Die drastische Hungerkrise im Südsudan wurde von dem Bürgerkrieg in dem ostafrikanischen Land ausgelöst. Wegen der Kämpfe sind Millionen auf der Flucht, die Landwirtschaft ist vielerorts zum Erliegen gekommen. Zudem haben Helfer zum Beispiel zu den Hungersnot-Gebieten in Unity wegen anhaltender Kämpfe kaum Zugang.

„Es ist entscheidend, dass wir so viel Nahrungsmittel wie möglich zu den Menschen bringen“, forderte Shearer. Langfristig brauche es aber eine politische Lösung des Problems. „Ein Waffenstillstand würde uns eine Pause geben, um Verhandlungen aufzunehmen und den Friedensprozess wieder anzuleiern“, sagte Shearer. Dann könnten Helfer auch Zugang zu allen Gebieten bekommen.

Der Südsudan erlangte 2011 die Unabhängigkeit vom Sudan. Doch Ende 2013 brach in Folge eines Machtkampfes zwischen Präsident Salva Kiir und dessen damaligem Stellvertreter Riek Machar ein Bürgerkrieg aus. Der Konflikt hat auch zunehmend ethnische Hintergründe: Kiirs Gefolgsleute vom Volk der Dinka kämpfen gegen Machars Anhänger vom Stamm der Nuer. Zehntausende Menschen kamen seither ums Leben, rund 3,5 Millionen sind nach UN-Angaben auf der Flucht.

„Berliner Appell“: Gabriel und Müller fordern mehr Hilfe für Hungernde

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hat gemeinsam mit Entwicklungsminister Gerd Müller mehr humanitäre Hilfe für die Hungernden in Afrika gefordert. In Teilen Afrikas und im Jemen drohe eine Hungerkatastrophe, sagte Gabriel am Mittwoch bei einer internationalen Konferenz mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Berlin. Betroffen seien Millionen Menschen. Man müsse sofort helfen, damit die Menschen dort das nackte Überleben sichern könnten. Der „Berliner Appell“ richte sich an die internationale Gemeinschaft, aber auch an Privatpersonen.

Die Lage sei dramatisch, sagte Müller. „Ich habe verdurstete Kamele in Äthiopien gesehen - erst sterben die Tiere, dann die Menschen.“ Man baue dort auf Unterstützung, so der CSU-Politiker. Deutschland beteilige sich bereits mit zusätzlich 400 Millionen Euro und sichere damit das Überleben vieler Menschen. Die internationalen Hilfen reichen bisher aber bei weitem nicht aus.

Gabriel betonte, Europa und Deutschland engagierten sich nicht aus Sorge vor einem neuen Flüchtlingszustrom für Afrika. „Wir tun das, weil die Not der Menschen ungeheuer groß ist“, sagte der Außenminister. „Und weil wir glauben, dass es auch ein bisschen eine Frage der Ehre ist.“

Die Menschen im Südsudan, in Teilen Somalias, Äthiopiens, Nigerias und auch im Jemen sind von internen Konflikten, Krieg, Vertreibung und von starken Dürren betroffen. Den Vereinten Nationen zufolge ist das Spendenaufkommen für die Regionen gering. 20 Millionen Menschen sind demnach dringend auf Hilfe angewiesen.

dpa/Video: snacktv

Hunger-Katastrophe im Südsudan - so können Sie helfen:

Spendenkonto: Deutsche Welthungerhilfe e.V., Sparkasse KölnBonn,

IBAN: DE15370501980000001115, BIC: COLSDE33,

Stichwort: Nothilfe Hunger in Afrika

Rubriklistenbild: © dpa

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